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'Wir sind gerüstet'

FCB besteht Saison-Generalprobe

Als die große Party vorüber war, zeigte Franz Beckenbauer noch einmal, was ihn als Spieler ausgezeichnet hatte. Geradlinig stürmte der heute 64-Jährige nach vorne, wie früher als Libero. Doch diesmal suchte er nicht den Doppelpass, wie einst so oft mit Gerd Müller. Nein, diesmal nahm der „Kaiser“ den Kopf nicht hoch, gab den Ball nicht ab. Auch wenn sich die Reporter scharenweise als Anspielstation anboten. „Franz, bitte, nur zwei, drei Fragen.“ Doch Beckenbauer eilte kommentarlos durch die Tür aus der Mixed Zone.

Es war Beckenbauers Abend gewesen in der ausverkauften Allianz Arena. Was es zu tun und sagen gab, hatte er schon vor dem Anpfiff erledigt. Er hatte sich bedankt beim FC Bayern „für diese sehr großzügige Geste“, 33 Jahre nach seinem Wechsel zu Cosmos New York doch noch ein Abschiedsspiel zu bekommen. „Damals war eigentlich eines für mich reserviert. Es ist leider irgendwie in Vergessenheit geraten“, erzählte „einer der Unsterblichen“, wie ihn Real Madrids Trainer José Mourinho nannte. Beckenbauer hatte ein Trikot, Blumen und eine Spende für seine Stiftung erhalten und er hatte den Anstoß persönlich vorgenommen. Dann wurde aus Beckenbauers Abschiedsspiel die Generalprobe des FC Bayern vor dem Start in die neue Saison.

Die Mikrofone überließ Beckenbauer daher nach dem Schlusspfiff Louis van Gaal. Und der war „sehr zufrieden“ mit dem Auftritt seiner Mannschaft gegen Real Madrid. Obwohl die Spanier den „Franz-Beckenbauer-Cup“ mit nach Hause nahmen. Im Elfmeterschießen gewannen sie 4:2, nach 90 unterhaltsamen Minuten mit Chancen auf beiden Seiten hatte es 0:0 gestanden. „Ich habe eine hervorragende Mannschaft gesehen“, bilanzierte Van Gaal, „wir waren die dominante Mannschaft, haben Chancen kreiert, aber die Tore nicht geschossen.“

Drei Tage vor der Erstrundenpartie im DFB-Pokal beim Fünftligisten TSV Germania Windeck und eine Woche vor dem Bundesliga-Auftakt gegen den VfL Wolfsburg blickt der Chefcoach des Double-Siegers daher zuversichtlich nach vorne. „Ich glaube, dass wir einen besseren Start haben werden als letztes Jahr“, meinte er. Auch Thomas Müller sagte: „Bis auf den Ausgang können wir ganz zufrieden sein. Wir haben gute Ansätze gezeigt. Ich denke, für Montag sind wir gerüstet.“

Dabei war die Vorbereitung des FC Bayern diesmal alles andere als einfach gewesen. Elf WM-Teilnehmer hatten erst Anfang August, zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel, das Training aufgenommen. Doch sie hinterließen auch gegen Real einen überraschend guten Eindruck. „Die Spieler haben gezeigt, dass wir physisch schon weit sind“, stellte Van Gaal zufrieden fest, nur die schwere Verletzung von Arjen Robben stört ihn. „Sicher haben wir Alternativen, aber Robbens Klasse können wir nicht ersetzen“, sagte er.

Sechs Wochen Training, aufgeteilt in zwei Phasen, ein Trainingslager im Trentino, sieben Testspiele - das Ergebnis der schweißtreibenden Vorbereitungsarbeit konnte sich gegen Real schon sehen lassen. „Real Madrid war am Ende völlig kaputt gespielt“, bemerkte Van Gaal, der sich auch darüber freute, dass seine Mannschaft funktioniert, egal wen er aufstellt. „Es standen wieder andere Spieler auf dem Platz als zuletzt gegen Schalke - und doch haben wir die gleiche Leistung gezeigt. Das finde ich hervorragend.“

Nur an der Chancenauswertung gilt es noch zu arbeiten. Die beste Möglichkeit des Spiels vergab Holger Badstuber, der in der 8. Minute per Foulelfmeter an Iker Casillas scheiterte. Der Weltmeister im Real-Tor war an diesem Abend der beste Königliche, mehrfach bewahrte er seine Mannschaft vor einem Rückstand. Am Montag wollen die Bayern sich auch in puncto Torausbeute steigern. „Natürlich ist Windeck nicht zu vergleichen mit Real Madrid“, sagte Van Gaal, „aber Windeck ist für uns viel wichtiger als Real.“

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