präsentiert von
Menü
Der 66-Sekunden-K.o.

Gestolpert, aber auf einem guten Weg

Louis van Gaal hatte eine düstere Vorahnung. „Ich hatte gehofft, dass wir die ersten fünf Spieltage nicht gegen einen Aufsteiger spielen müssen“, sagte der Bayern-Coach einen Tag vor der Auswärtspartie beim 1. FC Kaiserslautern. Aufsteiger sind erfahrungsgemäß gerade zu Beginn einer Saison mit großer Euphorie und viel Selbstvertrauen ausgestattet, was der FC Bayern schon am 3. Spieltag der letzten Saison beim 1:2 in Mainz schmerzlichzu spüren bekam.

Leider haben sich Van Gaals Befürchtungen bestätigt, denn auch in dieser Spielzeit gab es für den Rekordmeister gegen einen Liga-Neuling ein böses Erwachen. „Ich hatte gehofft, dass wir die Partie unbeschadet überleben. Aber es gibt Tage, an denen vor dem Tor nichts gelingt. Das war heute der Fall“, sagte der Bayern-Coach nach dem 0:2 (0:2) vor fast 50.000 Zuschauern auf dem ausverkauften Betzenberg.

Es war eine unnötige Niederlage, die der Double-Gewinner am Freitagabend in Kaiserslautern kassierte. Fast über die komplette Spielzeit dominierte die Van-Gaal-Truppe das Geschehen und hatte in allen Spiel relevanten Statistiken wieder mal klar die Nase vorn. Doch die Punkte gingen an die Lauterer, die kämpferisch alles in die Waagschale warfen und zudem eiskalt in der Offensive agierten. „Wir haben aus wenigen Torchancen viel gemacht. Ich denke, das war heute der Schlüssel für dieses Spiel“, sagte Christian Tiffert nach dem Spiel.

Die Kaltschnäuzigkeit der Pfälzer Torschützen Ivo Ilicevic (36.) und Srdjan Lakic (37.), die dem FCB durch einen Doppelschlag innerhalb von 66 Sekunden den K.o. versetzten, war aber nur ein Grund für die erste Pflichtspiel-Niederlage der Van-Gaal-Truppe in dieser Saison. Entscheidend war auch die eigene Abschlussschwäche vor und nach den beiden Toren des FCK. So hatte Thomas Müller in der 24. Minute die Riesenchance, frei vor Tobias Sippel seine Mannschaft in Führung zu bringen, doch der WM-Torschützenkönig scheiterte.

'Wahnsinnsabend' für Kunz und FCK

„Das muss ein Tor sein“, ärgerte sich Van Gaal über Müllers Fehlschuss beim Stand von 0:0. „Thomas macht den normalerweise“, nahm Philipp Lahm seinen Teamkollegen in Schutz. Nicht nur für FCK-Coach Marco Kurz war es „die Schlüsselszene“ in diesem Spiel, denn mit einer Führung im Rücken hätten sich die Bayern auf dem Betze sicherlich viel leichter getan. So mussten sie wenig später einem Zwei-Tore-Rückstand aufholen, was trotz bester Chancen nicht mehr gelang. „Wir müssen hier normalerweise gewinnen, auch wenn sich das komisch anhört. Wir haben eigentlich gar nicht so schlecht gespielt und sehr viele Chancen herausgespielt, aber sie nicht gemacht“, ärgerte sich Kapitän Mark van Bommel.

Kurz sprach anschließend von einem „Wahnsinnsabend“ und von einem „Wahnsinnsgeschenk, gemeinsam mit den Fans den amtierenden Deutschen Meister zu schlagen.“ Doch er wusste, dass er diesen Coup ein wenig auch dem Spielplan zu verdanken hatte: „Der Zeitpunkt des Spiels gegen Bayern war optimal. Wenn du gegen sie eine Minimalchance hast, dann am Anfang der Saison. Deshalb waren wir nicht traurig, über die Terminierung.“

Kein Vergleich mit letztem Jahr

Van Gaal, der ob der schwierigen Vorbereitung immer einen holprigen Saisonstart befürchtet hatte, sah sich nach dem Spiel auch hierin bestätigt. „Wenn wir fitter gewesen wären, wären wir im 16-Meter-Raum schärfer gewesen. Aber wir werden erst Ende Oktober oder Anfang November bei 100 Prozent sein. Alle Spieler hatten keine gute Vorbereitung. Deshalb ist es sehr schwierig, alle im Gleichgewicht aufzubauen.“ Und es wird schwierig bleiben, denn bis auf eine Handvoll Akteure werden alle Bayern-Spieler in den nächsten zehn Tagen bei ihren Nationalmannschaften weilen.

Der Bayern-Express könnte also auch in dieser Saison erst langsam ins Rollen kommen, dennoch sieht Van Gaal sein Team „auf einem guten Weg. Wir haben in der zweiten Halbzeit alles getan, um zu gewinnen.“ Und auch Van Bommel will die aktuelle Situation nicht mit der der letzten Saison vergleichen, als der FCB nach Van Gaals Amtsantritt den schlechtesten Saisonstart seiner Bundesligageschichte hinlegte: „Wenn man das Spiel gegen Mainz gesehen hat und das heute, dann ist das eine ganz andere Welt.“

Weitere Inhalte