präsentiert von
Menü
Nur Van Buyten ärgert sich

Bayerische Tor-Koproduktion in Belgien

Es war ein Tor, wie es in jedem Spiel des FC Bayern fallen könnte. Bastian Schweinsteiger erobert den Ball, Thomas Müller serviert ihn Miroslav Klose, der eiskalt vollstreckt. Nur dass diese Szene aus keinem Bayern-Spiel stammt. Sie passierte am Freitagabend in der 51. Minute des EM-Qualifikationsspiels zwischen Belgien und Deutschland. Und da es kein Bayern-Spiel war, konnten sich auch nicht alle Bayern auf dem Platz über das Tor freuen.

Daniel van Buyten nämlich war für Belgien im Einsatz und er war es auch, der in der 51. Minute den Ball am eigenen Strafraum an Schweinsteiger verlor. „Ich hätte den Ball vielleicht schneller wegschlagen müssen“, meinte der belgisch-bayerische Abwehrhüne, der aber das spielentscheidende Gegentor nicht allein auf seine Kappe nehmen wollte. „Marouane (Fellaini, d. Red.) hätte den Ball 40 Meter wegschießen müssen, anstatt vor unserem Tor klein-klein auf mich zu spielen.“

Glückwünsche statt Frotzeleien

Dort, wo Fellainis Befreiungsschlag hätte landen können, trafen sich nach dem Schlusspfiff Van Buyten, Schweinsteiger und weitere FCB-Profis. Im Mittelkreis kreuzten sich ihre Wege und sie beglückwünschten sich gegenseitig zu einem guten Spiel. „Schweinsteiger hat mir gesagt, dass sie Glück hatten und dass auch wir hätten gewinnen können“, berichtete Van Buyten, „Klose hat mir während des Spiels oft gesagt, dass es ein schwieriges Spiel ist.“

Eine bayerische Koproduktion führte schließlich zum 1:0-Siegtreffer für das DFB-Team. Van Buyten, dessen Team dem WM-Dritten aus dem Nachbarland einen großen Kampf lieferte, fährt aber dennoch erhobenen Hauptes zurück nach München. „Ich glaube nicht, dass mich meine Kollegen auf den Arm nehmen werden“, meinte der Innenverteidiger, „wir haben ein gutes Spiel gemacht, aber das Gegentor war dumm.“

Anknüpfen an die WM

Schweinsteiger, der Van Buytens Ballverlust mit energischem Pressing erzwungen hatte, schmunzelte dennoch nach dem Schlusspfiff. „Ich kenne Daniel ja ein bisschen“, sagte er und fügte ernst hinzu: „Normalerweise passiert ihm das nicht.“ Und es sei ja auch „ein bisschen glücklich“ gewesen, dass der Querschläger genau bei Müller landete, meinte er.

Müller seinerseits zögerte nicht lange und leitete den Ball weiter auf den freistehenden Klose. „Schnelles Umschalten und richtige Entscheidungen treffen nach Ballgewinn waren schon bei der WM unsere große Stärke. Das hat beim Tor auch wieder geklappt“, sagte der Torschützenkönig der WM in Südafrika, der nicht nur das Tor vorbereitete, sondern mehrere gute Aktionen hatte und in der 70. Minute beinahe das 2:0 erzielt hätte. „Wir haben an die WM anknüpfen können, auch wenn noch nicht alles optimal lief.“

Klose auf Rekordjagd

In WM-Form präsentierte sich in Brüssel auch der Torschütze. „Es ist schön, dass ich getroffen habe. Wenn wir 1:0 gewinnen, ist es natürlich umso schöner“, freute sich Klose über seinen 53. Treffer im 102. Länderspiel. Eigentlich hatte Klose dieses Tor unbedingt noch in Südafrika schießen wollen, um mit 15 WM-Treffern mit dem Weltmeisterschafts-Rekordschützen Ronaldo aus Brasilien gleichzuziehen. Ein eingequetschter Ischiasnerv verhinderte jedoch seinen Einsatz im „kleinen WM-Finale“ gegen Uruguay (3:2).

Zumindest zum deutschen WM-Rekordtorjäger Gerd Müller (14) hat Klose in Südafrika aber aufgeschlossen. Und auch dessen Bestmarke im DFB-Trikot (68 Tore) kommt der 32-Jährige immer näher. 15 Treffer liegt er noch hinter dem „Bomber der Nation“. Für seine letzten 15 Länderspieltore benötigte Klose gut zwei Jahre (Mai 2008 bis September 2010), Ende 2012 könnte es also soweit sein. Bis dahin werden ihm seine Kollegen vom FC Bayern sicher noch ein paar Bälle servieren.

Weitere Inhalte