präsentiert von
Menü
'Schlechtestes Saisonspiel'

Bayern auf der Suche nach alter Stärke

Der Frust war ihnen anzumerken. Zumeist wortlos und mit hängenden Köpfen verließen die Spieler des FC Bayern am frühen Samstagabend die Katakomben der Allianz Arena, zu tief saß der Stachel der Enttäuschung nach der 1:2 (1:1)-Heimpleite gegen den Überraschungsspitzenreiter 1. FSV Mainz 05, bereits die zweite Niederlage in der noch jungen Saison.

„Wir haben heute sehr schwach gespielt. Ich denke, es war das erste Spiel, nach dem man sagen kann: Wir waren schwach. Die Quittung dafür haben wir bekommen“, sagte Thomas Müller nach der Partie in der mit 69.000 Zuschauern ausverkauften Allianz Arena, in der die Bayern „mit eines der schlechtesten Spiele unter diesem Trainer“ gemacht haben, wie Miroslav Klose erklärte.

„Wir haben heute schlecht gespielt, zu viele Spieler waren unter ihrer Normalform“, analysierte Bayern-Trainer Louis van Gaal und lobte dabei den Gegner: „Mainz hat wie eine Mannschaft gespielt, wir haben sehr viele Schwierigkeiten mit diesem Pressing nach vorne gehabt.“ Während Van Gaals Gegenüber Thomas Tuchel nach dem Spiel sprachlos war („Mir fehlen spontan die Worte, das muss sich jetzt alles erst setzen“), sparten die Verantwortlichen des FC Bayern nicht mit Kritik.

„Es war eine verdiente Niederlage, weil Mainz besser gespielt hat“, sagte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge, der sich seinen 55. Geburtstag sicherlich anders vorgestellt hatte. „Die Mainzer haben mit großer Laufbereitschaft, großer Aggressivität und auch Leidenschaft gespielt. Diese Attribute haben wir heute vermissen lassen. Wir können mit der Leistung heute wirklich nicht zufrieden sein“, so Rummenigge weiter.

Einen Schritt weiter ging sogar Sportdirektor Christian Nerlinger, der von einer „desolaten Leistung“ sprach. „Von Anfang bis Ende war es bis auf einige kurze Ausnahmen im Spiel eine sehr enttäuschende Leistung, die man so von der Mannschaft in den letzten Monaten und Wochen nicht gesehen hat. Es wird schwieriger als wir es erwartet haben. Die Tabellenspitze ist momentan in weiter Ferne“, gestand Nerlinger ein.

Nach dem frühen 0:1-Rückstand durch Sami Allagui (15. Minute) habe seine Mannschaft „den Kopf verloren“, wie Van Gaal am Tag nach dem „schlechtesten Saisonspiel“ feststellte. Zwar gelang dem FCB durch ein unglückliches Eigentor des Mainzers Bo Svensson (44.) noch vor der Pause der Ausgleichstreffer, doch Adam Szalais „Lucky Punch“ (Tuchel) in der 77. Minute besiegelte die erste Heimniederlage der Bayern in dieser Saison.

„Ich sehe es als gesamtmannschaftliches Problem, wie wir uns präsentieren“, kritisierte Nerlinger, der vor allem die unzureichende Chancenauswertung bemängelte: „Wir haben die Chancen, die sich uns geboten haben, nicht zwingend verwertet.“ Und der früher Weltklasse-Torjäger Rummenigge meinte: „Von den Bayern-Stürmern war man immer gewohnt, dass sie viele Tore schießen. Jetzt haben wir null Tore auf dem Konto. Das ist eine Statistik, die mir gar nicht gefällt.“

Zehn Punkte beträgt nach sechs Spielen bereits der Rückstand der Bayern auf den selbst ernannten Karnevalsverein, „ganz schön viel“, beklagte Rummenigge. „Wir müssen jetzt zusehen, dass wir die Kurve kriegen. Wir können uns nicht den Luxus leisten zu glauben, dass wir das irgendwann wieder drehen wie im letzten Jahr. Irgendwann muss man anfangen, Punkte zu holen, damit man den Druck nach oben erhöht.“

„Es nützt jetzt nichts, mit dem Fernrohr nach oben zu schauen“, so Nerlinger. Mit lediglich acht Zählern aus den ersten sechs Partien „stehen wir nicht in einer Situation, wo wir glücklich sind, sondern wo langsam die Alarmglocken angehen. Wir müssen uns jetzt auf uns konzentrieren und schauen, dass wir wieder zu alter Stärke finden.“ Am besten schon am kommenden Dienstag im Champions-League-Gruppenspiel beim FC Basel.

Weitere Inhalte