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'Kriegen das schon hin'

Bayern suchen noch ihren Rhythmus

Wer die Bayern am Donnerstag und Freitag im Training gesehen hat, dem musste es Angst und Bange werden um Werden Bremen. Miroslav Klose, Ivica Olic, Franck Ribéry und Co. trafen im Trainingsspiel und auch bei den Torabschlussübungen aus allen Lagen fast nach Belieben. Und Werder kam ja auch noch mit einigen Abwehrsorgen nach München. Die Vorzeichen standen also nicht schlecht für den ersten Bayern-Heimsieg gegen die Hanseaten nach fast fünf Jahren.

Nun, die Möglichkeiten dazu waren absolut vorhanden, speziell in der zweiten Halbzeit eines insgesamt guten und spannenden Spiels. Doch Louis van Gaal sah sich nach dem 0:0 in einer seiner Erkenntnisse aus nunmehr über 24 Jahren als Trainer im Profifußball bestätigt: „Torchancen verwerten kann man nicht trainieren. Man kann nur trainieren, sie mit einem bestimmten Spielstil zu kreieren. Das habe ich heute wieder gesehen.“

Ein halbes Dutzend hervorragender Chancen hatte sich seine Mannschaft in der Neuauflage des letztjährigen Pokalfinales erspielt. Damals, am 15. Mai, hatten die Bayern diese eiskalt ausgenutzt und mit 4:0 gewonnen. Am Samstagabend ließen Thomas Müller, Franck Ribéry und Toni Kroos ihre Chancen ungenutzt verstreichen. „In der zweiten Halbzeit hatten wir drei 100 Prozent Karat-Torchancen, aber wir haben das Tor nicht getroffen, und das ist das wichtigste im Spiel“, betonte Van Gaal.

Drei Spiele hat der FC Bayern nun in der neuen Saison ausgetragen. Und herausgekommen ist mit einem Sieg, einer Niederlage und einem Remis genau der Holperstart, den Van Gaal nach der schwierigen Vorbereitung befürchtet hatte. „Man sieht, dass die Mannschaft noch nicht da ist, wo sie hinwill und muss“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger nach der Nullnummer gegen starke Bremer. „Man hat in den bisherigen Spielen gesehen, dass wir noch nicht bei 100 Prozent sind“, sagte Philipp Lahm.

Ungewohnte Ballverluste

Das äußert sich nicht nur darin, dass die guten Chancen nicht so konsequent genutzt werden. Auch das Aufbauspiel der Bayern stockt noch deutlich im Vergleich zur Rückrunde der letzten Saison. „Wir haben uns in der ersten Halbzeit sehr schwer getan, da hatten wir viele Ballverluste, die uns normal nicht passieren“, gestand Lahm. „Man sieht, dass es noch nicht so leicht fällt. Wir erleiden Ballverluste, die wir so in der vergangenen Saison nicht hatten“, analysierte Nerlinger.

„Man kann schon sagen, dass einige geschlaucht sind“, sagte Miroslav Klose zu den Nachwirkungen der WM- Länderspielstrapazen. „Es ist nicht nur physisch, sondern auch psychisch“, ergänzte Lahm. Er und zehn andere Bayern-Profis waren erst zweieinhalb Wochen vor dem Saisonauftakt ins Training eingestiegen. „Es war eine lange Saison und eine kurze Vorbereitung. Es fehlt noch der Rhythmus“, so der derzeitige Kapitän der deutschen Nationalelf.

Doppelt so gut wie letztes Jahr

Den wollen sich die Bayern nun in den kommenden Wochen erarbeiten. Bremen war der Start von sieben Partien in nur 23 Tagen. Schon am Mittwoch geht es zum Auftakt der Champions League gegen den AS Rom weiter. „Ich glaube, wir werden uns jetzt von Spiel zu Spiel steigern“, sagte Nerlinger und betonte: „Das müssen wir auch.“

Die Tabellensituation in der Bundesliga bereitet den Bayern derzeit noch keine allzu großen Sorgen. „Da klafft jetzt eine Lücke von fünf Punkten, das ist momentan zu verschmerzen“, sagte Nerlinger. Im ersten Jahr unter van Gaal standen die Bayern nach drei Spielen sogar nur mit zwei Punkten da. „Am Ende werden die Preise verteilt“, beruhigte der Trainer. „Wir kriegen das schon hin“, meinte auch Kapitän Mark van Bommel.

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