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Rummenigge spricht Klartext

'Die Mannschaft ist jetzt exklusiv gefragt'

Es war sein 55. Geburtstag und am meisten hätte sich Karl-Heinz Rummenigge über drei Punkte gegen Mainz gefreut - doch der FC Bayern verlor am Samstag gegen die Überflieger aus Rheinhessen mit 1:2 (1:1). Nach dem Spiel stand der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters im Bauch der Allianz Arena den Reportern Rede und Antwort - und fand klare Worte.

Frage: Herr Rummenigge, so haben Sie sich Ihren Geburtstag sicher nicht vorgestellt.
Rummenigge: „Wenn man Geburtstag hat, möchte man natürlich gewinnen. Aber das haben wir schon vor ein paar Wochen beim Geburtstag von Franz Beckenbauer nicht geschafft (0:0 gegen Bremen, d. Red.). Da haben wir wenigstens noch unentschieden gespielt - heute haben wir verloren.“

Frage: Was sind die Gründe für diese Niederlage?
Rummenigge: „Es war eine verdiente Niederlage, weil Mainz besser gespielt hat. Wenn man nüchtern analysiert, muss man sagen, dass wir schon am Anfang nicht richtig ins Spiel gekommen sind. Die Mainzer haben mit großer Laufbereitschaft, großer Aggressivität und auch Leidenschaft gespielt. Diese Attribute haben wir vermissen lassen.“

Frage: Mit einem Stotterstart hatte man beim FC Bayern nach der WM gerechnet. Haben Sie gedacht, dass es so schwierig wird?
Rummenigge: „Nach dem Sieg in Hoffenheim hatten wir die Hoffnung, dass wir heute auch die drei Punkte holen und in der Tabelle Punkte nach oben gutmachen. Wir müssen jetzt zusehen, dass wir die Kurve kriegen, weil zehn Punkte sind schon ganz schön viel.“

Frage: Nicht nur Tabellenführer Mainz ist zehn Punkte voraus, auch der nächste Gegner Dortmund schon sieben Zähler. Was heißt das?
Rummenigge: „Das ist etwas, was wir in den nächsten Wochen verbessern müssen. In Dortmund müssen wir schauen, dass wir damit anfangen. Wir können uns nicht den Luxus leisten zu glauben, dass wir das irgendwann wieder drehen wie im letzten Jahr. Irgendwann muss man anfangen, Punkte zu holen, damit man den Druck nach oben erhöht.“

Frage: Bereitet Ihnen der gute Dortmunder Start sogar mehr Sorgen?
Rummenigge: „Wir tun gut daran, alle Vereine vor uns respektvoll zu behandeln. Das ist nicht nur Borussia Dortmund, sondern viele andere. Wir sollten uns an die eigene Nase fassen - und diese Nase läuft etwas. Wir können mit der Leistung wirklich nicht zufrieden sein.“

Frage: Es kann ja inzwischen auch nicht mehr nur an der WM liegen, oder?
Rummenigge: „Es war klar, dass es kein runder Start für uns wird, wegen der WM, wegen der Vorbereitung. Aber jetzt sind wir Ende September - jetzt müssen wir trotzdem langsam anfangen. Wir müssen jetzt wieder die Attribute einbringen, die uns in der Rückrunde der vergangenen Saison nach vorne gebracht haben: Leidenschaft, Laufbereitschaft, Aggressivität. Das müssen wir verstärkt wieder einbringen.“

Frage: Sind das genau die Dinge, die Mainz heute ausgezeichnet haben?
Rummenigge: „Das haben sie gegen uns eingebracht und gezeigt, dass sie eine Mannschaft sind, gegen die es nicht so einfach ist zu gewinnen.“

Frage: Glauben Sie, dass die Mainzer jetzt ein Titelkonkurrent sind?
Rummenigge: „Das weiß ich nicht. Auf jeden Fall haben sie einen Superstart hingelegt. Das hat wohl selbst der größte Optimist in Mainz nicht für möglich gehalten: 18 Punkte in sechs Spielen. Dazu kann man ihnen nur gratulieren.“

Frage: Fahren Sie nun besorgt zum Champions-League-Spiel nach Basel?
Rummenigge: „Das ist das Schöne am Fußball, dass man die Dinge drei Tage später wieder korrigieren kann. Und die müssen wir korrigieren, weil mit einer solchen Leistung kann man in der Champions League nicht bestehen, das ist klar - und auch in der Bundesliga nicht.“

Frage: Hat dieses Spiel Einfluss auf die Gespräche mit Trainer Louis van Gaal hinsichtlich der vorzeitigen Vertragsverlängerung?
Rummenigge: „Nein, überhaupt nicht. Wir machen eine Meinung nicht von einem Spiel oder einer Niederlage abhängig. Es geht um die Mannschaft und nicht um den Trainer. Der macht hier tagtäglich einen Super-Job. Die Mannschaft ist jetzt exklusiv gefragt und aufgefordert, eine andere Gangart einzulegen. Da werden wir genau hinschauen müssen.“

Frage: Nur fünf Tore in sechs Spielen. Die Stürmer treffen gar nicht. Was sagen Sie dazu?
Rummenigge: „Das gilt es zu verbessern. Von den Bayern-Stürmern war man immer gewohnt, dass sie viele Tore erzielen. Jetzt haben wir null Tore auf dem Konto. Das gefällt mir gar nicht.“

Frage: Die Mainzer Stürmer hingegen haben zwei sehenswerte Tore erzielt. Was sagen Sie zum 1:0-Hackentreffer von Sami Allagui?
Rummenigge: „Das war eine technische Meisterleistung. Allerdings muss man auch selbstkritisch sein, dass wir in der Abwehr einiges dazu beigetragen haben. Normalerweise dürfen solche Tore gegen Bayern München nicht erzielt werden.“

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