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'Verkehrte Welt'

Mainz auf Eins, Bayern auf Acht

Als die Deutsche Presse-Agentur (dpa) kurz vor Saisonbeginn ihre traditionelle Trainerumfrage durchführte, waren sich die Übungsleiter einig wie selten zuvor. 15 der 18 Bundesligatrainer tippten auf den FC Bayern als kommenden Deutschen Meister 2011. Weitere Nennungen erhielten nur der FC Schalke und Werder Bremen.

Nach fünf Spieltagen entspricht die Tabelle der Bundesliga noch gar nicht den Erwartungen der Trainer. Schalke ziert das Tabellenende, Bremen rangiert auf Platz 14, der FC Bayern ist Achter. Ganz oben thronen hingegen die ungeschlagenen Mainzer vor Dortmund, Hoffenheim, Hannover und Freiburg - Klubs, die die letzte Saison auf Platz 9, 5, 11, 14 und 15 abschlossen. „Es ist momentan verkehrte Welt in der Bundesliga“, sagte Christian Nerlinger zur aktuellen Tabellensituation.

Über die Gründe braucht der FCB-Sportdirektor nicht lange nachdenken: „Das hat sicherlich damit zu tun, dass viele WM-Teilnehmer noch nicht ganz so in Tritt sind.“ Auch Karl-Heinz Rummenigge führt die Weltmeisterschaft in Südafrika als Erklärung der vielen Überraschungen an der Tabellenspitze an. „All diese Mannschaften haben keine oder kaum Nationalspieler für die WM abstellen müssen“, schreibt der FCB-Vorstandschef in seinem Vorwort des aktuellen Bayern-Magazins.

'Einfach fitter und im Rhythmus'

Je ein Spieler aus den aktuellen Kadern von Mainz und Freiburg war in Südafrika im Einsatz, Dortmund und Hoffenheim haben je zwei WM-Teilnehmer im Team, Hannover drei. Zusammengezählt finden sich in der aktuellen Top 5 der Bundesliga also weniger WM-Fahrer (9) als allein beim FC Bayern, der 13 Mann nach Südafrika abstellte. Elf davon erreichten das Halbfinale, drei das Finale. Auch Schalke (6), Stuttgart (6) und Bremen (5) haben deutlich mehr WM-Teilnehmer in ihren Reihen.

Klubs wie Mainz konnten somit „nach einer sehr langen Regeneration in der Sommerpause auch eine sehr lange Vorbereitung auf die neue Saison durchführen“, sagte Rummenigge, „dementsprechend sind diese Klubs im Moment einfach fitter und auch vom Rhythmus her gegenüber Mannschaften wie Bremen, Leverkusen oder auch dem FC Bayern im Vorteil.“

Mainz auf Rekordjagd

„Fast der ganzen Mannschaft fehlt die Vorbereitung“, beschrieb Ivica Olic die Situation beim FC Bayern, bei dem die letzten elf Spieler erst zweieinhalb Wochen vor dem Bundesliga-Auftakt ins Training einstiegen. „Noch sechs Wochen“ dauere die Vorbereitung seiner Mannschaft, sagte Louis van Gaal kürzlich vor dem Spiel gegen Köln. „Diese Periode müssen wir überleben. Ich bin noch immer auf der Suche nach der besten Elf.“

Solche Probleme hat Mainz-Trainer Thomas Tuchel nicht. Er eilt mit seinem Team im Moment von Sieg zu Sieg. Mit fünf Startsiegen haben die Mainzelmännchen einen neuen klubeigenen Startrekord bereits aufgestellt, zwei Siege fehlen noch, um den Liga-Startrekord - sieben Siege, gehalten vom FC Bayern (1995/96) und Kaiserslautern (2001/02) - einzustellen.

'Es wird sich noch einiges ändern'

Am Samstag kommt es in der Allianz Arena zum direkten Duell zwischen Bayern und Mainz. „Fünf Siege - das ist kein Zufall. Die haben Qualität“, hat Olic Respekt vor dem Überraschungs-Tabellenführer. Auch Jörg Butt meinte: „Es gibt keinen Grund, die Mainzer nicht ernst zu nehmen. Man braucht sich nur die Tabelle anzuschauen. Die spielen bisher einen tollen Fußball.“

Zum engen Kreis der Titelfavoriten zählt Nerlinger die Rheinhessen, die unter anderem Bremen, Stuttgart und Wolfsburg schon geschlagen haben, jedoch nicht. „Ich bezweifle, dass sie diesen langen Atem bis zum Schluss haben“, sagte der FCB-Sportdirektor. Auch Butt meinte: „Insgesamt, glaube ich, wird die Tabelle, so wie sie jetzt aussieht, am Ende der Saison nicht aussehen. Da wird sich noch einiges ändern.“

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