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Kölsches Déjà-vu

'Wir müssen jetzt die Kurve kriegen'

Sein Torriecher ließ Thomas Müller nicht im Stich, als Franck Ribéry in der Nachspielzeit zum Freistoß antrat. Der Franzose schoss und Müller lief von der Strafraumgrenze auf Faryd Mondragon zu - und tatsächlich: Kölns Torwart konnte den Ball nicht festhalten, die Kugel flog direkt Richtung Müller. Der köpfte, Fans und Mitspieler hatten schon den Torjubel auf den Lippen, doch der Ball landete genau in den Armen Mondragons. Müller raufte sich die Haare, Enttäuschung machte sich in der Allianz Arena breit. Ein paar Augenblicke später pfiff der Schiedsrichter ab. Der FC Bayern hatte 0:0 gegen den 1. FC Köln gespielt.

„So wie ich ihn mache, kann er fast nicht reingehen“, ärgerte sich Müller später in den Stadion-Katakomben, „im Nachhinein habe ich gesehen, dass ich Zeit gehabt hätte, ihn mit der Brust anzunehmen und dann zu schießen. Da habe ich mich falsch entschieden.“ So wie ziemlich genau vor einem Jahr Ivica Olic, der beim damaligen 0:0 gegen Köln in der Nachspielzeit ebenfalls eine letzte große Torchance vergab. „Die Heimspiele, die ich gegen Köln mitgemacht habe, waren relativ identisch“, fühlte sich Müller an das Vorjahr erinnert. Nicht nur er hatte am Samstag ein Déjà-vu.

Wie vor einem Jahr hatte der FC Bayern die Partie gegen den 1. FC Köln dominiert (69 Prozent Ballbesitz, 20:8 Torschüsse, 23:6 Flanken, 11:1 Ecken). Wie vor einem Jahr stand es am Ende aber 0:0. Und wie vor einem Jahr hat der Doublesieger nach vier Bundesligaspieltagen nur fünf Punkte auf dem Konto. „Der Start ist nicht optimal“, meinte Holger Badstuber, „wir hätten wesentlich besser starten können.“

'Für unsere Ansprüche zu wenig'

Denn trotz einer nach der WM schwierigen Vorbereitung ist die Leistung der Mannschaft auf dem Platz schon ansehnlich. „Es war bisher noch kein Spiel dabei, wo ich denke, dass wir richtig schlecht gespielt haben“, sagte Müller. Nur die Torausbeute lässt zu wünschen übrig. Zum dritten Mal in Folge hat der Rekordmeister jetzt in der Liga keinen Treffer erzielt. „Wir haben in vier Spielen zwei Tore geschossen. Das ist für unsere Ansprüche zu wenig“, stellte Christian Nerlinger fest.

Gegen Köln habe die Mannschaft „alles getan, um gefährlich in den Strafraum zu kommen“, sagte Louis van Gaal, „aber das reicht nicht, wir müssen auch ein Tor machen.“ Die extrem defensive Taktik der Geißböcke, die sich mit zehn Mann am eigenen Strafraum verschanzten, ließen die Bayern nicht als Entschuldigung gelten. „Wir müssen die Klasse haben, durch die Mauer durchzukommen“, sagte Badstuber.

'Nur eine Frage der Zeit'

Es liege „in erster Linie an uns selber“, meinte Jörg Butt, der in der Schlussphase mit zwei Paraden gegen Miso Brecko (77.) und Sebastian Freis (83.) sogar eine drohende Niederlage verhinderte. „Letztendlich muss sich jeder hinterfragen, was er verbessern kann. Man muss versuchen, mit allem, was man hat, die Tore zu machen.“ Auch Nerlinger betonte: „Gegen solch defensiv eingestellte Mannschaften muss man Dinge auch erzwingen. Es wird uns öfter passieren in der Saison, dass wir auf massiv defensiv ausgerichtete Gegner treffen. Da müssen wir Tore erzielen, es hilft nichts.“

Doch nicht nur beim Sportdirektor („Das ist ein Problem, das wir beheben werden und müssen.“) ist die Zuversicht groß, dass die Durchschlagskraft vor dem Tor schon bald zurückkehren wird. „Wir müssen unseren Weg weitergehen. Ich bin sicher, dass die Tore dann wieder fallen. Das ist nur eine Frage der Zeit“, sagte Van Gaal. Badstuber meinte: „Das Positive ist, dass wir uns die Chancen herausspielen.“

Jetzt gegen Hoffenheim und Mainz

Butt ist „davon überzeugt, dass wir nicht vier Spiele ohne eigenes Tor bleiben.“ Der Bayern-Keeper mahnte aber auch an: „Wir müssen zusehen, dass wir jetzt die Kurve kriegen. Uns gibt man nicht die Zeit und wir selber dürfen uns auch nicht die Zeit geben.“ Denn der Abstand zur Tabellenspitze beträgt mittlerweile sieben Punkte. Und in der kommenden Woche trifft der FC Bayern erst auf den Tabellenzeiten Hoffenheim (Dienstag), dann auf Spitzenreiter Mainz (Samstag). Butt sagte: „Da müssen jeweils drei Punkte her.“

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