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'Irgendwie schade'

Bayern hadern mit dem letzten Drittel

Der Schlusspfiff war schon einige Minuten alt, da saß Louis van Gaal immer noch auf seiner Trainerbank in der Hamburger Imtech Arena. Allein hockte er dort, hielt seine Notizmappe in der Hand und sinnierte. War jenes 0:0 seiner Bayern beim HSV nun ein gewonnener Punkt oder waren es zwei verlorene? Später in der Kabine „habe ich meinen Spielern gesagt: Es ist schade, dass wir nicht gewonnen haben“, erzählte der FCB-Chefcoach, „ich habe das Gefühl, dass viel mehr drin war in diesem Spiel.“

Zu diesem Schluss war nicht nur Van Gaal gekommen. „Irgendwie ist es schade, dass wir nur einen Punkt geholt haben. So ist die Stimmung in der Kabine“, berichtete Bastian Schweinsteiger. Frisch waren da noch die Eindrücke der zweiten Halbzeit, in der die Bayern die Partie immer deutlicher bestimmt hatten, während die Hamburger immer müder wurden. „Hamburg war in den letzten 15 Minuten körperlich kaputt, da müssen wir eigentlich dieses Tor machen“, meinte Van Gaal.

Seine Mannschaft hatte in Hamburg viele gute Ansätze gezeigt, diese aber vor dem Tor immer wieder selbst zunichtegemacht. „Die Möglichkeiten waren da, aber wir haben das nicht gut ausgespielt“, analysierte der FCB-Trainer. Philipp Lahm, der in Hamburg sein 200. Bundesligaspiel bestritt, sagte: „Im letzten Drittel hat uns der entscheidende Pass gefehlt, um uns klare Torchancen zu erarbeiten. Da müssen wir uns ganz klar steigern.“

Abgesehen davon konnten die Bayern mit ihrem Auftritt an der Elbe allerdings überzeugen. „Unser Ziel war es, den HSV das Spiel machen zu lassen, weil sie da ihre Schwächen haben, und dann schnell umzuschalten. Ein paar Mal hat das ganz gut geklappt“, erklärte Toni Kroos die Taktik, mit der die Bayern in Hamburg beinahe Erfolg gehabt hätten. Bei Schüssen von Thomas Müller (15.), Hamit Altintop (31.) und Kroos (41.) fehlten jeweils nur ein paar Zentimeter. „Wir haben unsere taktische Vorgabe sehr gut umgesetzt“, meinte Schweinsteiger, „wenn wir ein Tor machen, gibt es nicht so viele Mannschaften, die uns noch schlagen.“

Van Gaal war „sehr zufrieden“ mit der „Leidenschaft“ seiner Spieler. Die Jungs geben alles, um zu gewinnen - das haben wir auch heute wieder gesehen. Aber ich bin nicht zufrieden, dass wir dieses Tor nicht gemacht haben. Es lagen große Möglichkeiten auf dem Platz, weil Hamburg kaputt war. Das haben wir nicht geschafft und hätten auch noch verlieren können.“

Der Pfosten verhinderte jedoch neun Minuten vor dem Schlusspfiff gegen Hamburgs Jonathan Pitroipa eine Niederlage. „Natürlich wollten wir hier drei Punkte mitnehmen. Aber da der HSV in der Schlussphase die große Chance zum Sieg hatte, muss man mit dem einen Zähler zufrieden sein“, meinte Lahm, der insgesamt von einem „gerechten Unentschieden“ sprach. „Es war ein ausgeglichenes Spiel, beide Mannschaften hatten ihre Chancen.“

Rummenigge zuversichtlich

„Total zufrieden“ verließ sogar Karl-Heinz Rummenigge die Imtech Arena. Der FCB-Vorstandschef erinnerte daran, dass die Bayern „vor weniger als 72 Stunden noch ein Champions-League-Spiel hatten“, während der HSV unter der Woche spielfrei war. Die Spielansetzung durch die DFL konnte Rummenigge deswegen nicht nachvollziehen. „Die DFL hat hier wenig Fingerspitzengefühl gezeigt, das Spiel am Freitagabend stattfinden zu lassen.“

Van Gaal kritisierte ebenfalls die Ansetzung, auch mit Hinblick auf die Verletzungsmisere beim FC Bayern. „Es ist Wahnsinn, dass wir alle drei Tage ein Spiel haben - wir haben nur 14 Spieler! Und auch nächste Woche spielen wir am Dienstag im Pokal gegen Werder Bremen und wieder am Freitag gegen Freiburg.“ Rummenigge ist jedoch überzeugt, dass Van Gaal mit seiner Notelf das Beste aus der Situation machen wird. „Das bekommen wir schon hin, Jammern bringt nichts“, blickte er in Hamburg „optimistisch“ nach vorne. „Ich werte dieses Ergebnis als Punktgewinn.“

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