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4 Torschützen, 4 Geschichten

'Für alle vier freut es mich sehr'

Diesen Treffer hatte sich Mario Gomez verdient. Schon vor der 61. Minute war er einer der agilsten Bayern auf dem Platz gewesen, hatte immer wieder geschickt den Ball behauptet und weitergeleitet. Und beinahe wäre ihm kurz zuvor schon ein Tor gelungen. Freiburg-Keeper Oliver Baumann musste schon einen Blitzreflex auspacken, um den Schuss des Bayern-Stürmers aus kurzer Distanz abzuwehren. Beim Kopfball von Gomez nach Ecke von Danijel Pranjic war er dann aber machtlos.

Vier Saisontore hat der 25-Jährige, der erst am siebten Spieltag erstmals in der Startelf stand, nun auf seinem Konto und ist damit bester Torschütze des FCB. Zudem ist er neben Bastian Schweinsteiger der einzige Spieler im Kader, der schon in allen drei Wettbewerben getroffen hat. Doch auch Gomez wusste, dass an diesem Nachmittag die anderen drei Torschützen beim 4:2-Sieg für die größeren Geschichten sorgten. Allen voran Martin Demichelis und Anatolyi Tymoshchuk: „Beide hatten eine schwierige Zeit, ich kann sehr gut mit ihnen mitfühlen.“

Demichelis war der Turöffner. Er hatte den FC Bayern in der 39. Minute in Führung geköpft. „Micho hat ein unglaublich wichtiges Tor gemacht“, sagte Schlussmann Jörg Butt nach dem Spiel. Bis dahin war den Bayern im Angriff nicht viel gelungen, mit seinem 13. Bundesligatreffer brachte er seine Mannschaft in eine gute Ausgangslage für die zweite Hälfte.

Ausgerechnet Demichelis. Nur aufgrund des kurzfristigen Ausfalls von Holger Badstuber war er überhaupt erst in die Mannschaft gerückt. Für den Argentinier, in der letzten Saison noch Stammkraft gewesen, war es der erste Saisoneinsatz von Beginn an. „Ich stand heute unter Druck, viele Augen waren auf mich gerichtet um zu schauen, was ich mache“, sagte der Innenverteidiger: „Gott sei Dank konnte ich der Mannschaft helfen.“

'Ein ausgezeichneter Innnenverteidiger'

Und das nicht nur durch sein Tor. Demichelis war gegen Freiburg zweikampfstärkster Bayer (67 %). „Heute hat er wieder gezeigt, dass er ein ausgezeichneter Innenverteidiger ist. Er hat ein Tor gemacht und seine Arbeit“, lobte Trainer Louis van Gaal. Demichelis, seit 2003 beim FCB, betonte: „Ich liebe den FC Bayern.“ Nach seinem Tor zeigte er demonstrativ die Bayern-Raute auf seinem Trikot, aber er machte später auch klar, dass er mit seiner derzeitigen Situation nicht zufrieden sein kann: „Ich bin nicht glücklich, wenn ich nicht spiele. Ich möchte lieber weg, wenn ich auf eine Verletzung oder eine schlechte Leistung eines Kollegen warten muss.“

In einer ähnlichen Situation wie Demichelis befand sich Tymoshchuk noch vor drei, vier Wochen. „Er hatte auch nicht gerade eine leichte Zeit hier“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. Erst durch die vielen Ausfälle und weil Van Gaal nicht auf die Dienste von Demichelis setzte, kam er als Innenverteidiger zum Zuge. „Er spielt den Part wie ein Mann“, lobte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kürzlich den Ukrainer, der monatelang nur als Einwechselspieler zum Einsatz gekommen war.

'Ein absoluter Vollprofi'

Gegen Freiburg begann Tymoshchuk stark in der Abwehr und wechselte nach der Pause dann auf seine Lieblingsposition ins zentrale defensive Mittelfeld. Auch dort lieferte er eine prima Leistung ab und krönte diese mit seinem ersten Bundesligator zum 3:1 in der 72. Minute überhaupt. „Tymo ist ein absoluter Vollprofi, der immer Vollgas gibt“, lobte Butt: „Er hat es verdient, auch ein wichtiges Tor zu machen. Mit dem 3:1 war das Spiel gelaufen.“

Endgültig gelaufen war die Partie dann in der 80. Minute durch Toni Kroos. Mit einem wuchtigen Schuss aus über 25 Meter erzielte der Nationalspieler das 4:1. Auch für ihn war es ein Premierentreffer. Erstmals traf er in der Bundesliga für den Rekordmeister. „Es wurde Zeit“, sagte Kroos, „ich hatte in vielen Spielen schon gute Möglichkeiten, war oft schon nah dran, hatte aber im Abschluss ein bisschen Pech oder habe die falsche Wahl getroffen Jetzt ist es gefallen. So kann es weitergehen.“

Demichelis, Gomez, Tymoshchuk, Kroos - vier Torschützen, vier unterschiedliche und doch ähnliche Geschichten, denn alle haben den Treffer auch persönlich gut gebrauchen können. „Für alle vier freut es mich sehr“, sagte Nerlinger und ergänzte: „Ich glaube, dass das Selbstvertrauen bei ihnen freisetzt.“

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