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Bayern reden Klartext

'Jeder Einzelne muss sich hinterfragen'

Die erste Maßnahme trafen die Verantwortlichen des FC Bayern noch in Dortmund und teilten sie der Mannschaft auf der Fahrt vom Stadion zum Flughafen mit: Der für Montag geplante Wiesn-Besuch entfällt. „In dieser Situation macht es keinen Sinn, aufs Oktoberfest zu gehen“, sagte Christian Nerlinger, „das haben wir einstimmig beschlossen.“ Nach dem 0:2 (0:0) in Dortmund war die Laune beim FC Bayern auf einem Tiefpunkt angelangt.

Acht Punkte, 5:8 Tore - noch nie hatte der deutsche Rekordmeister nach sieben Bundesligaspieltagen eine derart magere Bilanz. Angesichts von Tabellenplatz 12 und 13 Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze sprach Uli Hoeneß von einem „Super-GAU. Jetzt ist die Zeit gekommen, dass wir uns nicht mehr in die Tasche lügen. Wir müssen allen zurufen: Hallo wach! Es ist höchste Zeit.“

Dabei wähnte auch der FCB-Präsident die Mannschaft nach der ersten Halbzeit in Dortmund auf dem richtigen Weg. Hoeneß sagte: „Da haben wir sehr ordentlich gespielt, hatten gute Torchancen, die wir leider nicht machen.“ Dieser Muster kommt bekannt vor. Trainer Louis van Gaal konnte daher nach dem Spiel „nichts anderes sagen als wieder dasselbe. Wir haben die erste Halbzeit dominiert und auch vier oder fünf Chancen kreiert, aber keine verwertet.“

Flaute und Höhenluft

Auch über 90 Minuten hatten die Bayern mehr vom Spiel, erspielten sich 62 Prozent Ballbesitz und 8:1 Ecken. „Wir investieren wahnsinnig viel, schaffen es aber nicht, den Ball über die Linie zu drücken“, stellte Nerlinger fest, „und der erste Schuss auf unser Tor sitzt meistens.“ Lucas Barrios (52.) und Nuri Sahin (60.) trafen zu Beginn der zweiten Halbzeit quasi mit den ersten Dortmunder Torschüssen. Zu allem Überfluss brachten sich die Bayern durch einen individuellen Fehler vor dem 0:1 selbst auf die Verliererstraße.

Allein die Flaute in der Offensive - mit nur fünf Treffern nach sieben Spielen hat der FCB die geringste Torausbeute der Liga - ist Hoeneß als Begründung für die derzeitige Tabellensituation daher zu wenig. „Jetzt ist langsam der Zeitpunkt gekommen, wo das nicht mehr ausreicht als Erklärung“, betonte er, „der eine oder andere scheint mit der Höhenluft nicht zurechtzukommen. Das letzte Jahr war ein riesiger Erfolg, das muss man dann im nächsten Jahr verkraften.“

Über den Kampf zum Sieg

Eine selbstkritische Analyse forderte Kapitän Mark van Bommel von jedem seiner Mitspieler. „Jeder einzelne Spieler muss sich hinterfragen: Macht er alles 100-prozentig für den Erfolg? Das muss jetzt jeder machen und sich platt laufen auf dem Platz. Wir sind jedes Spiel die bessere Mannschaft, aber man muss auch mal kämpfen.“

Von diesem Kampf war in Dortmund nach dem Rückstand wenig zu sehen. „Nach dem 0:1 hat man vermisst, dass wir uns aufbäumen und den Gegner unter Druck setzen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, „in solch einer Situation gibt es nur eines: Da musst du fighten, beißen, kratzen. Wenn es mit Schönspielen nicht geht, musst du die Brechstange rausholen.“

Analyse in der Länderspielpause

Siege sind jetzt Pflicht, betonte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern. Die Mannschaft müsse „schnell die Kurve kriegen. Die Kurve kann man nur durch Gewinnen kriegen.“ Und war schon im nächsten Spiel gegen Hannover (16. Oktober), das unter dem Motto stehe: „Für Sieg gibt es keinen Ersatz.“

Bis dahin macht die Bundesliga aber erst einmal Länderspielpause, die man beim FC Bayern nutzen will. „Wir müssen jetzt eine klare Bestandsaufnahme machen und ehrlich miteinander sprechen, was eigentlich los ist, wie das sein kann“, kündigte Hoeneß an. Nerlinger sagte: „Das war heute ein gewaltiger Genickschlag. Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem wir den Mantel der Nächstenliebe wegnehmen.“ Die Absage des Wiesn-Besuchs war nur eine erste Maßnahme.

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