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Paolo Guerrero im Interview

'Wir stellen uns auf ein ganz schweres Spiel ein'

Früher, als er noch in der Regionalliga für den FC Bayern auf Torejagd ging, hat er nach jedem Tor immer eine Tafel Vollmilch-Nuss-Schokolade erhalten. Von Gerd Müller höchstpersönlich. Und es muss jede Menge Schokolade gewesen sein. Denn in 66 Regionalligaspielen hat Paolo Guerrero 45 Tore erzielt.

Die Süßigkeiten haben dem Peruaner nicht geschadet. Nach vier Jahren beim FC Bayern (2002 bis 2006), in denen er seinen ersten Schritte in der Bundesliga machte (27 Spiele, 10 Tore), ist er beim Hamburger SV zu einem erstklassigen Stürmer gereift. 29 Tore hat er in 91 Ligaspielen für die Hanseaten erzielt, zuletzt traf er am vergangenen Wochenende beim 1:0-Sieg des HSV in Mainz. Vor dem Wiedersehen mit dem deutschen Rekordmeister hat fcbayern.de mit Guerrero gesprochen.

Das Interview mit Paolo Guerrero:

fcbayern.de: Hallo Paolo, mit Deinem Tor am letzten Spieltag hast Du dem FC Bayern einen Gefallen getan: Die Mainzer haben den FCB-Startrekord nicht gebrochen und der Rückstand des FCB zur Tabellenspitze ist geschrumpft. Hast Du schon Danke-SMS aus München erhalten?
Guerrero: „Nein, habe ich nicht. Wahrscheinlich sollte der Kontakt vor dem Spiel am Freitag nicht zu intensiv werden.“ (lacht)

fcbayern.de: Wie eng ist Dein Kontakt zum FC Bayern noch?
Guerrero: „Natürlich gibt es noch Kontakte, aber nicht regelmäßig. Ich bin ja jetzt auch schon vier Jahre in Hamburg und habe hier meine Freunde. Trotzdem freue ich mich immer, die alten Jungs zu sehen. Die, die noch da sind. Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm. Ansonsten hat sich die Mannschaft im Laufe der Jahre ja auch nahezu komplett verändert.“

fcbayern.de: Du warst vier Jahre lang beim FC Bayern, jetzt spielst Du Deine fünfte Saison in Hamburg. Fühlst Du Dich eigentlich noch bayerisch?
Guerrero: „Mittlerweile dann schon eher nordisch nach vier Jahren. Aber München liegt mir natürlich weiterhin sehr am Herzen. Ich hatte eine sehr schöne Zeit und möchte die Zeit auf keinen Fall missen. Ich komme auch immer wieder sehr gerne nach München zurück.“

fcbayern.de: Das Spiel in Mainz war für Dich das erste nach einer mehrwöchigen Verletzungspause. Bist Du wieder 100-prozentig fit? Und wirst Du am Freitag wieder in der Startelf stehen?
Guerrero: „Ja, ich bin wieder richtig fit. Die Probleme in der Wade, nachdem ich im Derby bei St. Pauli einen Tritt bekam, waren schmerzhaft. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich keine Probleme habe, und gehe schon davon aus, dass ich am Freitagabend von Beginn an ran darf.“

fcbayern.de: Hast Du am Dienstag das Champions-League-Spiel der Bayern gegen Cluj gesehen? Was hältst Du im Moment vom Spiel des FCB?
Guerrero: „Ja, ich habe ein bisschen was gesehen. Wobei man nicht nur aufgrund dieses Spiels die Form der Bayern beurteilen sollte. Natürlich fehlen ihnen derzeit wichtige Spieler, doch sie sind immer in der Lage, gegen jeden Gegner zu bestehen. Das wissen wir und stellen uns auf ein ganz schweres Spiel ein.“

fcbayern.de: Während die Bayern gegen Cluj ran mussten, war der HSV unter der Woche spielfrei. Ist das ein Vorteil für Freitag?
Guerrero: „Schwer zu sagen. Auf den ersten Blick könnte man das meinen. Doch wir kennen diese Situation ja auch aus den letzten Jahren. Nur weil man unter der Woche nicht gespielt hat, heißt das nicht zwingend, dass man auf jeden Fall im Vorteil ist. Ich hoffe aber, dass wir in den entscheidenden Situationen ein paar Prozentpunkte mehr auf unserer Seite haben.“

fcbayern.de: Fünf Tabellenplätze trennen Hamburg und München, aber auch nur zwei Punkte. Wie richtungweisend ist das Spiel am Freitag für den HSV?
Guerrero: „Nun, allzu viele Spiele sind ja noch nicht gespielt. In der Tabelle wird noch sehr viel passieren. Aber natürlich ist die Partie richtungweisend. Sollten wir die drei Punkte holen, können wir uns ein bisschen Platz nach unten verschaffen. Das ist unser Ziel.“

fcbayern.de: Von den letzten zehn Bundesligaspielen gegen Bayern hat der HSV nur zwei verloren. Warum liegt Euch der FC Bayern so?
Guerrero: „Natürlich kennen auch wir in der Mannschaft diese Statistiken und wollen, dass es so bleibt. Ich denke, dass wir in den letzten Partien gegen die Bayern immer unser Leistungsvermögen abgerufen haben. Da es aber immer sehr enge Spiele waren, erwarte ich auch am Freitag wieder ein spannendes Duell.“

fcbayern.de: In München hießen Deine Sturmpartner Roy Makaay, Claudio Pizarro und Giovane Elber, in Hamburg spielst Du jetzt an der Seite von Ruud van Nistelrooy. Was unterscheidet den Holländer von deinen bisherigen Sturmpartnern? Was macht ihn so besonders?
Guerrero: „Grundsätzlich muss man sagen, dass alle auf dem Platz unglaubliche individuelle Qualitäten besessen haben bzw. besitzen. Bei Ruud hat man immer das Gefühl, dass etwas Außergewöhnliches passieren kann, wenn man mit ihm auf dem Rasen steht. Und er hat einen Torinstinkt. Manchmal denkt man, er weiß schon vorher, wo der Ball hinkommt. Abseits des Platzes ist Ruud zudem ein sehr angenehmer Mensch, der trotz seiner großen Erfolge überhaupt keine Allüren hat.“

fcbayern.de: Zé Roberto ist ein weiterer ehemaliger Münchner im HSV-Trikot. Derzeit erlebt der 36-Jährige seinen x-ten Frühling. Staunst Du selbst manchmal darüber, wie wertvoll er immer noch ist?
Guerrero: „Zé ist in der Tat ein Phänomen. Doch wenn man sieht, wie er jeden Tag trainiert und immer wieder Extraschichten macht, dann weiß man, warum er immer noch so stark spielt. Ich hoffe und kann mir durchaus vorstellen, dass er noch ein paar Jahre spielen kann.“

fcbayern.de: Zum Schluss: Dein Tipp, wie geht das Spiel am Freitag aus?
Guerrero: „Aller guten Dinge sind drei. Ich tippe auf einen 1:0-Sieg.“ (Die letzten beiden Heimspiele gegen den FC Bayern gewann der HSV jeweils mit 1:0.)

fcbayern.de: Vielen Dank für das Gespräch, Paolo!

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