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Thomas Müller im Interview

'Mein Leben ist ein anderes geworden'

Er hat alle 34 Bundesligaspiele bestritten, nach Arjen Robben die meisten Pflichtspieltore erzielt und wurde dann auch noch Torschützenkönig bei der WM in Südafrika - Thomas Müller war DER Senkrechtstarter im deutschen Fußball im letzten Jahr. Auch in dieser Saison ist der 21-Jährige fester Bestandteil der Mannschaft von Trainer Louis van Gaal, doch in den letzten drei Spielen musste Müller sich mit der Joker-Rolle begnügen. fcbayern.de traf das Münchner Eigengewächs und sprach mit ihm über seine derzeitige Situation beim FC Bayern und die Auswirkungen des Erfolgs auf sein Privatleben.

Das Interview mit Thomas Müller

fcbayern.de: Thomas, es war ein souveräner Derby-Sieg gegen den Club. Bist Du zufrieden mit dem letzten Wochenende?
Thomas Müller: „Ja, auf jeden Fall. Wir hätten zwar noch das eine oder andere Tor mehr machen können und hatten auch wieder eine kurze Schwächephase nach der Pause - das müssen wir einfach schnell in den Griff bekommen - aber ansonsten war es eine sehr ordentliche Leistung. Ich denke, es war ein verdienter Sieg.“

fcbayern.de: Warst Du auch persönlich zufrieden? Du bist zum dritten Mal in Folge als Joker zum Einsatz gekommen.
Müller: „Es ist bei Weitem nicht so schlimm, wie es teilweise schon dargestellt wurde. Ich hatte vor Cluj ein Gespräch mit dem Trainer, in der wir diese Verschnaufpause besprochen haben. Dann hat die Mannschaft 4:0 gewonnen und es gab keinen Grund, zu wechseln. Auch in Gladbach war es ja ein gutes Spiel von uns, so dass ich zunächst noch mal auf die Bank musste.“

fcbayern.de: Der Trainer hat gesagt, Du seist körperlich überlastet gewesen.
Müller: „Die Pause hat mir grundsätzlich sehr gut getan. Durch die Trainingseinheiten zwischen den Spielen habe ich wieder mehr Power bekommen. Ich habe auch noch die eine oder andere Zusatzschicht eingelegt, um körperlich wieder auf mein Topniveau zu kommen. Und ich denke, dass mir das geholfen hat.“

fcbayern.de: Stimmt. Du hast bei jedem Einsatz gleich für viel Wirbel auf der Außenbahn sorgen können und genau das bewirkt, was man von einem eingewechselten Spieler erhofft.
Müller: „Ja, aber dauerhaft will ich schon wieder von Anfang spielen (lacht). Ich gehe auch davon aus, dass ich das bald wieder schaffe, weil ich mich nicht nur in den Spielen, sondern meiner Meinung nach auch im Training gut präsentiere. Ich gebe alles, fühle mich gut und werde es dem Trainer schwer machen, auf mich weiterhin von Anfang an zu verzichten.“

fcbayern.de: Es gibt Spieler, die sagen, um volle Leistung bringen zu können, müssen sie von Beginn an spielen. Bei Dir hat man das Gefühl, dass Du auch nach einer Einwechslung sofort auf Betriebstemperatur bist.
Müller: „Das ist wohl individuell unterschiedlich und hat vielleicht auch ein bisschen mit der Position zu tun. Auf Außen kannst du gleich Gas geben. Und sicherlich spielt sich auch viel im Kopf ab. Ich glaube an mich und habe kein Problem damit, mich auf die Sekunde zu fokussieren. Wenn ich reinkomme, dann gebe ich gleich alles, um mich dafür zu empfehlen, das nächste Mal von Beginn an zu spielen.“

fcbayern.de: Hat der Trainer zu Dir schon Andeutungen für das nächste Spiel in Leverkusen gemacht?
Müller: „Nein, darüber haben wir noch nicht gesprochen. Ich werde im Training weiter Gas geben und dann werden wir sehen, was am Samstag ist. Ich hoffe natürlich, wieder von Beginn an aufzulaufen.“

fcbayern.de: Letzte Woche war nur Training und auch in dieser Woche kannst Du Dich ganz auf die Trainingsarbeit konzentrieren. Oder bist Du traurig, nicht mit dem DFB-Team jetzt in Schweden zu sein?
Müller: „Dass ich nicht dabei bin, ist in Absprache zwischen den Trainern passiert. Ich glaube, es war eine richtige Entscheidung, zumal Joachim Löw ja einige junge Spieler einsetzen will - noch jünger als ich (lacht). Bei den vielen Spielen und der großen Belastung, die ich in den letzten 15 Monaten hatte, ist es sehr gut, mal zwei normale Wochen in Folge zu haben.“

fcbayern.de: Nach Deinem Wahnsinns-Aufstieg in der letzten Saison bis hin zum WM-Torschützenkönig: Ist es für Dich in dieser Saison schwieriger geworden?
Müller: „Nein, das würde ich nicht sagen. Ich habe mich ganz normal auf diese Spielzeit eingestellt und hatte auch nicht Angst, es könnte schwieriger für mich werden. Es ist ja auch nicht schwieriger geworden, nur haben wir als Mannschaft eine nicht so gute Phase mit einigen Punktverlusten gehabt, in der ich es leider nicht geschafft habe, für zusätzliche Impulse zu sorgen, weil es auch bei mir persönlich nicht so gut gelaufen ist.“

fcbayern.de: Hast Du vor dieser Saison selbst höhere Erwartungen an Dich gestellt?
Müller: „Nein, nur weil ich eine super Saison hatte, mache ich mir ja jetzt nicht zum Ziel, 20 Tore zu schießen. Ich bin ganz locker reingegangen und habe auch keinen größeren Druck gespürt beziehungsweise mir selber gemacht.“

fcbayern.de: Was aber anders ist: Wenn Du jetzt privat unterwegs bist, zum Beispiel mit deiner Frau auf einem Reitturnier, rückst Du mehr und mehr in den Fokus der Fotografen.
Müller: „Ja, das stimmt schon. Mein Leben ist nach der WM ein anderes geworden, vielleicht auch ein bisschen anstrengender, weil man abseits des Trainingsplatzes viel mehr beansprucht wird. Es gibt viel mehr Marketing- und Pressetermine, damit muss man auch erst mal umzugehen lernen, aber ich glaube, dass ich das ganz gut geschafft habe. Ich habe auch nie den Spaß dabei verloren, und das ist auch wichtig.“

fcbayern.de: Wie spaßig war denn der Dreh mit Deinem Namensvetter Gerd Müller für die gleichnamige Molkerei?
Müller: „Sehr. Mein Berater und ich haben das Konzept gelesen und waren gleich angetan von dieser Sache. Der Bomber hat dann auch gleich zugesagt, weil er gesehen hat, dass es wirklich eine ganz witzige Geschichte ist. Und das war es dann ja auch.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

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