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Römische Gelassenheit

'Mit dieser Niederlage kann der FC Bayern leben'

Das Ziel der Reise war erreicht, doch wenige Minuten nach dem Schlusspfiff der Partie beim AS Rom wollte im Lager des FC Bayern kaum Freude ausbrechen. „Es war sehr ruhig in der Kabine, alle waren sehr enttäuscht“, berichtete Sportdirektor Christian Nerlinger in den Katakomben des Stadio Olimpico. Zwar hatte der Rekordmeister trotz einer 2:3 (2:0)-Niederlage vorzeitig den Gruppensieg perfekt gemacht, doch das Zustandekommen dieses Ergebnisses sorgte für reichlich Diskussionsstoff bei allen Beteiligten.

„Es ist enttäuschend und unglaublich, dass wir einen 2:0-Vorsprung weggeben“, ärgerte sich Trainer Louis van Gaal. Wieder einmal hatte seine Mannschaft nach einer guten ersten Halbzeit eine Führung verspielt. „Wenn man mit 2:0 in die Kabine geht, darf man so ein Spiel nicht mehr aus der Hand geben“, sagte Nerlinger und schob gleich hinterher: „Das ist uns in dieser Saison nicht zum ersten Mal passiert, daran müssen wir schleunigst arbeiten.“

Im Pokalspiel gegen Bremen und bei der Champions-League-Partie in Cluj wurden die Bayern für ihre Schwächephase nach der Pause noch nicht bestraft. In Glabach, aber auch in Dortmund und in Leverkusen schlug der Gegner Kapital daraus. „Es ist ein Trend bei uns, dass wir unkonzentriert aus der Kabine kommen. Das müssen wir schnellstmöglich abstellen. Wenn Bayern München eins oder zwei zu null führt, muss das Spiel erledigt sein. Das müssen auch die gegnerischen Mannschaften wissen. Leider ist das Gegenteil der Fall“, betonte Nerlinger.

Womit das Nachlassen mit Wiederanpfiff zu erklären ist, weiß keiner so genau. „Es ist schwer für mich zu analysieren, woher das kommt. Man möchte es gar nicht für möglich halten, aber es passiert immer wieder“, sagte Nerlinger. „Dann nimmt das immer so seinen Lauf und fast jeder lange Ball ist eine Torchance für den Gegner“, sagte Toni Kroos. „Wir gehen ja nicht raus und denken, wir führen 2:0, jetzt spielen wir Larifari“, war auch Thomas Müller über die vielen Ballverluste und Abspielfehler der „ganzen Mannschaft“ ratlos: „Aber wir schaffen es zu oft nicht, das zu verhindern.“

Italiener feiern notte magica

Mit gellenden Pfiffen hatten die Tifosi der Roma ihre Mannschaft nach dem 0:2-Rückstand durch den Doppeltorschützen Mario Gomez (33./39.) in die Kabine begleitet. Nach dem Schlusspfiff und den drei Toren von Marco Borriello (49.), Daniele de Rossi (81.) und Franceso Totti (84.) feierten die Gazetten am Tag danach eine notte magica gegen den deutschen Rekordmeister. „Wir sind selbst schuld an der Niederlage, weil wir Rom selbst ins Spiel zurückgebracht haben“, sagte Van Gaal. „Wenn man 2:0 führt, dann muss man auch hier punkten, ganz klar“, gestand Kapitän Philipp Lahm.

Nach neun ungeschlagenen Pflichtspielen in Folge hat es die Bayern also wieder mal erwischt. Es war allerdings eine Niederlage, die nicht weiter wehtat. „Niederlagen sind nie positiv zu sehen, aber mit dieser Niederlage kann der FC Bayern leben. Und wir tun gut daran, gelassen damit umzugehen“, meinte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei seiner nachmitternächtlichen Bankettrede im Salone de Cavalieri des Mannschaftshotels.

Rummenigge gratuliert zum Gruppensieg

Der Bayern-Boss gratulierte „Trainer und Mannschaft“ zum Gruppensieg, den man trotz der Niederlage perfekt machte. Im Achtelfinale bekommt es der letztjährige Finalist nun mit einem Gruppenzweiten zu tun und kann damit vielleicht dem einen oder anderen Favoriten im Wettbewerb aus dem Weg gehen. „Wir sind Erster in der Gruppe, es ist also nicht so schlecht, wie man jetzt denkt“, sagte auch Van Gaal.

So wollten sich die Bayern auch nicht allzu lange mit der ärgerlichen, weil unnötigen Niederlage in Rom aufhalten, sondern richteten den Blick auf „die nächsten vier Wochen, in denen wir wichtige Spiele vor der Brust haben“, wie Rummenigge erklärte. Speziell in der Bundesliga haben die Bayern noch einiges gutzumachen. 30 Punkte hatte Van Gaal als Ziel bis zur Winterpause ausgegeben, zehn fehlen dazu noch aus den verbleibenden vier Spielen. „Das ist nicht wenig“, sagte Rummenigge, „aber diese Mannschaft hat die Qualität dazu.“

Aus Rom berichtet: Dirk Hauser

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