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In Abu Dhabi

Bei Inter bricht Aufbruchstimmung aus

Seit einem halben Jahr ist Rafael Benitez Trainer bei Inter Mailand, am Samstagabend geht es in Abu Dhabi vielleicht schon um seine Zukunft. Denn das Finale der Klub-WM, in dem Inter Mailand auf TP Mazembe Englebert (Kongo) trifft, ist zu einer Art letzter Chance geworden für den spanischen Trainer, der 2005 mit dem FC Liverpool die Champions League gewann.

„Früher hätte ich den Trainer längst entlassen“, sagte nämlich Präsident und Klub-Eigner Massimo Moratti, der trotz des Gewinns von vier Titeln im Jahr 2010 (Meisterschaft, Pokal, Champions League und italienischer Supercup) zum Jahresende nervös ist. Platz sieben in der Serie A mit 13 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter und Lokalrivale AC Mailand ist für die Nerazzurri nicht akzeptabel, in der Champions League gaben sie am letzten Spieltag durch ein 0:3 in Bremen den Gruppensieg aus der Hand. „Ich fühle mich verraten und verlange nun den Gewinn der Klub-WM“, sagte der 65-jährige Öltycoon, der seit 1995 Inter-Präsident ist.

Doch auch Moratti weiß, dass Benitez um seinen Job nicht zu beneiden ist. Sicherlich: Es steht ihm der vielleicht beste Kader der Serie A zur Verfügung, der in der vergangenen Saison ein historisches Triple geschafft hat. Andererseits sind diese großen Erfolge jetzt auch eine Last, vom Schatten seines Vorgängers José Mourinho ganz zu schweigen. „Es ist immer schwierig, nach einem so tollen Jahr neue Motivation zu finden“, meinte selbst Moratti. Und dann ist da noch die Weltmeisterschaft, an deren Folgen Inter Mailand wie sonst nur noch der FC Bayern zu leiden hat.

Sneijder beim Arzt

Zehn Spieler hatten die Italiener bei der WM (FCB 13), sieben (FCB zwölf) standen im Viertelfinale. Ähnlich wie der deutsche Rekordmeister hatte der italienische Rekordchampion (18 Mal Meister, zuletzt fünf Mal in Folge) in den letzten Monaten die Rechnung dafür in Form von unzähligen Verletzungen zu zahlen. Zuletzt diagnostizierten die Ärzte im November bei Wesley Sneijder eine Überlastung und eine Anämie (Blutarmut). Nach der WM hatte der aktuelle UEFA Spieler des Jahres nur zwei Wochen Pause gehabt.

Auch Diego Milito, Julio Cesar, Maicon, Walter Samuel und Chivu, um nur die bekanntesten zu nennen, fehlten wochenlang bzw. fehlen noch immer. Für Samuel (Kreuzbandriss) ist die Saison wohl schon komplett beendet. Doch langsam können die Mailänder wieder zuversichtlicher nach vorne blicken. Sneijder ist bereits wieder im Einsatz, Julio Cesar und Milito feierten vor wenigen Tagen im Halbfinale der Klub-WM gegen den südkoreanischen Klub Seongnam Ilhwa ihr Comeback - Milito steuerte auch gleich einen Treffer zum 3:0-Erfolg bei - und Maicon ist wieder voll im Mannschaftstraining.

Verstärkungen in Aussicht

So wie es im Moment aussieht, ist der Kader zu Beginn der zweiten Saisonhälfte wieder komplett. Zudem plant Moratti offenbar im Winter Benitez‘ Ruf nach Verstärkungen zu erhören. Im Sommer hielten sich die Nerazzurri auf dem Transfermarkt sehr zurück. Es kamen fast nur junge Talente, von denen dem 18-jährige Brasilianer Coutinho (von Vasco da Gama), einem offensiven Mittelfeldspieler, die größte Perspektive eingeräumt wird.

Wie beim FC Bayern waren größere Verstärkungen nicht nötig, das Gerüst der Mannschaft wurde gehalten. Mit Julio Cesar steht der UEFA Torhüter des Jahres im Tor, davor verteidigen unter anderem Brasilien-Kapitän und Ex-Bayer Lucio sowie Maicon, der UEFA Verteidiger des Jahres. Im Mittelfeld ist Kapitän Javier Zanetti der Fixpunkt im Team. Der Argentinier ist das Inter-Urgestein mit inzwischen weit über 700 Einsätzen (seit 1995) für die Mailänder. Vor ihm in der Zentrale spielt Sneijder, der UEFA Mittelfeldspieler des Jahres. Im Angriff sind Milito, UEFA Spieler und Stürmer des Jahres, sowie Samuel Eto’o die personifizierte Torgefahr. Eto’o führt aktuell die Torschützenliste der Champions League mit sieben Treffern an.

'Ein neuer Geist im Team'

Der Kader ist also vorzüglich bei den Nerazzurri. „Wenn alle fit sind, werden wir wieder so spielen, wie unsere Fans uns immer spielen sehen wollen“, ist Milito überzeugt. Frischen Wind stellte der Argentinier schon jetzt in Abu Dhabi fest: „Es ist nun ein neuer Geist im Team. Wir haben alle Spaß am Training, vielleicht weil es das erste Mal in dieser Saison ist, dass nicht mehrere Spieler gleichzeitig ausfallen.“

Es herrscht also Aufbruchstimmung bei Inter Mailand. Mit einem Sieg bei der Klub-WM - es wäre der dritte Weltpokalsieg nach 1964 und 1965 - könnten die Italiener das Signal für die Aufholjagd in der heimischen Liga geben. Die Titelverteidigung in der Champions League haben sie ohnehin fest im Visier (Sneijder: „Warum nicht? Wir sind schließlich der Titelverteidiger.“) Doch was passiert, wenn Inter das Finale der Klub-WM nicht gewinnt, das weiß nur Massimo Moratti.

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