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Aufbruchstimmung reloaded

Ein harmonischer Abend der FCB-Familie

Uli Hoeneß las schnell noch ein paar Zahlen vor, dann legte er die Brille beiseite und schritt vorbei an den auf Hochglanz aufpolierten Trophäen der letzten Saison mit einem knappen „So“ zum Rednerpult. 2.807 anwesende Bayern-Mitglieder in der Münchner Olympiahalle warteten schon gespannt auf die Worte ihres Präsidenten, der bis dahin eher nüchtern von seinem Platz auf dem Podium durch den Abend moderierte und die Tagesordnungspunkte angekündigt hatte. Doch dann erlebte man Uli Hoeneß in Bestform.

Mit einer frei vorgetragenen und emotional geführten Rede schaffte es der ehemalige Manager des Rekordmeisters ein ums andere Mal, die Halle zum Kochen zu bringen. „Ich beschwöre euch alle, auch in einer relativ aussichtslosen Situation nicht aufzugeben. Bayern München muss immer Bayern München bleiben und bis zum letzten Blutstropfen kämpfen und schauen, was geht“, rief er die Mitglieder und speziell Trainer Louis van Gaal und den drei Mannschaftskapitänen Mark van Bommel, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger zur Aufholjagd in der Bundesliga auf.

Letzterem machte er deutlich, wie „unglaublich wichtig“ es für den ganzen Verein ist, „dass du beim FC Bayern bleibst.“ Standing ovations und donnernden Applaus folgten Hoeneß’ Werben um das Eigengewächs, dessen Bleiben über den 30. Juni 2012 hinaus noch offen ist. Immer wieder appellierte Hoeneß an alle Beteiligten und versprach Van Gaal: „Louis, du weißt genau, wir werden dir alle Unterstützung geben, um die Ziele zu erreichen.“

Vor kurzem hatte Hoeneß in einem TV-Interview den niederländischen Coach kritisiert. Als „grenzwertig“ ordnete er seine Ausagen selbst ein, aber auch als „wohl überlegt". Mit viel Applaus war Van Gaal von den Mitgliedern empfangen worden. „Er ist ein besonderer Charakter mit hoher Emotionalität. Das macht die Dinge manchmal nicht einfach mit ihm. Aber er ist ein erstklassiger Trainer, mit dem wir noch viele Titel erringen werden", erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Ins Rollen kommen

Nein, es war nicht der Abend kritischer Töne, weder von den Rednern, noch aus der Halle. Garniert von „gigantischen“ (Hoeneß) Wirtschaftszahlen, die der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Karl Hopfner präsentierte, war die Jahreshauptversammlung 2010 eine Demonstration der großen Harmonie in der FC Bayern-Familie. Und wie schon vor einem Jahr, als Hoeneß und Co. ob der schwierigen sportlichen Situation mit „ganz schön Muffesausen“ vor Unmutsbekundungen der Mitglieder auf dem Podium Platz genommen hatten, soll auch diesmal Aufbruchstimmung von der Mitgliederversammlung ausgehen.

„Platz fünf ist ein Tabellenplatz, der uns nicht ausreichend ist“, sagte Rummenigge und verkündete: „Wir müssen dafür sorgen, dass der Bayern-Express ins Rollen kommt.“ Trotz 14 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund haben die Bayern die Titelverteidigung noch nicht abgeschrieben. „Franck (Ribéry) ist zurück, Arjen (Robben) wird nach der Winterpause zurückkommen - und dann werden wir sehen, was geht“, sagte Hoeneß.

Mindestziel 'Königsklasse'

Das Mindestziel bleibt aber die erneute Teilnahme an der Königsklasse, in der man in der letzten Saison mit dem Erreichen des Finales in Madrid „Fußball der Extraklasse“ geboten habe, wie Rummenigge betonte. „Wir müssen die Qualifikation für die Champions League erreichen, egal wie. Denn vergesst nicht“, rief Hoeneß Van Bommel und Co. zu: „2012 findet das Finale der Champions League in München statt - und da müssen wir dabei sein.“

Ob zu den sportlichen Themen, dem Stadionmieter TSV 1860 oder auch bei den insgesamt 12 zum Teil äußerst spaßigen Wortmeldungen - Hoeneß fand ein Jahr nach seiner Wahl zum Nachfolger von Franz Beckenbauer ins Präsidentenamt („Ich fühle mich sauwohl“) stets den richtigen Ton und die richtigen Worte. Am Ende „eines sehr amüsanten Abends“ rief er allen Mitgliedern der großen Bayern-Familie zu: „Ich bin stolz, Präsident dieses Vereins zu sein und sie können stolz sein, Mitglied dieses Vereins zu sein.“

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