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'Mindestens Platz zwei'

FCB will nach der Winterpause 'voll angreifen'

Als das denkwürdige 87. Südderby schon einige Minuten alt war, sah man Trainer Louis van Gaal im Bauch der Mercedes-Benz-Arena vor einem Fernsehbildschirm stehen. 45 Sekunden lang studierte der Bayern-Coach im Video-Text die Hinrunden-Abschlusstabelle der Bundesliga und dürfte dabei höchstwahrscheinlich schon einen Schlachtplan für die Rückrunde geschmiedet haben.

Nach einer schwierigen Halbserie mit WM-Nachwehen und unglaublichem Verletzungspech - teilweise standen zehn Profis auf der Ausfallliste - überwintert seine Mannschaft auf dem fünften Platz. Durch den verdienten 5:3 (3:0)-Erfolg gegen den VfB Stuttgart konnte die Van-Gaal-Truppe den Rückstand auf Platz zwei bis auf vier Punkte verkürzen, der souveräne Herbstmeister Borussia Dortmund ist nur noch 14 Punkte voraus.

„Dortmund ist weit weg, aber vier Punkte Rückstand auf Platz zwei, das können wir machen“, lautete Van Gaals Tabellenanalyse. Nur um einen Zähler hat die Mannschaft seine Vorgabe von 30 Punkten bis zur Winterpause verpasst, dennoch herrschte im Lager des Titelverteidigers am Sonntagabend Angriffsstimmung. „Jetzt haben wir eine Ausgangsposition, aus der wie realistisch mindestens Platz zwei angreifen können“, sagte Schlussmann Jörg Butt und betonte: „Wir werden den Dortmundern sicherlich noch nicht gratulieren.“

„Ich will Meister werden“, unterstrich Kapitän Mark van Bommel die Ambitionen auf Meistertitel Nummer 23: „14 Punkte sind viel, aber wir können das aufholen. Wir werden in der Rückrunde noch mal angreifen.“ Noch nie zuvor in der Bundesligageschichte hat eine Mannschaft so einen Rückstand nach der Hinrunde noch aufgeholt. Van Bommel schickte dennoch eine Kampfansage Richtung Westfalen: „Ich glaube nicht, dass, wenn es darauf ankommt, Dortmund dem Druck standhält.“

Müller beschwört 'Mia-san-mia-Gefühl'

Mit einer guten Vorbereitung aller Spieler - im Sommer stiegen elf WM-Teilnehmer erst zweieinhalb Wochen vor Saisonstart ein - und den Rückkehrern Holger Badstuber und vor allem Arjen Robben, wollen die Bayern in der Rückrunde zur Attacke blasen. „Die einzige Mannschaft, die nach oben wirklich Druck machen kann, das sind wir. Wir sind der Rekordmeister. Wir werden Gas geben, und dann werden wir mal schauen“, sagte Thomas Müller, Torschütze und Vorlagengeber in Stuttgart

„Es ist nach wie vor alles möglich“, betonte auch Mario Gomez. Mit drei Toren an alter Wirkungsstätte war der 25 Jahre alte Stürmer der Mann des Abends. Neben den vielen Kampfansagen an die Konkurrenten um die Champions-League-Plätze mischten sich aber auch kritische Töne. „Unsere Hinrunde war nicht gut“, hielt Gomez fest: „Wir haben viel zu viele Punkte versemmelt.“

'Obligatorische' Schwächephase

Stuttgart war erst der zweite Auswärtssieg in der Saison. In Gladbach (3:3), Leverkusen (1:1), Schalke (0:2) aber auch in Dortmund (0:2) hatten die Bayern trotz phasenweise richtig guten Spiels mehrere Punkte liegengelassen. „Wir können auf keinen Fall zufrieden sein“, meinte Butt. Erst am Ende der Hinrunde gelang es dem Titelverteidiger erstmals, zwei Spiele in Folge zu gewinnen.

Auch das erste von zwei Duellen gegen die Schwaben innerhalb von vier Tagen - am Mittwochabend kämpfen beide Teams an gleicher Stelle um den Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale - bot Anlass zur Kritik. „Drei Gegentore sind nicht gut. Nach dem 5:1 müssen wir kompakter spielen, den Ball mehr halten und bessere Konter fahren“, sagte Franck Ribéry, Torschütze zum zwischenzeitlichen 3:0. Darüber sei noch zu reden, betonte der Franzose, zumal solch eine Schwächephase nichts Neues war. „Das war jetzt schon öfters der Fall gewesen, das müssen wir verbessern“, meinte Van Gaal.

Letztendlich genügte eine nahezu optimale Chancenauswertung, um Bruno Labbadias Bundesliga-Einstand als VfB-Trainer zu verderben. „Wir haben heute nicht unser bestes Spiel gespielt, aber wir haben unsere Tore geschossen“, meinte Van Gaal, der auch keine Rückschlüsse für das Pokalspiel am Mittwoch ziehen will: „Das ist wieder ein anderes Spiel. Es fängt bei Null an und ist ein Tod-oder-Gladiolen-Spiel.“

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