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Enttäuschte Bayern

'Haben es uns selbst sehr schwer gemacht'

Über den Mann des Spiels gab es in der Schalker Arena keine zwei Meinungen. Er stand leider im Tor der Gastgeber. Mit Paraden gegen Bastian Schweinsteiger (22. Minute), Toni Kroos (34., 38., 54.) sowie Mario Gomez (90.) brachte Manuel Neuer den FC Bayern zur Verzweiflung und verdiente sich das Prädikat „Weltklasse“ (Beckenbauer, Magath). Überflüssig zu erwähnen, dass der Schalker Schlussmann an diesem Abend auch das Glück gepachtet hatte, als ein Schweinsteiger-Schuss ans Lattenkreuz krachte (39.), Gomez (31.) und Franck Ribéry (43.) knapp verzogen.

Schon zur Halbzeit hätte der FC Bayern auf Schalke „locker 2:0 oder sogar 3:0 führen müssen“, wie Mark van Bommel sagte. „Wenn wir 1:0 in Führung gehen, hätten wir klar gewonnen“, ist sich Philipp Lahm sicher. Doch nach 90 Minuten stand es 0:2 (0:0). „Es ist eine unglaubliche Niederlage“, ärgerte sich Louis van Gaal, „wir waren die bessere Mannschaft, haben so viele Chancen kreiert, hundertprozentige Chancen, aber kein Tor geschossen. Ich bin sehr enttäuscht.“

Mit ihrem ersten Schuss aufs Tor stellten die Gastgeber in Person von José Jurado (58.) die Partie auf den Kopf. Wenig später erhöhte Benedikt Höwedes (67.) auf 2:0. „Ich habe auch in der Halbzeit gesagt: Das ist gefährlich. Wenn wir so viele Chancen verpatzen, dann kann man erwarten, dass der erste Schuss des Gegners ein Tor ist“, sagte Van Gaal, „im Fußball geht es nun einmal um die Tore.“

'An die eigene Nase fassen'

Eigenes Abschlusspech und Schalker Schussglück - bei beiden Treffern stand der Innenpfosten Pate - wollten die Bayern nicht als Gründe für die Niederlage heranziehen. „Man muss sich an die eigene Nase fassen“, meinte Jörg Butt, „wir haben die Chancen nicht verwertet und darüber hinaus in der zweiten Halbzeit Fehler in der Defensive gemacht. Deswegen haben wir das Spiel verloren.“ Beim ersten Gegentreffer war Breno unglücklich ausgerutscht (Van Gaal: „Das passiert.“), beim zweiten hatte Höwedes im Strafraum zu viel Freiraum.

In der Schlussphase hätte Gomez dem Rekordmeister dennoch beinahe noch zumindest einen Punkt gerettet: Erst schoss er über das Tor (84.), dann wurde ihm ein Treffer wegen einer angeblichen Abseitsstellung zu Unrecht aberkannt (89.), schließlich scheiterte er an Neuer (90.). Am Ende ging der FC Bayern aber enttäuscht in die Kabine - wie schon so oft in dieser Saison auf fremdem Platz. Erst einen Sieg feierten die Münchner auswärts, holten in fremden Stadien insgesamt nur sechs Punkte - die Heimtabelle führen sie an.

'Müssen um die Champions League kämpfen'

Für die Aufholjagd in der Bundesliga ist diese Diskrepanz natürlich Gift. Mit einem Sieg in Nürnberg (2:0) zog Spitzenreiter und Herbstmeister Borussia Dortmund am Sonntagabend auf 17 Punkte davon. „Dortmund ist sehr weit weg“, musste Van Gaal feststellen, „es wird sehr schwierig. Wenn wir realistisch sind, müssen wir auf Platz zwei oder drei gehen.“

Auch Lahm will im Moment von Platz eins nicht mehr sprechen. „Wir brauchen uns keine Gedanken um die Meisterschaft mehr machen. Jetzt müssen wir um die Champions League kämpfen. Der FC Bayern gehört in die Champions League“, betonte der Rechtsverteidiger. Sieben Punkte beträgt aktuell der Abstand auf Platz zwei (Mainz), sechs auf Platz drei (Leverkusen).

'Solange es rechnerisch möglich ist...'

„Wir haben es uns selbst sehr schwer gemacht“, ärgerte sich Van Bommel über den Rückstand in der Meisterschaft. Nach 15 von 34 Saisonspielen müsse man sich aber noch nicht ganz von der Titelverteidigung verabschieden, erklärte der FCB-Kapitän. „Wir sind immer in der Lage, eine Serie von zehn, 15, vielleicht 20 Spielen hinzulegen.“ Davon ist auch Christian Nerlinger überzeugt: „Solange es rechnerisch möglich ist, wird der FC Bayern die Meisterschaft nie abhaken.“

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