präsentiert von
Menü
Fanklub-Besuch

'Red Kinis' lassen Schweinsteiger schwitzen

Bastian Schweinsteigers Stirn und Schläfen glänzten im Scheinwerferlicht, ein Schweißfilm war bis in seinen Nacken gewandert. Da soll noch einer sagen, dass die Bayern-Profis bei ihren vorweihnachtlichen Fanklub-Besuchen mit Samthandschuhen angefasst werden. Die Red Kinis '99 in Sindelsdorf jedenfalls nahmen Schweinsteiger am Sonntagnachmittag in die Mangel, allen voran die vielen Kinder, die in der Fragestunde kein Blatt vor den Mund nahmen.

„Wie viele Millionen verdienst Du eigentlich?“, wollte ein Knirps wissen, woraufhin sich Schweinsteiger ein bisschen Bedenkzeit erbat. „Mir geht’s schon gut“, zog er sich schließlich diplomatisch aus der Affäre. Aber die nächste heikle Frage wartete schon: „Möchtest Du mal Kinder haben?“ Schweinsteiger lächelte. „Ja, sicherlich. Aber ich lasse mir da noch Zeit. Jetzt habe ich erst einmal einen Hund.“ Einen kleinen Labrador-Mischling übrigens, womit eine andere Frage der Sindelsdorfer Fans beantwortet wäre („Hast Du Haustiere?“).

Eine Dreiviertelstunde lang wurde Schweinsteiger gelöchert im Schützenheim der 1.100-Seelen-Gemeinde, etwa 45 Autominuten von München entfernt, auf halber Strecke zwischen Starnberger See und Kochelsee. Und es darf festgehalten werden: Schweinsteiger musste mit gutem Recht schwitzen. Denn durch die Bekanntgabe seiner Vertragsverlängerung am Tag zuvor vor der Südkurve der Allianz Arena hatte er die Vorbereitungen der Red Kinis kräftig durcheinandergewirbelt.

Ein herzliches Willkommen

„Wir wollten ihn eigentlich überreden, dass er endlich unterschreibt“, berichtete Benno Adelwart, der Fanklub-Vorsitzende fcbayern.de. „So mussten wir unser Programm komplett umwerfen. Er hätte das auch gern bei uns verkünden können.“ Doch natürlich waren die Sindelsdorfer trotzdem stolz, dass Schweinsteigers erster offizieller Termin nach seiner Vertragsverlängerung bei ihnen stattfand. „Zu diesem guten Schritt möchte ich Dir gratulieren“, sagte Adelwart augenzwinkernd, als er Schweinsteiger herzlich willkommen hieß. Die rund 300 Fans im prall gefüllten Festsaal jubelten und applaudierten.

Als einer von 28 FCB-Fanklubs waren die Red Kinis ausgelost worden für die alljährlichen Weihnachtsbesuche der Bayern-Stars. „Zum ersten Mal“, wie Adelwart erzählte. Der Fanklub-Vorsitzende, der Schweinsteiger vor verschneitem Alpen-Panorama in Lederhosen, FCB-Hemd und FCB-Stutzen begrüßte, war schon „ein bissl angespannt“. Nur eineinhalb Wochen hatte der Fanklub Zeit gehabt, sich auf Schweinsteigers Besuch vorzubereiten. Schon vor den vom FCB-Profi kurzfristig erzwungenen Plan-Änderungen sei dies „eine Mammutaufgabe“ gewesen, meinte Adelwart.

Sindelsdorfer Titelwünsche

Das Ergebnis konnte sich aber sehen lassen. FCB-Fahnen und -Schals schmückten die Wände im Schützenheim, Tannenzweige und ein Christbaum waren mit FCB-Kugeln sowie rotem Lametta behangen. Die Sindelsdorfer Blaskapelle spielte auf, unter anderem den „Stern des Südens“, die Fans begrüßten Schweinsteiger mit einem riesigen Spruchband („Danke, Bastian! Wir freuen uns auf die nächsten 5 Jahre mit Dir!“). Und Adelwart unterbreitete Schweinsteiger erst einmal die Titelwünsche der Sindelsdorfer: „Wenn‘s die Meisterschaft nimmer werd, Pokal und Champions League langen auch.“

Die Stimmung war prächtig und erreichte ihren Höhepunkt, nachdem sich Schweinsteiger ins Goldene Buch der Gemeinde eingetragen hatte, und die Fragerunde begann. Der 26-Jährige sprach über seine Vertragsverlängerung („Ich habe mir gesagt: Was ist dir lieber, mit Bayern München die Champions League zu gewinnen oder mit einem anderen Verein wie Real Madrid?“), die aktuelle sportliche Situation („Wir müssen ehrlich sein: Unser Hauptaugenmerk gilt der Qualifikation für die Champions League. 2012, wenn das Finale in München ist, müssen wir in der Champions League vertreten sein.“), Louis van Gaal („Er hat Ecken und Kanten. Aber ich denke, das zeichnet große Trainer aus.“) und vieles mehr.

'Ein super Typ'

Dann kam der Nikolaus, begleitete von einem blauen 1860-Krampus. Doch Letzterer musste nicht tätig werden. Denn der heilige Mann hatte nicht viel auszusetzen an Schweinsteiger, jetzt nachdem er seinen Vertrag verlängert hatte. Nur die vielen vergebenen Kopfball-Chancen waren ihm einen kleinen Tadel wert. „Da müssen wir noch ein bisschen üben.“ Ansonsten erntete Schweinsteiger vom Nikolaus viel Lob für „lauter gute Sachen“.

Lobenswert war auch Schweinsteigers Einsatz bei der folgenden Autogrammstunde. Geduldig befriedigte er alle Wünsche, lächelte für Erinnerungsfotos in unzählige Kameras. „Bastian ist einfach ein super Typ ohne Star-Allüren. Er macht alles mit“, freute sich Adelwart, der Schweinsteiger zum Abschluss noch zum Ehrenmitglied der Red Kinis ernannte. Und als der Bayern-Profis nach mehr als zwei Stunden wieder gen München aufbrach, hatte er auch noch einen kurzen Wunschzettel im Gepäck. „Mein größter Weihnachtswunsch, dass Du bei Bayern verlängerst, ist schon in Erfüllung gegangen“, meinte Adelwart, „jetzt hab ich noch einen anderen: Dass wir, wenn 2012 das Finale in München ist, den Champions-League-Titel verteidigen.“

Weitere Inhalte