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Luiz Gustavo im Interview

'Ich passe gut zum FC Bayern'

Seit fast drei Wochen ist Luiz Gustavo jetzt ein Bayer. Anfang Januar war der 23 Jahre alte Brasilianer von der TSG 1899 Hoffenheim zum deutschen Rekordmeister gewechselt. Vergangenes Wochenende wurde er beim Auswärtsspiel in Wolfsburg eingewechselt und feierte sein Pflichtspieldebüt im FCB-Trikot. Am kommenden Samstag wird er erstmals ein Heimspiel mit dem FC Bayern in der Allianz Arena bestreiten. Vor dem Spiel führte das Bayern Magazin ein ausführliches Interview mit Gustavo. fcbayern.de veröffentlicht es in Auszügen.

Frage: Luiz, herzlich willkommen in München. Wie ist Dein erster Eindruck vom FC Bayern?
Gustavo: „Sehr, sehr gut. Die Mannschaft hat eine sehr hohe Qualität, die Spieler sind alle unglaublich nett. Und das Vereinsgelände ist unglaublich, die Fußballplätze sind in einem Topzustand. Der FC Bayern ist ein Weltverein - aber das wusste ich auch schon vorher. Ich bin froh, dass ich hier bin.“

Frage: Konntest Du Dich schon in der Stadt umsehen?
Gustavo: „Ich wohne noch in einem Hotel im Zentrum der Stadt, so konnte ich schon ein bisschen was sehen. Es ist wirklich traumhaft hier - und kein Vergleich zu Sinsheim, wo ich die vergangenen Jahre gelebt habe…“

Frage: Also genießt Du jetzt den Stadttrubel?
Gustavo: „Eigentlich bin ich eher ein ruhiger Typ. Ich habe mir auch schon ein paar Wohnungen angesehen, alle ein bisschen außerhalb der Stadt. Wir sind so viel unterwegs, da bin ich froh, wenn ich es dann zuhause ein wenig ruhiger habe.“

Frage: In Hoffenheim warst Du zwar einer der wichtigsten Spieler, standest aber nicht so im Fokus wie die Offensivspieler. Kannst Du den Bayern-Fans ein wenig von Dir erzählen?
Gustavo: „Gerne. Ich bin in der kleinen Stadt Pindamonhangaba aufgewachsen, rund 90 Minuten entfernt von Sao Paulo. Ich habe es zwar schon früh bei größeren Vereinen versucht, habe aber immer meine Familie vermisst und bin immer wieder zurückgekommen. Als ich 16 Jahre alt war, ist meine Mutter gestorben - da hatte ich gerade meinen ersten Profivertrag unterschrieben. Sie hatte immer davon geträumt, dass ich Karriere mache. Deswegen habe ich mich nach ihrem Tod noch mehr angestrengt, um es für sie zu schaffen. Ich spielte in der zweiten Liga Brasiliens und wurde dann 2007 mit 19 Jahren an Hoffenheim ausgeliehen und ein Jahr später gekauft.“

Frage: Fast untypisch für einen Brasilianer sprichst Du sehr gut deutsch. Wie kommt‘s?
Gustavo: „Als ich nach Hoffenheim kam, hat mir der Verein sofort eine Lehrerin besorgt, mit der ich zwei Mal die Woche Unterricht hatte. Und nachdem Sinsheim eine kleine Gemeinde ist, wo es außer meinem Kollegen Carlos Eduardo und mir keine anderen Brasilianer gab, mussten wir ja Deutsch lernen, um mit den Leuten sprechen zu können.“

Frage: Du hast einmal gesagt, Dir gefällt die deutsche Mentalität. Was meinst Du damit?
Gustavo: „Ordnung, Pünktlichkeit - und vor allem, dass die Menschen alle sehr korrekt uns ehrlich sind. Wenn man hier etwas mit einem anderen ausmacht, dann gilt das. Egal, ob es um eine Verabredung zum Essen geht oder um einen Vertrag. Das ist in Brasilien leider ganz anders.“

Frage: Von Deiner Spielweise bist Du ohnehin mehr Deutscher als Brasilianer, oder?
Gustavo: „Das stimmt (lacht). Aber so ist nun mal meine Spielweise. Ich bin immer voll motiviert und gebe im Spiel alles. Das war schon in Brasilien so, in Deutschland habe ich noch viel dazugelernt. Ich könnte wahrscheinlich auch mit der Hacke zaubern, aber das ist nicht meine Art. Lieber einfach, aber effektiv.“

Frage: Nach Deiner ersten Trainingswoche in Katar warst Du körperlich ziemlich k.o. Ist das Training beim FC Bayern härter als in Hoffenheim?
Gustavo: „Härter nicht, aber ganz anders. Die Qualität ist im Training viel größer, außerdem wird fast alles mit dem Ball gemacht. Also keine langen Läufe, sondern immer Spiele in höchstem Tempo. Außerdem hatte ich in der Winterpause fast keinen Urlaub, weil ich nicht wusste, ob ich nach München wechsle oder in Hoffenheim bleibe. Dort haben wir für die Winterpause immer einen Trainingsplan bekommen, den ich auch dieses Mal fast komplett erfüllt habe. So hatte ich eigentlich nur zwei Tage, um wirklich entspannen zu können.“

Frage: Du kannst defensiv so ziemlich alles spielen - was ist Deine Lieblingsposition?
Gustavo: „Am liebsten spiele ich im Mittelfeld, wo ist mir aber eigentlich egal. In Hoffenheim habe ich zwar hauptsächlich defensiv gespielt, aber ich kann mich auch in den Angriff einschalten.“

Frage: Ist diese Vielseitigkeit Deine größte Stärke?
Gustavo: „Ich glaube, dass ich mental sehr stark bin. Mein Kopf ist für alles bereit. Außerdem habe ich eine gute Kondition und versuche immer das Beste zu geben. Denn ich mag nicht verlieren - damit passe ich ja gut zum FC Bayern.“

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