präsentiert von
Menü
Müde, aber zufrieden

Luiz Gustavos erster Arbeitstag beim FCB

Da stand er nach dem Training, die Hände auf die Knie gestützt und sichtlich geschafft von den vorangegangenen 90 Minuten. Die erste Übungseinheit von Bayern-Neuzugang Luiz Gustavo mit seinen neuen Mannschaftskollegen hat sichtbare Spuren hinterlassen. „Das war ganz anders als das, was ich bisher in Hoffenheim gemacht habe“, berichtete der 23-Jährige später über das erste Training unter Louis van Gaal. „Es hat mir sehr gut gefallen.“

„Bei uns wird gleich sehr intensiv gearbeitet mit kurzen Sprintübungen, alles mit Ball, das ist eine ungewohnte Belastung. Aber es ist normal, dass sich Dinge ändern, wenn man einen Verein wechselt“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger, der am Vorabend gemeinsam mit den Brasilianer im Trainingslager in Doha/Katar eingetroffen war. „Ich wünsche mir, dass er sich schnell einfindet und bin auch davon überzeugt, dass er ein sehr wertvoller Spieler für uns wird.“

Die ersten Trainingseindrücke vom Defensivspezialisten bestätigten Nerlingers Hoffnungen, auch wenn Gustavo am Ende des Trainings durchaus berechtigten Grund zur Müdigkeit hatte. Nach seinem Weihnachtsurlaub in Brasilien, wo er sich am 25. Dezember mit seiner Freundin Milene verlobte, flog er zunächst zurück nach Deutschland, um den Wechsel zum FCB abzuwickeln, ehe er dann am Montagmorgen in den Flieger nach Doha stieg.

Kurz zuvor hatte Gustavo noch seine Unterschrift unter einen Viereinhalbjahresvertrag gesetzt und sich damit einen großen Traum erfüllt. „Jeder Spieler träumt davon, zu einer großen Mannschaft zu gehen. Ich habe mein ganzes Leben von so einer Chance geträumt. Wenn man diese Chance bekommt, muss man unbedingt ja sagen“, meinte er. „Ich wollte unbedingt zum FC Bayern kommen und ich glaube, das Niveau ist schon ein ganz anderes, als in Hoffenheim.“

Wie zuvor schon Van Gaal lobte auch Nerlinger die Flexibilität des schlaksigen Brasilianers, der sowohl im defensiven Mittelfeld als auch als Innen- oder Außenverteidiger spielen kann. „Wir haben ihn im letzten halben Jahr sehr intensiv beobachtet, auch auf drei verschiedenen Positionen und er hat auf allen drei Positionen sehr überzeugt“, bemerkte Nerlinger, der Luiz Gustavo zudem als „absolute Persönlichkeit“ bezeichnete. „Er hat eine sehr gute Mentalität. Ich denke, er wird der Mannschaft sehr gut tun.“

Gustavo, der sich selbst als „ganz normalen und ruhigen Menschen“ bezeichnete, betonte zwar noch einmal, dass er am liebsten im Mittelfeld spielt, doch Ansprüche auf einen Platz im Zentrum stellt er nicht. „Ich mag jede Position gerne. Wichtig ist nur die Mannschaft.“ Zunächst gehe es für ihn darum, „noch ein bisschen was zu lernen. Hier ist eine ganz andere Philosophie. Aber ich denke, dass das schnell gehen wird.“ Und auch die Trainingsinhalte seien andere, „hier wird mehr mit Ball gearbeitet.“

Der Familienmensch und gläubige Katholik („Ich lese viel in der Bibel und bete zwei Mal am Tag“) will geduldig auf seine Chance hinarbeiten. „Ich konzentriere mich nur auf mich, ich will meinen Job machen. Wir haben einen sehr guten Trainer, der weiß genau, was das Beste für die Mannschaft ist“, so Luiz Gustavo, dessen Vorbilder ausgerechnet zwei andere ehemalige Bayern-Brasilianer sind: „Lucio und Zé Roberto. Mir gefällt ihre Mentalität, sie haben immer alles gegeben. So ein Mensch bin ich auch.“

Alles geben muss Luiz Gustavo mit seinen neuen Kollegen auch, um die bevorstehende Rückrunde erfolgreich zu gestalten. Über seine sportlichen Ziele beim Rekordmeister äußerte sich der ansonsten zurückhaltende 23-Jährige jedenfalls alles andere als defensiv. „Wir müssen groß denken. Wir spielen noch Champions League, Bundesliga und DFB-Pokal. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, wir können alles machen.“

Für fcbayern.de in Doha: Carsten Zimmermann

Weitere Inhalte