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Frust-Start

'So können wir nicht gewinnen'

Thomas Müller stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. In den Katakomben der Volkswagen Arena erzählte er von der „Euphorie und Erwartungshaltung“, die vor dem Rückrundenstart beim FC Bayern geherrscht hatten. „Wir hatten die Hoffnung, gut zu starten und Druck nach oben auszuüben.“ Unmittelbar nach dem 1:1 (1:0) beim VfL Wolfsburg war davon erst einmal nicht viel übrig. „Wir hatten uns selbst eine Aufgabe gestellt und haben es wieder nicht geschafft, obwohl es wieder ganz einfach möglich gewesen wäre“, ärgerte sich Müller, „bei uns herrscht Riesenfrust.“

Dabei führten die Münchner auf dem schwer bespielbaren Wolfsburger Rasen bis vier Minuten vor dem Schlusspfiff mit 1:0. Dann verlor Bastian Schweinsteiger im eigenen Strafraum den Ball und Sascha Riether traf zum überraschenden Ausgleich für die Wölfe. „Wir sind natürlich alle enttäuscht“, sagte Louis van Gaal.

Dass seine Mannschaft zum wiederholten Mal in dieser Saison drei Punkte aus der Hand gab, fand der FCB-Chefcoach „unglaublich. Weil es schon das fünfte Spiel dieser Art ist.“ Auch Müller, der die Bayern früh (7. Minute) mit 1:0 in Führung gebracht hatte, stellte fest: „Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison, dass wir individuell zu viele Fehler machen, auch ich. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen.“

Latte, Pfosten, Benaglio

Das betrifft auch die Chancenverwertung. „Zur Halbzeit hätten wir 3:0 führen müssen“, meinte Van Gaal, „und auch in der zweiten Halbzeit hatten wir viele Eins-gegen-Eins-Chancen vor Benaglio, haben aber das Tor nicht gemacht.“ Der VfL-Keeper, Latte und Pfosten verhinderten einen zweiten Bayern-Treffer. Die größte Chance hatte Philipp Lahm, dessen Foulelfmeter (21.) an den Innenpfosten krachte.

„Wir hätten verdient gehabt zu gewinnen“, meinte Karl-Heinz Rummenigge angesichts der vielen klaren Torchancen. Kapitän Mark van Bommel bezeichnete das Ergebnis als „unnötig. Wir waren überlegen.“ Van Gaal sagte: „Wolfsburg war nur mit Freistößen und Ecken gefährlich, und nicht spielerisch.“ Trotzdem hieß es am Ende 1:1.

Konzentration auf Platz zwei

Der ohnehin kaum mehr einholbare Rückstand auf die Tabellenspitze wuchs so auf 16 Punkte an. Der Traum von der Titelverteidigung ist nun wohl endgültig geplatzt. „Alles ist möglich, aber wir müssen uns auf Platz zwei konzentrieren“, sagte Van Gaal. Arjen Robben meinte: „Über Platz eins müssen wir nicht mehr reden. Wir sind einfach zu weit weg. Wir müssen uns auf Platz zwei konzentrieren und da haben wir heute einen Punkt gewonnen.“

Tatsächlich ist der FC Bayern den Konkurrenten um Platz zwei (Leverkusen, Mainz), die ihre Spiele verloren, einen Punkt näher gekommen. „Deswegen bin ich nicht total unzufrieden“, legte auch Rummenigge den Fokus auf das Erreichen der direkten Champions-League-Qualifikation. Dabei wird Franck Ribéry dem FC Bayern allerdings erst einmal nicht helfen können. Der Franzose verdrehte sich bei einer Attacke von Wolfsburgs Josué das Knie und musste bereits Mitte der ersten Halbzeit ausgewechselt werden.

'Es überwiegt der Ärger'

„Wolfsburg hat an der Grenze gespielt“, ereiferte sich Van Gaal über die harte Gangart der Gastgeber. Doch Ribéry hatte Glück im Unglück. Am Sonntag erwies sich seine Verletzung nicht so schlimm wie befürchtet. Wegen einer Zerrung muss er „nur“ etwa zwei Wochen pausieren - und dann hoffentlich bald zusammen mit Robben auf dem Platz wirbeln. Der Holländer feierte in Wolfsburg nach 188 Tagen Verletzungspause sein Comeback („Es tut sehr gut, wieder auf dem Platz zu stehen.“).

Neben Robben sorgte in Wolfsburg auch die neu formierte FCB-Hintermannschaft für Lichtblicke. Holger Badstuber und Breno, die erstmals in der Innenverteidigung zusammenspielten, ließen kaum gegnerische Chance zu. Dahinter präsentierte sich Torwart-Debütant Thomas Kraft als sicherer Rückhalt, der sich mit einem gehaltenen Strafstoß (44.) glänzend einführte. „Ich hab ein gutes Spiel gemacht, aber es überwiegt der Ärger“, bilanzierte Kraft - ein Fazit, das auch allgemein zum Rückrundenstart des FC Bayern passt.

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