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Platz zwei das Ziel

FCB steckt 'in einer gefährlichen Situation'

Als der vierte Offizielle Felix Zwayer an die Außenlinie schritt und mit seiner elektronischen Tafel die Nachspielzeit anzeigte, hatten sich die Reihen in der Allianz Arena schon stark gelichtet. Viele der Bayern-Fans unter den 69.000 Zuschauern hatten genug gesehen und sich bereits auf den Heimweg gemacht. Zu groß war die Enttäuschung über das Spiel, das für den FC Bayern ganz anders gelaufen war als zuvor erhofft beziehungsweise nach dem wunderbaren Spiel in Mailand von den meisten sogar erwartet.

„Fußball ist eine Momentsache. Am Mittwoch war ein schöner Moment, heute ist kein schöner Moment“, fasste Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die emotionale Achterbahn-Fahrt der Bayern in dieser Woche zusammen. Drei Tage nach dem großartigen 1:0-Triumph beim amtierenden Champions-League-Sieger Inter verlor der Rekordmeister gegen Spitzenreiter Borussia Dortmund mit 1:3 (1:2) und mit nunmehr 16 Punkten Rückstand auf die Schwarz-Gelben auch die letzten Hoffnungen auf eine Titelverteidigung in der Bundesliga.

„Ich bin eigentlich sicher, dass sie jetzt auch Deutscher Meister werden“, sagte Rummenigge nach dem ersten BVB-Sieg in München nach fast 20 Jahren. Auch Sportdirektor Christian Nerlinger, ein gebürtiger Dortmunder, legte den Borussen zumindest verbal die Meisterschale ins Gepäck für die Rückreise: „Ich denke, dass sie zurecht Deutscher Meister werden. Wir haben spätestens seit heute andere Ziele. Wir müssen jetzt den zweiten Platz angreifen, und das wird nicht einfach.“ Nach dem Remis am Sonntagabend in Bremen ist der aktuelle Tabellenzweite Bayer Leverkusen schon vier Punkte vor den Bayern.

Keine Frage: Der historische Sieg der jüngsten BVB-Elf aller Zeiten war verdient, das erkannten die Bayern neidlos an. „Sie haben gut gespielt, laufstark gespielt, in der Defensive sehr kompakt gestanden und uns das Leben schwer gemacht“, befand Rummenigge. „Dortmund hat ein Superpressing entwickelt und wir konnten unsere Stärken nicht ausspielen“, erklärte Trainer Louis van Gaal. Arjen Robben und Franck Ribéry wurden von den Dortmundern konsequent und aggressiv gedoppelt, Robben kam im ganzen Spiel nicht zu einem einzigen Torschuss.

BVB profitiert von Konzentrationsfehlern

Hinzu kamen wieder mal individuelle Fehler vor den Gegentoren, wie bei Bastian Schweinsteigers Ballverlust vor dem 0:1 durch Lucas Barrios in der 9. Minute. „Wir haben die Dortmunder durch den einen oder anderen Konzentrationsfehler eingeladen“, sagte Nerlinger. Luiz Gustavo gelang zwar mit seinem ersten Bundesligator für den FCB die schnelle Antwort (16.), aber postwendend nach dem Ausgleich brachte Nuri Sahin (18.) die Gäste wieder in Führung. Der ehemalige Bayer Mats Hummels sorgte in der 60. Minute für die Vorentscheidung.

„Dortmund hat nach dem 2:1 das gemacht, was sie am besten können: Sie hatten alle Spieler hinter dem Ball und haben alles zugestellt. Im Grunde war das Spiel nach dem 3:1 schon gelaufen", sagte Thomas Müller. Vielleicht wäre es noch mal spannend geworden, wenn Bundesliga-Debütant Mitchell Langerak eine Viertelstunde vor Schluss nicht glänzend gegen Mario Gomez reagiert hätte. Letztendlich fehlte den Bayern nach dem Spiel von Mailand aber auch ein wenig die Frische, diese Partie noch mal zu drehen.

Müde im Kopf

„Es war offensichtlich, dass wir den Schwung aus Mailand nicht mitnehmen konnten“, so Nerlinger. „Das soll keine Ausrede sein, aber ich weiß nicht, ob die Mannschaft noch müde war von Mailand, nicht mal körperlich, sondern vom Geiste her. Nur so kann man sich erklären, dass so viele Fehler in der ersten Halbzeit passiert sind“, sagte Kapitän Philipp Lahm.

Viel Zeit, die Wunden zu lecken und die Akkus wieder aufzuladen, bleiben Lahm und Co. aber nicht. Schon am Mittwoch steht mit dem Pokalhalbfinale gegen den FC Schalke 04 die nächste schwere Aufgabe auf dem Programm. Und kommenden Samstag gastiert die Van-Gaal-Truppe beim Überraschungsdritten Hannover 96. „Wir können jetzt nicht lange lamentieren. Es nützt nichts. Wir müssen uns jetzt schütteln“, sagte Rummenigge.

„Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht noch mehr an Boden verlieren“, meinte Müller im Hinblick auf den Kampf und Platz zwei und die dafür wegweisende Partie in Hannover. Mit einem Sieg dort wären die Bayern zumindest wieder auf Platz drei. „Wir müssen uns in den nächsten Wochen extrem anstrengen. Das wird kein Selbstläufer“, warnte Rummenigge. „Wir sind in einer gefährlichen Situation“, sagte auch Nerlinger. „Die Bundesliga ist unser täglich Brot. Den zweiten Platz müssen wir sichern.“

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