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'Wenig feiern, viel Konzentration'

Gereifter FCB denkt schon an Dortmund

Franck Ribéry und Daniel van Buyten gingen voran. Es folgten Jörg Butt, Miroslav Klose, Thomas Kraft, Breno, Anatoliy Tymoshchuk, Bastian Schweinsteiger… Keine fünf Minuten, nachdem Karl-Heinz Rummenigge das Siegerbankett in Mailand eröffnet hatte, waren fast alle FCB-Profis auf ihre Zimmer verschwunden. Für eine Jubelfeier war es nämlich noch zu früh. „Wir feiern, wenn wir weiterkommen“, sagte Thomas Müller nach dem 1:0 (0:0)-Erfolg des FC Bayern im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Inter Mailand.

Den ersten Schritt Richtung Viertelfinale hat der deutsche Rekordmeister damit gemacht. Gleichzeitig wissen die Münchner aber auch: „Wir haben noch nichts erreicht. Wenn wir im Rückspiel eins auf die Mütze kriegen, hat es uns alles nichts gebracht“, merkte Müller an. Als zusätzliche Spaßbremse wirkte das anstehende Spitzenspiel in der Bundesliga gegen Tabellenführer Borussia Dortmund.

FCB-Boss Rummenigge goss daher in seiner Bankettrede auch „Wasser in den Wein“, wie er es ausdrückte. „Wenn man solche Spiele wie heute Abend erlebt, müsste man eigentlich sagen: Macht einen drauf, genießt den Augenblick. Nur leider haben wir am Samstag schon wieder ein sehr wichtiges Spiel“, sagte der FCB-Vorstandschef, „das ist ein Spiel, in dem wir weitermachen müssen. Wir müssen zeigen, dass wir zwar im Moment auf Platz drei stehen, aber dass das nicht bis zum Ende der Saison Bestand hat.“

Das Motto beim FC Bayern war nach dem so wichtigen Erfolg in Mailand also „wenig feiern, viel Konzentration“ (Rummenigge). Das galt zumindest für die Mannschaft. Trainer, Präsidium, Vorstand, Sponsoren und Edelfans hingegen stießen im Saal Islas Baleares des Mannschafshotels mit Wein und Bier auf den Sieg an. Sie genossen Meeresfrüchte, gefüllten Lachs und Rostbraten mit Trüffel-Sauce, vor allem aber schwelgten sie in Erinnerungen an einen großen Fußball-Abend.

Ein Spiel auf Augenhöhe

„Es war unheimlich aufregend, es war höchste Qualität. Es war ein Spiel, in dem man gesehen hat, dass beide Mannschaften auf extrem gleicher Augenhöhe sind“, sagte Rummenigge und sprach von einem „großen Champions-League-Auftritt“ des FC Bayern sowie von einem „Klassespiel von beiden Mannschaften“. Vor 75.925 Zuschauern im Giuseppe-Meazza-Stadion hatten sich beide Teams einen hochklassigen Schlagabtausch geliefert, voller Tempo und mit Chancen auf beiden Seiten.

„Eine Minute, bevor das Tor fiel, habe ich gedacht: Das ist das beste 0:0, bei dem ich je dabei sein durfte. Es hätte sicherlich auch 4:4 ausgehen können“, erzählte Rummenigge. „Das war Spaß am Fußball“, schwärmte auch Louis van Gaal, „auch Inter Mailand hat ein sehr gutes Spiel abgeliefert und hätte auch gewinnen können. Aber wenn man gesehen hat, wie wir die zweite Halbzeit auswärts dominiert haben, haben wir verdient gewonnen.“

Kraft hält herausragend

Hinten hielt Thomas Kraft seinen Kasten mit mehreren Klasseparaden sauber (Nerlinger: „Er hat eine herausragende Leistung gezeigt.“) und vorne bewies einmal mehr Mario Gomez, nachdem Ribéry und Robben am Aluminium gescheitert waren, seinen Torriecher. Der FCB-Stürmer erzielte in der 90. Minute den Siegtreffer. Es war sein siebter Saisontreffer in der Champions League, durch den er in der Torschützenliste mit dem Führenden Samuel Eto’o (Inter Mailand) gleichzog.

Gleichzeitig sorgte Gomez für die „Genugtuung“ (Philipp Lahm), auf die der FCB neun Monate nach dem verlorenen CL-Finale gegen Inter auch aus war. „Man hat heute gesehen: Die Mannschaft ist reifer als in der letzten Saison“, stellte Kapitän Lahm fest, „defensiv lassen wir nicht mehr so viel zu. Und vorne nutzen wir unsere Chancen teilweise eiskalt. Nur so kann man in der Champions League bestehen.“ Nerlinger bescheinigte der Mannschaft „absolutes europäisches Spitzenniveau. Das stimmt einen schon sehr zuversichtlich.“

Noch keine gemahte Wiesn

Zum einen für das Rückspiel in drei Wochen (15. März) in München. „Mit dem 1:0-Sieg haben wir beste Voraussetzungen geschaffen, das Viertelfinale zu erreichen“, meinte Rummenigge. Der FCB-Vorstandschef warnte jedoch davor „dass wir glauben, die Wiese ist schon gemäht. Das ist sie noch nicht.“ Auch Gomez meinte: „Wir sind jetzt im Vorteil, das dürfen wir uns nicht mehr nehmen lassen. Aber den Sprung ins Viertelfinale haben wir noch lange nicht geschafft. Wir müssen die 90 Minuten in München genauso konzentriert spielen.“

Zum anderen ist auch die Zuversicht des FC Bayern weiter gewachsen, die Wochen der Wahrheit - nach dem Spiel gegen Dortmund heißt der Gegner im DFB-Pokal-Halbfinale Schalke 04 - erfolgreich zu bestreiten. „Wir haben wichtige Wochen vor der Brust“, sagte Rummenigge, „ich bin überzeugt, das Spiel heute wird uns Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein geben.“

Wie die Mannschaft den Sieg in Mailand feierte oder besser nicht feierte, passte da ins Bild. Nerlinger sagte: „So wie sich die Mannschaft präsentiert, weiß ich, dass sie die Konzentration hochhalten wird.“ Das Duell mit Dortmund spielte da längst die Hauptrolle in den Köpfen der Spieler. „Jetzt freuen wir uns alle auf Dortmund“, sagte Kraft schon kurz nach dem Abpfiff im Giuseppe-Meazza-Stadion, „da müssen wir wieder alles geben. Das wird ein schönes Spiel.“

Aus Mailand berichtet: Nikolaus Heindl

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