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Andreas Ottl im Interview

'Ich versuche, ein Bindeglied zu sein'

1996 wechselte er ins junior team des deutschen Rekordmeisters, heute ist er immer noch da. Andreas Ottl bestreitet aktuell seine 15. Saison im FCB-Trikot und ist damit der dienstälteste Bayer im Kader von Louis van Gaal - und ein Glücksbringer noch dazu. Mit ihm auf dem Platz hat der FC Bayern in dieser Saison in der Bundesliga noch nicht verloren (9 Spiele). Insgesamt erlebte Ottl in dieser Saison in 15 Pflichtspieleinsätzen nur eine Niederlage: das letztendlich unbedeutende 2:3 in der Champions League beim AS Rom.

fcbayern.de unterhielt sich mit dem 25-jährigen gebürtigen Münchner über seine Rolle in der Mannschaft, die anstehenden Aufgaben in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League sowie seinen auslaufenden Vertrag.

Das Interview mit Andreas Ottl:

fcbayern.de: Andi, seit Sonntagabend steht es fest: Im Halbfinale des DFB-Pokals trifft der FC Bayern auf Schalke 04. Ein gutes Los?
Ottl: „Ja, ein gutes Los. Spiele gegen den FC Schalke sind immer interessant. Obwohl es noch nicht so richtig läuft bei ihnen, haben sie eine gute Mannschaft. Es ist sicher ein Vorteil, dass wir daheim in der Allianz Arena spielen.“

fcbayern.de: Für Dich ist das Duell mit Schalke auch ein Wiedersehen mit Felix Magath, der nicht unwichtig für Deine Karriere war.
Ottl: „Richtig. Felix Magath war Trainer beim FC Bayern als ich zu den Profis kam. Er hat mir viel Vertrauen geschenkt. Unter ihm bin ich zu vielen Einsätzen in der Bundesliga gekommen und konnte auch in der Champions League Erfahrung sammeln. Er war ein wichtiger Trainer für mich.“

fcbayern.de: Damals waren es erste Schritte, und heute? Bist Du jetzt Stammspieler? Die letzten beiden Partien hast du ja von Beginn an gespielt.
Ottl: „Nach zwei Spielen in der Startelf kann man noch nicht von Stammspieler sprechen. Erst wenn ich acht bis zehn Spiel in Folge machen sollte, wäre das so. Diese Chance möchte ich nutzen.“

fcbayern.de: Warst Du in den letzten beiden Spielen mit Deiner Leistung zufrieden?
Ottl: „Da selbst ein Urteil zu fällen, ist schwierig. Das Feedback vom Trainerstab ist positiv.“

fcbayern.de: Manche sagen, der Andi Ottl sei zu ruhig auf dem Spielfeld. Andere sind beeindruckt, mit welcher Abgeklärtheit du agierst. Wie siehst Du das selbst?
Ottl: „Ich denke schon, dass es eine Stärke von mir ist, dass ich mich nicht aus der Ruhe bringen lasse. Wenn man zu sehr grübelt, weil man nicht spielt, dann kann man auch nicht die Leistung abrufen, die von einem erwartet wird. Ich denke schon, dass das eine Qualität von mir ist, meine Leistung immer abrufen zu können. Auch wenn ich nach außen vielleicht ruhig wirke, intern sage ich meine Meinung, wenn es darauf ankommt.“

fcbayern.de: Wirst Du manchmal vielleicht ein bisschen unter Wert beurteilt, weil Du unauffällig Deine Arbeit erledigst?
Ottl: „ Für mich ist wichtig, was der Trainer über meine Leistung denkt und wie die Wertschätzung im Verein ist. Ich versuche, auf dem Platz mein Bestes zu geben und der Mannschaft mit meinen Qualitäten weiterzuhelfen. Ich werde mich nicht verstellen, nur um in der Öffentlichkeit oder in den Medien besonders wahrgenommen zu werden.“

fcbayern.de: Mit Mark van Bommel hat ein Führungsspieler den Verein verlassen. Fühlst Du Dich jetzt besonders in der Verantwortung, weil Du auf derselben Position wie er spielst und weil Du außerdem der dienstälteste Bayer im Kader bist?
Ottl: „Heutzutage ist es sehr wichtig, dass mehrere Spieler auf und außerhalb des Platzes Verantwortung übernehmen. Es ist nicht mehr so wie früher, dass ein oder zwei Spieler vorneweg marschieren. Wir haben viele Spieler in der Mannschaft, die Verantwortung übernehmen und ich versuche natürlich auch, meinen Teil dazu beizutragen.“

fcbayern.de: In den letzten zwei Spielen hast Du mit Danijel Pranjic auf der Doppelsechs gespielt. Wie ist die Aufteilung zwischen Euch?
Ottl: „Generell ist es so, dass ich unter allen Sechsern, die wir in der Mannschaft haben, der defensivste Spieler bin. Ich versuche, eng an den Innenverteidigern zu stehen. Ich bin immer derjenige, der einen Tick defensiver agiert. Trotzdem gehe ich natürlich auch immer wieder mit nach vorne, wenn der Zeitpunkt richtig ist. Der Trainer verlangt, dass die Defensive nachrückt, damit die Mannschaft nicht zu weit auseinander steht. Ich versuche daher, ein Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff zu sein.“

fcbayern.de: Und manchmal trägst Du Dich auch in die Torschützenliste ein. Zuletzt im DFB-Pokal-Spiel in Stuttgart. Deinen Hammer-Treffer haben die User von FCB.tv zum Bayern-Tor des Monats Dezember gewählt. Es war nicht Dein erstes Tor dieser Art. Woher kommt Dein toller Schuss?
Ottl: „Eine saubere Schusstechnik muss man ständig trainieren. Aber ich muss ehrlich sagen: Zu so einem Tor gehört auch immer ein bisschen Glück. Gerade aus dieser Entfernung muss man den Ball ideal treffen. Ich freue mich, dass mir so ein Treffer schon öfter gelungen ist. Der Trainer hat auch zuletzt vor dem Bremen-Spiel wieder gesagt, dass ich den Abschluss suchen soll.“

fcbayern.de: Im Sommer läuft Dein Vertrag aus. Gibt es schon eine Tendenz, wie es danach weitergeht?
Ottl: „Noch nicht. Es ist auch noch relativ früh. In den nächsten Monaten werde ich sicher das Gespräch mit Christian Nerlinger und Louis van Gaal suchen. Ich muss für mich entscheiden, was das Richtige ist. Schaun mer mal.“

fcbayern.de: Am Samstag geht es in der Bundesliga zum 1. FC Köln. Die „Geißböcke“ sind Drittletzter in der Liga, das Hinspiel endete aber nur 0:0. Wird auch das Rückspiel eine schwierige Kiste?
Ottl: „In den letzten Jahren haben wir uns gegen Köln immer schwer getan. Am Samstag wird es wieder ein schwieriges Spiel. Aber wir müssen unbedingt nachlegen, wir wollen unsere Serie ausbauen. Und ich freue mich auch auf das Wiedersehen mit Michi Rensing.“

fcbayern.de: Hattest Du schon Kontakt mit ihm?
Ottl: „Noch nicht. Aber es kann schon sein, dass wir uns in den nächsten Tagen noch die eine oder andere SMS schreiben.“

fcbayern.de: Wie groß ist Deine Vorfreude auf das Achtelfinale in der Champions League? In drei Wochen steht das Hinspiel bei Inter Mailand auf dem Programm. Gerade an das Giuseppe-Meazza-Stadion hast Du gute Erinnerungen, oder?
Ottl: „Das stimmt. Damals auch unter Felix Magath habe ich dort gegen Inter Mailand mein erstes Champions-League-Spiel bestritten (beim 2:0-Sieg im September 2006, d. Red.). Mein Gegenspieler war Figo und ich habe sehr gute Kritiken bekommen. Ein paar Monate später habe ich dort auch noch ein gutes Spiel im Viertelfinale (2:2 gegen AC Milan, d. Red.) gemacht. Mit dem Stadion verbinde ich schöne Erinnerungen. Auf so ein Highlight fiebert man hin. Wir können uns wieder auf zwei heiße und hart umkämpfte Spiele freuen.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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