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'Dann lag er da'

'Jay Jay' Gomez rackert sich zum Siegtor

Es lief bereits die 90. Minute, und bis dahin war Mario Gomez fast nur als fleißiger Balleroberer und tapferer Kämpfer in vorderster Front gegen Inters unerbittlichen Abwehrrecken Lucio in Erscheinung getreten. Eine vergebene Chance Mitte der ersten Hälfte, die der 25-Jährige in Rückenlage vergab - mehr Offensivaktionen gab es von Bayerns Toptorjäger nicht zu notieren. Doch dann kam eben die Schlussminute, in der Gomez zum umjubelten Matchwinner von San Siro wurde.

Ausgangspunkt war Arjen Robben, der in typischer Manier von rechts in die Mitte zog und dann aus über 25 Metern abzog. Gomez hatte diese Szene genau beobachtet und gewusst, was zu tun war. „Ich habe mir gedacht, er will das Spiel entscheiden und schießen. Deswegen habe ich nur auf diesen Abpraller gelauert“, schilderte Gomez seine Gedanken in diesem Moment. „Meine Hoffnung war, dass der Ball irgendwie zu mir kommt, und dann lag er da.“ Gomez musste den von Inter-Schlussmann Julio Cesar fallen gelassenen Flatterball von Robben nur noch ins leere Tor einschieben.

Es war Gomez‘ siebter Treffer im laufenden Wettbewerb, womit er in der Torschützenliste mit den führenden Samuel Eto’o von Inter und Nicolas Anelka vom FC Chelsea gleichzog. „Ich wusste, dass ich noch eine Chance bekomme, auch wenn es in der letzten Minute ist“, sagte der ehemalige Stuttgarter: „Ich glaube, das war mein wichtigstes Tor in der Champions League.“ Insgesamt war es in dieser Saison schon sein 28. Pflichtspieltreffer im 32. Einsatz.

„Ich bin topfit und in einer sehr guten Form“, sagte Gomez selbstbewusst. Nach schwierigem Saisonstart mit Einsätzen lediglich als Joker hat der Nationalstürmer seinen Platz als einzige Spitze mit Toren wie am Fließband Woche für Woche untermauert. „Wir haben eine Mannschaft, die offensiv spielt. Da heißt es für mich einfach, den 16er zu bearbeiten. Das ist ein komplett anderes Spiel als bisher in meiner Karriere. Da musste ich mich erst rein finden“, verwies Gomez auf die Umstellungsprobleme von der Spielweise des VfB zum FCB.

Gelb-Sperre drohte fürs Rückspiel

Mittlerweile steht er nicht nur oft vor dem gegnerischen Tor am richtigen Fleck, sondern leistet auch viel Arbeit im Spielaufbau. „Ich muss nicht nur da sein, wenn die Bälle kommen, sondern auch viel Platz schaffen für die anderen. Das ist ein sehr intensives Spiel“, so der in der Königsklasse von einer Gelb-Sperre gefährdete Gomez über seine Aufgaben auf dem Platz: „Ich hatte die ganze Zeit im Hinterkopf, dass ich keine Gelbe Karte bekomme, damit ich beim Rückspiel dabei bin. Bei jedem Zweikampf habe ich gefleht, dass der Schiri es mir nicht böse auslegt.“

Mit dem Ex-Bayern Lucio lieferte sich Gomez packende und körperbetonte Duelle. „Ich habe versucht, so wenig wie möglich mit den Armen zu arbeiten, Lucio hat dafür umso mehr. Er hat das ganze Spiel gerudert, da war es schwierig, die Contenance zu wahren“, beschrieb Gomez. Mit seinem Last-Minute-Tor gab er genau die richtige Antwort.

Jubeln wie Jay Jay

Beim Torjubel huldigte er seinem Jugendidol Jay Jay Okocha. Wie einst der Nigerianer zog er das rechte Bein wie bei einer Dehnübung der Oberschenkel-Vorderseite an den Hintern und wippte dabei mit dem Oberkörper. „Ich habe den Jubel bei Jay Jay Okocha gesehen. Das war mein erstes Vorbild, meine ganzen Tapeten waren voll mit seinen Postern“, gestand Gomez, „und da habe ich mir gedacht: komm, mach das irgendwann auch mal so.“ Alle Bayern-Fans werden sich fürs Rückspiel wünschen: Mach’s noch einmal, Mario.

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