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Enttäuscht, aber stolz

'Man hätte Bayern den Final-Einzug gewünscht'

Es ist wie verhext für die Fußballfrauen des FC Bayern. Vor zwei Jahren fehlte ihnen ein einziges Törchen zur Deutschen Meisterschaft, jetzt stand der Querbalken einem möglichen Einzug ins DFB-Pokal-Finale im Wege. An jenem Stück Aluminium scheiterte Sylvie Banecki am Sonntagnachmittag im Halbfinale gegen Turbine Potsdam, der Ball sprang von der Unterkante zurück ins Spielfeld und nicht ins Tor. Es wäre der Treffer zum 3:3 gegen den großen Favoriten gewesen. „Vielleicht wäre das Spiel dann anders gelaufen“, mutmaßte Banecki. So aber endete die Partie 2:4.

„Wenn der reingeht, dann wäre es nochmal richtig zur Sache gegangen“, ist Thomas Wörle überzeugt. Der Bayern-Trainer hatte nach dem Spiel viel Aufbauarbeit zu leisten („In der Kabine sind alle fertig.“), konnte seiner Mannschaft aber trotz der Niederlage eigentlich nur gratulieren. „Ich muss meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen für eine Riesenenergieleistung. Wir hatten den großen Traum vom Finale in Köln. Wir haben alles investiert, waren nah dran, aber es hat nicht gereicht.“

Tempo, Klasse, Spannung - die Partie zwischen dem Bundesliga-Fünften und dem Champions-League-Sieger sowie amtierenden Deutschen Meister aus Potsdam war beste Werbung für den Frauenfußball. Dabei sah es nach drei frühen Toren innerhalb von acht Minuten durch Viola Odebrecht (13.), Yuki Nagasato (15.) und Anja Mittag (20.) zunächst nach einem souveränen Favoritensieg aus.

'Beängstigende Effektivität'

„Drei Chancen, drei Tore - das ist phänomenal“, zog Wörle den Hut vor „dieser unglaublichen, beängstigenden Effektivität“ der Potsdamerinnen. Doch Wörles junge Mannschaft (Durchschnittsalter 22 Jahre) kämpfte sich noch vor der Pause zurück. Carina Wenninger (36.) und Petra Wimbersky (39.) brachten den FCB wieder auf 2:3 heran.

„Wir waren die bessere Mannschaft in der ersten Halbzeit“, meinte Wörle. Nur habe man es versäumt, aus den vielen Chancen mehr Tore zu machen. „Bayern hat wirklich sehr gut gespielt und gut dagegengehalten. Es hat ihnen nur an der Torgeilheit und der Chancenverwertung gefehlt“, meinte Fatmire Bajramaj. Die Nationalspielerin war von den Münchnerinnen nie unter Kontrolle zu bekommen und bereitete drei der vier Potsdamer Treffer vor. Doch auch sie stellte fest: „Nach dem 2:3 haben wir wirklich gewackelt.“

'Viel Herzblut, Kampf und Einsatz'

„In der ersten Halbzeit war Bayern fußballerisch die bessere Mannschaft“, sagte Gäste-Trainer Bernd Schröder, der insgesamt von einem „Spiel auf Augenhöhe“ sprach. An Wörle gewandt fuhr das 68-Jährige fort: „Heute hättet ihr jede Mannschaft geschlagen, nur uns nicht.“

In der zweiten Halbzeit kämpften die FCB-Frauen zwar bis zum Schluss und hatten durch Baneckis Lattentreffer die große Chance zum Ausgleich, das vierte Potsdamer Tor durch Natasa Andonova (74.) entschied jedoch die Partie. Am Ende war unter den 1.180 Zuschauern im Sportpark Aschheim sogar Steffi Jones, die Präsidenten des deutschen WM-OKs, zum FCB-Fan geworden. „Man hätte den Bayern den Final-Einzug gewünscht“, sagte sie, „da war sehr viel Herzblut, Kampf und Einsatz drin. Ich kann nur danke sagen. Es war eine tolle Leistung.“

'Es tut sehr, sehr weh'

Doch warme Worte waren nur ein schwacher Trost für die Münchnerinnen, für die zum siebten Mal im Pokal-Halbfinale Endstation war. „Es tut sehr, sehr weh. Die Enttäuschung ist riesengroß“, sagte Spielführerin Kathrin Längert, „mit dieser Leistung hätten wir es verdient gehabt, ins Finale zu kommen. Wie diese sehr junge Mannschaft mit Courage gegen den Champions-League-Sieger aufgetreten ist, macht mich stolz. Aber damit kann ich jetzt in der Kabine keinen trösten.“

Mit Blick nach vorne konnte Wörle aber dennoch viel Positives aus dem Spiel mitnehmen. „Man erkennt, dass hier in München etwas entsteht. Wir wollen eine richtige Nummer werden, da sind wir auf einem guten Weg“, sagte der FCB-Trainer, der sicher ist: „Irgendwann kommt der Tag, an dem wir nicht nur auf Augenhöhe spielen, sondern Potsdam einen Titel wegschnappen.“

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