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'Ein Stich ins Herz'

Bayern fassungslos nach CL-Aus

Schlusspfiff, verloren, ausgeschieden - doch es dauerte, bis diese bittere Erkenntnis auch in den Beinen von Thomas Müller angekommen war. Ungläubig trieb es den WM-Torschützenkönig weiter über das Spielfeld. Erst an die Seitenlinie, dann zum Mittelkreis, wo er seinen Frust an einer Wasserflasche entlud. Dann Richtung Südkurve. Dann zur Nordkurve. Müller schimpfte, raufte sich die Haare und als er schließlich doch den Weg zum Spielertunnel einschlug, diskutierte und gestikulierte er mit Mario Gomez und Hamit Altintop.

Thomas Müller konnte es nicht fassen, der FC Bayern konnte es nicht fassen. „Es ist unglaublich. Ich habe keine Wörter dafür“, sagte Arjen Robben nach der 2:3 (2:1)-Niederlage gegen Inter Mailand, die das K.o. in der Champions League aufgrund der Auswärtstorregel (Hinspiel 1:0) bedeutete. „Die Enttäuschung ist riesengroß“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, „wir waren nicht die schlechtere Mannschaft. Wir hätten es verdient gehabt, weiterzukommen. Fußball kann manchmal leider brutal sein.“

Nach dem Aus in der Meisterschaft und im DFB-Pokal ist nun auch die dritte Titelchance des FC Bayern vertan. Dabei war das Champions-League-Viertelfinale schon zum Greifen nah gewesen. Doch zwei Minuten vor dem Schlusspfiff ließ Goran Pandev diesen Traum platzen. „Das war ein Stich ins bayerische Herz“, schmerzte Rummenigge der Siegtreffer der unglaublich effektiven Mailänder „extrem“. In 90 Minuten brachten die Gäste insgesamt nur drei Schüsse aufs Tor - alle drei saßen.

„Es ist unfassbar, dass wir gegen Inter Mailand ausscheiden“, konnte es Bastian Schweinsteiger kaum glauben, „leider passt es irgendwie in diese Saison.“ Denn einmal mehr schlugen sich die Bayern selbst. „Wir haben das wieder selbst verursacht, und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison“, sagte Louis van Gaal, „wir haben nichts aus unseren Fehlern gelernt, das ist schade. Wir sind an uns selbst gescheitert.“ Und das sei besonders schmerzhaft. „Denn wir können nicht sagen, dass Inter besser war - und trotzdem sind wir raus.“

Bei Mario Gomez, der die frühe Mailänder Führung durch Samuel Eto’o (4.) in der 21. Minute ausgeglichen hatte, saß „der Stachel sehr tief, weil wir 60 grandiose Minuten gespielt haben.“ Müller (31.) hatte den FCB in Führung geschossen, danach hatten die Münchner reihenweise Möglichkeiten, um für eine Vorentscheidung zu sorgen, nutzten diese aber nicht. „Nach der ersten Halbzeit müssen wir vier, fünf zu eins führen“, ärgerte sich Robben.

'Wir waren ein Stück zu naiv'

„In der Halbzeit sah alles sehr gut aus“, fand Rummenigge, der in der ersten Hälfte „ein sehr gutes Fußballspiel mit einer großartigen Mannschaft vom FC Bayern“ sah. „Wenn man uns einen Vorwurf machen kann, dann dass wir es in der zweiten Halbzeit nicht verstanden haben, dieses 2:1 nach Hause zu spielen. Da waren wir ein Stück zu naiv.“ Van Gaal bemängelte die mangelnde Chancenauswertung seiner Mannschaft. „Und in der zweiten Halbzeit haben wir auch nicht sehr kompakt gespielt.“

So blieb Inter Mailand im Spiel, Wesley Sneijder nutzte den Freiraum zum überraschenden 2:2 (63.) und plötzlich kam der FCB ins Straucheln. „Auch wenn das Tor zum 2:2 natürlich ein Schock ist, sind wir noch in der nächsten Runde. Da müssen wir mit breiter Brust weiterspielen und dürfen nicht einbrechen“, sagte Gomez. Das Champions-League-Aus, das Pandev schließlich besiegelte, fand der FCB-Torjäger „endlos bitter, weil die bessere Mannschaft ausgeschieden ist. Es ist nicht der Verdienst von Inter Mailand, es ist die Dummheit von uns.“

Volle Konzentration auf die Bundesliga

Van Gaal bleibt nun nicht lange Zeit, um seine Spieler (Robben: „Alle sind enttäuscht, alle sind sauer, alle sind böse“) wieder aufzurichten. Schon am Samstag steht in Freiburg das nächste wichtige Bundesligaspiel auf dem Programm. „Ich werde mit meinem Stab alles versuchen, um die Spieler aus diesem Loch zu holen“, versprach der FCB-Chefcoach.

„So ein Spiel wird sicherlich Spuren hinterlassen. Aber es nutzt nichts, wenn man jetzt heult. Es muss am Samstag weitergehen“, sagte Rummenigge, der die Mannschaft aufforderte, in der Bundesliga „zu retten, was zu retten ist.“ Das heißt, mindestens Dritter zu werden. „Ich hoffe, dass wir zumindest das noch erreichen, was wir brauchen: die Qualifikation zur Champions League.“ Robben weiß: „Wenn wir nächste Saison in der Champions League spielen wollen, dann müssen wir Samstag in Freiburg gewinnen.“

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