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Zwangsjacke abgelegt

Bayern zeigen ihr wahres Gesicht

Hoch zufrieden und mit einem breiten Lächeln verließ Uli Hoeneß am frühen Sonntagabend die Münchner Allianz Arena. Einen „schönen Abend noch“ wünschte er den anwesenden Journalisten, die nach dem furiosen 5:1 (4:0)-Erfolg des FC Bayern gegen Bayer Leverkusen nur allzu gerne eine Stellungnahme des Vereinspräsidenten zu den vorangegangenen 90 Minuten eingeholt hätten.

Dabei hatte Hoeneß doch schon alles gesagt - genau eine Woche zuvor, nach der Beurlaubung von Trainer Louis van Gaal. „Ich erwarte eine Explosion. Ich erwarte, dass die Zwangsjacke, in der die Spieler seit Monaten stecken, abgestreift wird“, hatte Hoeneß vor Wochenfrist erklärt. Diese Erwartungen wurden am Sonntag vor 69.000 Zuschauern mehr als erfüllt.

„Das war das wahre Gesicht des FC Bayern“, sagte Bastian Schweinsteiger nach einem „Fußballfest“, wie Sportdirektor Christian Nerlinger die Partie gegen den Tabellen-Zweiten aus dem Rheinland bezeichnete. „Wir haben heute ein Ausrufezeichen gesetzt.“ Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge merkte gar an: „Der FC Bayern hat gespielt wie der FC Bayern spielen muss.“

In Spiel eins nach Van Gaal unter der Leitung seines bisherigen Assistenten Andries Jonker zeigte der FCB im Vergleich zu den letzten Wochen ein anderes Gesicht. „Er hat die richtige Ansprache gefunden und die richtigen Impulse im Training gesetzt“, lobte Nerlinger den 48 Jahre alten Niederländer, der vor allem „ein schnelleres Umschalten im Spiel nach vorne und mehr Aggressivität in den Zweikämpfen gefordert hat“, so Nerlinger weiter.

Vor allem in der ersten Halbzeit habe die Mannschaft die Vorgabe „mit großem Herz und unglaublichem Einsatzwillen“ umgesetzt, freute sich Jonker über sein überaus gelungenes Debüt als Chef-Trainer, das mit einer nahezu hundertprozentigen Chancenauswertung erzielt wurde. „Wir haben aus fünf Chancen vier Tore erzielt. Das passiert auch nicht jedes Spiel“, stellte Thomas Müller mit Erstaunen fest.

Nach dem frühen Eigentor von Simon Rolfes (7. Minute) nutzte Torjäger Mario Gomez (28./44./45.) seine einzigen drei Torschüsse im Spiel zur beruhigenden Pausenführung. „Es ist auch für mich eine Überraschung, zur Halbzeit gegen Leverkusen 4:0 zu führen“, gestand Jonker. „Die ersten 45 Minuten waren so, wie wir das uns alle vorstellen“, meinte Kapitän Philipp Lahm. Nach dem Leverkusener Ehrentreffer durch Eren Derdiyok (62.) stellte Franck Ribéry (75.) den alten Abstand wieder her.

Druck liegt bei Hannover

„Die Jungs haben sehr gut verstanden, wie die Situation ist. Sie haben die Botschaft verstanden und gemacht, was sie machen müssen“, sagte ein zufriedener Jonker, der unmittelbar nach der Partie aus privaten Gründen in seine niederländische Heimat reiste. Zuvor freute er sich aber noch darüber, dass seine Elf im Kampf um die Champions-League-Teilnahme den dritten Platz von Hannover 96 zurückerobert hat.

„Jetzt sind wir vor Hannover, der Druck liegt bei Hannover. Unsere Aufgabe ist es, die vier verbleibenden Spiele zu gewinnen. Dafür werden wir alles tun - so wie wir es auch heute gemacht haben“, meinte Jonker. In den verbleibenden vier Partien wolle man „den dritten Platz stabilisieren“, erklärte Nerlinger und bezeichnete Platz vier für den FCB als „Weltuntergangsszenario.“ Und Lahm ergänzte: „Platz drei wollen wir nun nicht mehr hergeben.“

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