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Trainerwechsel

Hoeneß erwartet 'eine Explosion'

Die Entscheidung fiel irgendwo auf der A9 zwischen Nürnberg und München. Im selben Auto fuhren Vorstand (Karl-Heinz Rummenigge, Karl Hopfner) und Präsident (Uli Hoeneß) des FC Bayern am Samstagabend vom Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg (1:1) zurück an die Säbener Straße. „Wir hatten genügend Zeit zu diskutieren“, erzählte Hoeneß am Sonntagmittag, „als wir hier waren, war die Entscheidung getroffen.“ Und die lautete: Louis van Gaal wird beurlaubt, Andries Jonker übernimmt bis Saisonende, Hermann Gerland und Marcel Bout werden seine Assistenten, Walter Junghans neuer Torwarttrainer.

„Es war eine kurzfristige Entscheidung, aber seit Wochen wächst eine Unzufriedenheit in uns“, sagte Rummenigge. Nach dem 1:1 in Nürnberg, durch das der FC Bayern in der Tabelle wieder aus den Champions-League-Plätzen rutschte, sah sich der Vorstand schließlich zum Handeln gezwungen. „Wir haben einfach zu dieser Entscheidung keine Alternative mehr gesehen“, erklärte der FCB-Vorstandschef, „wir müssen alles tun, um diesen dritten Platz noch zu holen. Wir müssen das Beste für den FC Bayern entscheiden, das haben wir gestern getan.“

Treffen mit Van Gaal und Kapitänen

Nach der Rückkehr der Mannschaft aus Nürnberg teilten Rummenigge, Hopfner, Hoeneß und Sportdirektor Christian Nerlinger ihren Entschluss Louis van Gaal mit. „Er hat es sehr professionell aufgenommen“, erzählte Rummenigge. „Louis van Gaal ist beurlaubt unter Fortbezahlung seiner Bezüge. Für uns gilt das eherne Gesetz: Vertrag ist Vertrag“, erklärte Karl Hopfner. Anschließend kamen die beiden Mannschaftsführer Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger ins Vorstandsbüro und wurden informiert. „Die Entscheidung hat vollste Zustimmung der beiden Kapitäne gefunden“, berichtete der FCB-Vorstandschef.

„Der gestrige Tag war das Ende einer Kette. Der Vorstand musste reagieren. Das kann man sich nicht länger anschauen“, sagte Hoeneß mit Blick auf das Spiel in Nürnberg. Im easyCredit-Stadion war der FCB zwar früh durch Thomas Müller (4. Minute) in Führung gegangen, lieferte aber zum wiederholten Mal in den letzten Wochen eine enttäuschende Leistung ab und fing sich noch den unnötigen Ausgleich durch Christian Eigler (60.) ein, ein Aufbäumen war wieder nicht zu erkennen. Zu allem Überfluss sah Arjen Robben nach dem Schlusspfiff die rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung (Rummenigge: „Was Arjen gemacht hat, ist inakzeptabel.“).

„Gestern war das Fass übergelaufen“, meinte Hoeneß, „es gibt einen alten Spruch: Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Gestern ist er gebrochen.“ Erste Risse sah der Bayern-Präsident bereits in der Winterpause. „Mit der Entscheidung, Jörg Butt aus dem Tor zu nehmen, ging die Scheiße los, auf Deutsch gesagt.“

'Es gab keine Ausreden mehr'

Die Konsequenzen dieses Torwartwechsels hätten Vorstand und Sportdirektor dem Trainer intensiv vor Augen geführt. „Aber Louis van Gaal hat unseren Rat nicht angenommen. Es ist eine Unruhe in der ganzen Abwehr entstanden. Und das Thema Manuel Neuer hätte sich hier nie so hochgeschaukelt.“

Auch die Resultate stimmten nicht. „Seit Weihnachten gab es keine Ausreden mehr“, verwies Hoeneß auf die optimale Wintervorbereitung, bei der Verletzungssorgen und WM endgültig keine Rolle mehr gespielt hatten. „Wir haben alle gehofft, dass wir in der Rückrunde, wenn alle fit sind, angreifen können“, sagte Nerlinger, „aber man hat deutlich gesehen, dass es nicht in die richtige Richtung gegangen ist.“

'Blockade nicht gelöst'

Vor einem Monat, als sich der FC Bayern mit seinem Trainer auf eine vorzeitige Vertragsauflösung zum Saisonende einigte, war die Hoffnung beim Rekordmeister noch groß, dass Van Gaal das Minimalziel Platz drei noch erreicht. „Unsere Hoffnung war, dass wir bei der Mannschaft und bei ihm einen gewissen Effekt erzielen“, sagte Rummenigge, „dieser Effekt ist leider nicht eingetreten. Die Blockade bei den Spielern ist nicht gelöst worden.“

Hoeneß sagte: „Dass die Spieler hinter ihm standen, ist ein Märchen. Bei dem einen oder anderen hatte man das Gefühl, dass die pure Angst seine Aktionen begleitet. Erfolg ist das eine, aber Spaß ist das andere. Der Spaß hat in diesem Verein seit langem gefehlt - nicht nur bei uns, sondern auch bei den Spielern.“

'Explosion' gegen Leverkusen

Jonker soll den Spaß und den Erfolg jetzt zurückbringen. Am Sonntag im Spitzenspiel gegen Bayer 04 Leverkusen erwartet Hoeneß in der Allianz Arena „eine Explosion. Ich erwarte, dass die Zwangsjacke, in der die Spieler seit Monaten stecken, abgestreift wird.“

Rummenigge rief den ganzen Verein dazu auf, wieder an einem Strang zu ziehen - „von der Mannschaft bis auf die Haupttribüne, die Gegengerade, die Nordtribüne und die Südtribüne. Dass man eine Einheit ist zum Wohle des FC Bayern und wir um 17.20 Uhr hoffentlich drei Punkte mehr auf dem Konto haben als heute.“

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