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Ulrich übernimmt FCB II

'Über den Zweikampf' gegen den Abstieg

Der Wind kneift an diesem Dienstagvormittag auf dem Trainingsgelände des FC Bayern. Eine Handvoll Kiebitze steht mit dicken Jacken, Kapuzen und Schirmen am Zaun. Sie ducken sich vor dem Regen und dem Wind, der durch alle Fasern drängt und einen nach dem anderen vertreibt. Auch die Spieler suchen schnell das Weite, als das Training zu Ende ist. Zurück bleibt der Trainer. In aller Ruhe sammelt er die Bälle ein, dann kommt er zum FCB.tv-Interview. Immer noch steht er im Regen, sein Haar klebt nass in der Stirn. Doch Rainer Ulrich lächelt. Er hat den Spaß nicht verloren.

Dabei hätte er allen Grund dazu. Nicht nur wegen des Wetters. Auch wegen der Situation seiner Mannschaft. Abgeschlagen rangiert sie auf dem letzten Tabellenplatz der Dritten Liga, zehn Punkte beträgt der Abstand zum rettenden Ufer. „Es sind noch 18 Punkte zu vergeben, aber wir sind realistisch genug. Es wird ganz schwierig“, sagt Ulrich, „es gibt kaum noch Hoffnung.“

Schon einmal FCB II-Chefcoach

Für die letzten sechs Saisonspiele beerbt Ulrich Hermann Gerland, der sich für die restliche Saison voll auf seine Arbeit mit Andries Jonker bei den Profis konzentriert. Der Assistent folgt auf den Chef - so wie bei den Profis ist es auch bei der zweiten Mannschaft. Doch Ulrich ist kein neues Gesicht beim FCB II.

„Wir kennen uns schon sehr lange“, erzählte Gerland fcbayern.de von Bundesligaduellen gegen Ulrich in den 70er Jahren. „Er war bei Karlsruhe, ich bei Bochum.“ Als Trainer übernahm Ulrich 1995 den FC Bayern II schon einmal von Gerland (bis 1998). 2009 holte der damalige FCBII-Chefcoach Mehmet Scholl schließlich Ulrich als Co-Trainer zurück nach München. Jetzt sitzt er noch einmal im Chefsessel.

Ein Fünkchen Hoffnung

„Rainer Ulrich ist ein absoluter Fachmann. Er macht nix außer Fußball schauen, Fußball leben, Fußball atmen“, sagte Scholl über Ulrich, der einst in Karlsruhe den späteren FCB-Profi und Nationalspieler entdeckte und förderte. Jetzt geht es für Ulrich nur darum, die Saison anständig zu Ende zu bringen. „Ich habe den Spielern gesagt: Jeder muss versuchen, noch einmal sein Bestes zu geben. Wir sind der FC Bayern München, wir dürfen uns nicht abschlachten lassen“, berichtet er.

Insgeheim hat der 61-Jährige sogar noch ein Fünkchen Hoffnung. „Wir versuchen, noch den vorletzten oder drittletzten Platz zu schaffen. Vielleicht bekommt der eine oder andere Klub keine Lizenz. Das ist unsere letzte Möglichkeit“, sagt er. Im Kampf gegen das schier Unmögliche baut Ulrich auf alte Tugenden. „Wir versuchen jetzt wieder über den Zweikampf zu kommen, einfachen Fußball zu spielen.“

Kellerduell am Samstag

Durch die Trennung von Louis van Gaals kann die zweite Mannschaft nun endgültig von der Spielweise der Profis Abschied nehmen. Schon unter Gerland hatte sie zuletzt weniger auf gepflegtes Kurzpassspiel Wert gelegt und mit langen Bällen agiert. „Das Spiel der Profis ist schwierig für unsere Mannschaft und in unserer Situation“, erklärt Ulrich, der „wie früher“ trainieren lässt.

„Er kennt die Mannschaft, er kennt die Liga und er weiß, dass es schwierig wird“, wünschte Gerland seinem ehemaligen Assistenten („Wir haben harmonisch zusammengearbeitet.“) und jetzigem Nachfolger viel Erfolg. „Ich hoffe, dass sie noch ein paar Punkte machen.“ Los gehen damit muss es am Samstag (14 Uhr, Grünwalder Stadion) im Abstiegsduell gegen den Viertletzten VfR Aalen. Ein Sieg ist Pflicht für den FCB II. Ulrich sagt: „Wir müssen jedes Spiel gewinnen.“

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