präsentiert von
Menü
Van Buyten im Interview

'Wenn wir die ganze Saison so gespielt hätten…'

Spitznamen hat Daniel van Buyten fast so viele wie Muskeln. Big Dan, Godzilla, Tarzan, The Rock wird der 1,97 Meter große Innenverteidiger genannt. Seit 2006 trägt er das Trikot des FC Bayern, inzwischen hat er 169 Pflichtspiele für den deutschen Rekordmeister bestritten. In dieser Saison saß der Belgier aber auch lange draußen. Mit fcbayern.de sprach Van Buyten über seine Saison, den Trainerwechsel und seinen Ärger über verpasste Titel.

Das Interview mit Daniel van Buyten:

fcbayern.de: Daniel, nach vier Wochen Verletzungspause hast Du am Sonntag gegen Leverkusen gleich fast wieder durchgespielt. Wie schwer war das?
Van Buyten: „Es war nicht einfach. Ich hatte vorher nur eine richtige Trainingseinheit. Eigentlich braucht man mehr, um sich wohl zu fühlen und Sicherheit zu haben. Aber der Trainer hat mir gesagt, dass er mich braucht. Ich habe dann alles getan, um fit zu sein. Am Ende war ich zufrieden, erstens weil wir gewonnen haben, zweitens weil ich wieder gespielt habe.“

fcbayern.de: Sicher in der Defensive, dazu noch eine Torvorlage - warst Du selbst überrascht, wie gut Dein Comeback gegen Leverkusen gelaufen ist?
Van Buyten: „Ich wusste, dass ich zwar im Kopf, aber körperlich noch nicht bei 100 Prozent bin. Deswegen habe ich mich richtig gut vorbereitet. Es war ein sehr wichtiges Spiel für uns, aber ich habe mir deswegen keinen Kopf gemacht. Auf dem Platz habe ich mich sofort wohl gefühlt. Jeder von uns ist voll in den Kampf hineingegangen. Dann vergisst du alles, du bist 100 Prozent im Spiel und willst unbedingt gewinnen. Es ist dann natürlich auch gut gelaufen für uns, was es mir persönlich auch leichter machte.“

fcbayern.de: Wie geht es Dir jetzt körperlich?
Van Buyten: „Mit dem Muskelfaserriss ist alles okay. Aber ich habe in der Wade Muskeln verloren in der Zeit, als ich nicht laufen konnte. Ich bin Vorfußläufer und wenn ich dann wieder mit dem Laufen anfange, geht das sofort in die Wade. Ich brauche dann immer ein paar Tage, die ich diesmal nicht hatte. Kurz vor Spielende bin ich auch rausgegangen, weil meine Wade zugemacht hat. Ich wollte nicht riskieren, dass ich mich wieder verletze. Aber jetzt ist wieder alles gut.“

fcbayern.de: In mittlerweile fünf Jahren beim FC Bayern hast Du Dich immer wieder in die Mannschaft zurückgekämpft. Zermürbt das nicht irgendwann einmal?
Van Buyten: „Ich bin ein Kämpfer. Natürlich möchte ich immer in der Mannschaft bleiben. Die Situationen, in denen ich meinen Platz verloren habe, waren nicht einfach für mich. Wenn ich nicht spiele, nervt mich das. Dann bin ich irritiert, weil etwas in meinem Leben fehlt. Fußball ist meine Lieblingsbeschäftigung. Aber ich bin einer, der weiter kämpft. Egal ob ich spiele oder nicht, ich gebe immer 100 Prozent. Das ist meine Einstellung. Und wenn dann die Chance da ist, muss man einfach präsent sein.“

fcbayern.de: In dieser Saison warst Du bis Ende November Stammspieler, dann hast Du fast vier Monate auf der Bank gesessen. Was ist passiert?
Van Buyten: „Ich hatte damals familiäre Probleme, habe nachts kaum mehr geschlafen. Da habe ich gemerkt, dass meine Kräfte Tag für Tag weniger wurden. Ich habe dann dem Trainer gesagt, dass ich ein, zwei Spiele pausieren möchte, damit ich mich von meinen Problemen frei machen kann und wieder zu Kräften komme. Nach zwei, drei Wochen ging es mir dann auch schon viel besser und ich habe dem Trainer gesagt, dass ich zurück bin. Es hat dann leider etwas länger gedauert, bis ich wieder gespielt habe.“

fcbayern.de: Mittlerweile gibt es einen neuen Cheftrainer beim FC Bayern. Was macht Andries Jonker anders?
Van Buyten: „An der großen Linie hat er nicht viel geändert, nur Kleinigkeiten. Er ist flexibel und hat zu allen Kontakt aufgenommen, um die Motivation hoch zu halten. Wir versuchen, unsere Lust am Fußball wieder auf dem Platz zu zeigen, jeder will für den anderen da sein. Einige Spieler wirken auf eine gewisse Weise befreit. Das alles hat man gegen Leverkusen gesehen. Wenn wir die ganze Saison so gespielt hätten, wären wir Erster mit 15 Punkten Vorsprung.“

fcbayern.de: Am Samstag geht es gegen Frankfurt. Vor einem Jahr führte der FC Bayern 1:0 und verlor durch zwei Treffer kurz vor Schluss noch 1:2.
Van Buyten: „In Frankfurt ist es nie einfach. Es ist ein großes Stadion mit guter Atmosphäre, Frankfurt braucht Punkte gegen den Abstieg. Aber auch für uns ist es ein wichtiges Spiel. Wir wollen den nächsten Schritt machen und unseren dritten Platz sichern.“

fcbayern.de: Du bist inzwischen 33 Jahre alt, Dein Vertrag bei Bayern läuft noch ein Jahr. Machst Du Dir schon Gedanken über ein Karriereende?
Van Buyten: „Körperlich fühle ich mich sehr fit, die Motivation ist jeden Tag da. Wenn ich keine Lust mehr hätte, würde ich mir schon Gedanken über die Zukunft machen. Aber so ist es keine Frage, dass ich auch nach 2012 weiterspielen will. Ich bin immer noch hungrig auf Titel. Ich bin so sauer, dass wir dieses Jahr Titel verpasst haben. Wir haben trainiert und gekämpft für nichts. Diesen Ärger müssen wir in die nächste Saison mitbringen. Im Sommer ist auch kein Turnier, so dass wir eine gute Vorbereitung machen können und dann richtig zuschlagen können. Nächste Saison wollen wir wieder Titel gewinnen.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

Weitere Inhalte