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10 Jahre danach

Das 'Klassentreffen' der Mailand-Helden

Sie waren von überall hergekommen: Giovane Elber und Paulo Sergio aus Brasilien, Bixente Lizarazu aus Frankreich, Owen Hargreaves aus Manchester, Hasan Salihamidzic aus Turin, Thorsten Fink aus Basel, Alexander Zickler aus Linz und viele andere aus ganz Deutschland. Die Champions-League-Helden von 2001 scheuten keine Entfernung, um auf den Tag genau zehn Jahre nach dem großen Triumph von Mailand das Jubiläum im festlichen Rahmen zu feiern.

„Das ist ein bisschen so wie ein Klassentreffen. Man geht aufgeregt hin, man trifft sich wieder und hat dann relativ schnell das Gefühl, dass man gerade gestern auseinander gegangen ist“, sagte Oliver Kahn, der sich über das Wiedersehen mit den ehemaligen Kollegen am Montagabend in der Siemens Cooking Lounge der Münchner Allianz Arena sehr freute.

„Wir waren schon eine geile Truppe damals. Wir hatten immer Spaß – und zwar von der Nummer eins bis zur Nummer 30. Auch die, die hinten dran standen, haben immer ihr Bestes gegeben“, sagte der damalige Kapitän Stefan Effenberg, der in Absprache mit dem Vorstand des FC Bayern dieses Zusammentreffen angeregt hatte. „Wir hatten ein überragendes Trainer-Gespann mit Ottmar Hitzfeld und Michael Henke, alles hat bestens funktioniert. Sowohl wir als auch der FC Bayern können stolz sein auf 2001.“

Und zwar nicht nur auf den Gewinn der Champions League, sondern auch auf die Last-Minute-Meisterschaft vier Tage zuvor in Hamburg. „Diese beiden Titel, vor allem der CL-Titel, sind es wert, dieses Jubiläumstreffen zu veranstalten. Das waren geschichtsträchtige, verrückte Tage damals vor zehn Jahren im Mai“, erinnerte sich Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge bei seiner Ansprache an die fast vollzählig erschienenen Helden von Mailand.

„Ich habe mich unheimlich gefreut auf den Abend“, sagte Vereinspräsident Uli Hoeneß. „Ich finde es erstaunlich, dass zehn Jahre nach so einem Event mehr oder weniger die ganze Mannschaft zusammengekommen ist. Das spricht doch sehr dafür, dass damals eine fantastische Kameradschaft und Freundschaft entstanden ist“. Einzig Patrik Andersson, Siegtorschütze in Hamburg, Sammy Kuffour („Rot-weiße Trikots“), Ciriaco Sforza, Carsten Jancker, Roque Santa Cruz, Stefan Wessels und Thomas Strunz hatten ihre Teilnahme absagen müssen.

„Ich habe mich sehr gefreut, als ich gehört habe, dass Bayern München das 10-jährige Jubiläum feiert“, meinte Meistermacher Hitzfeld, der mit seinem langjährigen Assistenten Michael Henke erschienen war. Auch für den General war es „eine große Überraschung, dass die meisten Spieler da sind und weite Reisen in Kauf genommen haben. Das spricht für die gute Moral und den guten Charakter der 2001er Mannschaft.“

Nur allzu gerne erinnerte sich Hoeneß an den 23. Mai 2001 und daran, wie alles begann. „Die Basis wurde 1999 beim Finale in Barcelona gelegt, wo wir ja in drei Minuten alles verloren haben. Da hat kein Mensch daran geglaubt, dass diese Mannschaft nochmal zurück kommt. Man hat gedacht, die fällt jetzt auseinander. In der Nacht danach ist dieser Schwur entstanden: das schaffen wir noch einmal. Und zwei Jahre später diesen riesigen Triumph zu schaffen, war eine Genugtuung für alle.“

Dem schloss sich auch Rummenigge an: „Was mich fasziniert hat: andere Klubs wie Real oder ManU waren vielleicht spielerisch besser in dieser Saison, aber unsere Mannschaft hatte den Willen, den Charakter, die Champions League unbedingt gewinnen zu wollen. Dankeschön dafür, dass ihr damals wirklich alles für den Klub gegeben habt.“ Und Hitzfeld ergänzte: „Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft war einzigartig. Wir hatten echte Leader in der Kabine und auf dem Platz, es hat vieles funktioniert.“

Bei gebratenen Garnelen auf Blattsalat, Seezungenfilet und rosa gebratenem Kalbsfilet, das Menü wurde angerichtet von FCB-Koch Alfons Schuhbeck, saßen die Champions von 2001 gemeinsam mit ihren Frauen und dem Vorstand des Rekordmeisters bis weit nach Mitternacht und ließen alte Erinnerungen aufleben. Im Hintergrund lief auf zwei Bildschirmen und auch auf der Videowall im Stadion das Finale in Originallänge, begleitet von Kommentaren, Lachern und großem Jubel beim abschließenden Elfmeterschießen.

„Das war ein großer Tag damals, nicht nur für uns, sondern für die ganze Stadt“, sagte Effenberg, der wie seine einstigen Kollegen immer wieder den Weg zum Champions-League-Pokal und zur Meisterschale, die ebenso im Raum ausgestellt waren wie zahlreiche Fotos von damals mit dem Cup und der Schale, fand, um sich mit den beiden Trophäen ablichten zu lassen.

Am Ende versprach Rummenigge für 2021 eine Wiederholung des Treffens zum 20-jährigen Jubiläum und sagte: „Für alle aus diesem Kader sind bei Problemen und Wünschen die Türen des FC Bayern immer offen. Der FC Bayern wird euch immer eine Heimat sein.“

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