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'Die Mädels sind hungrig'

FCB-Frauen wollen auf Liga-Cup-Titel aufbauen

Thomas Wörle hatte schon eine böse Vorahnung, als er sich für das Sieger-Interview bei FCB.tv bereit machte. „Wir haben noch eine Woche Training“, warnte er sein Team, das die Köpfe zusammensteckte. Dann trat er vor die Kamera - und noch bevor er seinen ersten Satz zu Ende gesprochen hatte, stürzten sich seine Spielerinnen mit Gebrüll auf ihn und überschütteten ihren Trainer mit Eiswasser.

Es gibt sicherlich Schlimmeres für einen Trainer, der in seinem ersten Jahr als Chefcoach gerade den ersten Titel eingeheimst hatte. Im Finale um den Bundesliga-Cup hatte sich sein Team knapp, aber verdient mit 2:1 (2:1) gegen den 1. FFC Turbine Potsdam durchgesetzt. „Es ist nicht der DFB-Pokal und nicht die deutsche Meisterschaft“, weiß der ehemalige Zweitligaprofi, wie der Liga-Cup einzuordnen ist. „Aber es ist ein Titel.“ Für die FCB-Frauen der erste auf nationaler Ebene seit der deutschen Meisterschaft 1976.

„Die beste Mannschaft ist Liga-Cup-Sieger geworden“, betonte Karin Danner. In der Halbzeit des Frauen-Länderspiels Deutschland gegen Nordkorea nahm die FCB-Frauenfußball-Managerin zusammen mit allen Spielerinnen und Betreuern im Ingolstädter Sportpark den Pokal und einen Scheck in Höhe von 6.000 Euro entgegen. „Man hat es während des ganzen Turniers gesehen: Die Mädels sind hungrig und wollten unbedingt den Cup gewinnen.“

'Platt ohne Ende'

Mit fünf Siegen in fünf Spielen und 27:3 Toren sicherten sich die Münchnerinnen beim Bundesliga-Cup den Gruppensieg. Im Finale besiegten sie dann dem amtierenden deutschen Meister und Champions-League-Finalisten. Zwar musste Potsdam ohne seine deutschen Nationalspielerinnen antreten, aber auch bei Bayern fehlten einige Leistungsträgerinnen aufgrund von Verletzungen. „Heute war es ganz schwer“, meinte Julia Simic nach dem Schlusspfiff, „aber wir wollten unbedingt diesen Titel und haben bis zum Ende gefightet. Jetzt sind wir alle platt ohne Ende, aber glücklich.“

Simic war die spielentscheidende Akteurin an diesem Nachmittag vor 2.000 Zuschauern auf dem Nebenplatz des Ingolstädter Sportparks. Die Mittelfeldregisseurin erzielte beide Tore für den FCB, beide per Freistoß (11. Minute, 30.). Die Münchnerinnen hatten die Torbienen über die auf zweimal 30 Minuten beschränkte Spielzeit gut im Griff. Auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Jennifer Zietz (22.) durch einen zu Unrecht gegebenen Foulelfmeter brachte sie nicht von ihrer Linie ab.

Umbruch fast abgeschlossen

„Man hat erkennen können, dass wir den Sieg mehr wollten als Potsdam. Wir haben mehr Leidenschaft reingelegt“, meinte Wörle, dessen Team den körperlich überlegenen Potsdamerinnen mit viel Kampfgeist Paroli bot. „Bei Potsdam sind elf Maschinen drin“, stellte Simic fest, „die sind alle mordszweikampfstark.“ Doch nach drei Niederlagen gegen die Torbienen im Laufe der Saison hatten die Bayern zum Abschluss die Nase vorn.

Und das soll in Zukunft öfter so sein, wenn es nach den Plänen des FC Bayern geht. „Wir haben intern einen Plan aufgestellt: Wir wollen in den nächsten zwei, drei Jahren deutlich mehr nach vorne kommen“, erzählte Wörle, der in dieser Saison einen Umbruch beim FC Bayern vollzogen und vielen jungen Spielerinnen eine Chance gegeben hat. „Vor der Saison war unser großes Ziel, die Mannschaft umzubauen - jetzt haben wir es schon fast geschafft. Noch die eine oder andere Ergänzung, dann sind wir richtig gut aufgestellt“, sagte er.

'Noch mal Vollgas'

Nur zwei der 14 eingesetzten Spielerinnen im Liga-Cup-Finale waren älter als 22 Jahre - das verheißt der Mannschaft eine vielversprechende Zukunft, auch wenn die Lücke zu den deutschen Topteams (Potsdam, Frankfurt, Duisburg) nicht so leicht zu schließen sein wird. „Wir wollen unsere jungen, talentierten Mädels zusammenhalten. Dann bin ich mal gespannt, was möglich sein wird“, sagte Wörle, „auf diesen Titel können wir in der neuen Saison aufbauen.“

Als Tabellenfünfter haben die FCB-Frauen die letzte Bundesliga-Saison abgeschlossen, im DFB-Pokal kamen sie bis ins Halbfinale. Diese Leistung gelte es in der neuen Saison zu bestätigen, meinte Danner, die aber auch hofft, „ein bisschen für Furore“ sorgen zu können. Doch nach den Strapazen einer langen Saison haben die Fußballfrauen des FC Bayern jetzt erst einmal allen Grund zum Feiern. Simic versprach: „Am Abend geben wir noch mal Vollgas.“

Für fcbayern.de in Ingolstadt: Niko Heindl

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