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Lust auf ein Sahnehäubchen

FCB sichert Platz 3 und schielt auf Platz 2

In fremden Stadien musste man in dieser Saison nur in die Gesichter von Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner blicken, um zu wissen, dass es nicht immer gut um den FC Bayern stand. Keine Frage: Für Präsident und Vorstand des deutschen Rekordmeisters gab es auswärts angenehmere Spielzeiten als in diesem Jahr. Doch am Samstag strahlte das FCB-Führungstrio auch in der Fremde. Gut gelaunt schrieb es Autogramme, und das auf der Tribüne des berüchtigten Millerntor-Stadions. Dort, wo der FC Bayern einst (2002) eine der denkwürdigsten Niederlagen der Bundesliga-Geschichte kassiert hat. Am Samstag wendete sich ausgerechnet dort, im letzten Auswärtsspiel der Saison, vieles zum Guten.

8:1 (in Worten: acht zu eins!) gewann der FC Bayern beim FC St. Pauli und feierte damit den höchsten Bundesliga-Auswärtssieg seiner Vereinsgeschichte. Doch das war nur das i-Tüpfelchen. Am wichtigsten war, dass die Münchner durch die zeitgleiche Niederlage von Hannover (1:2 in Stuttgart) ihr Minimalziel erreicht haben: Platz drei und damit die Champions-League-Qualifikation ist ihnen nicht mehr zu nehmen. Und am letzten Spieltag dürfen sie sogar noch auf Platz zwei schielen.

„Nun fahre ich nach Hause, setzte mich mit einer schönen Tasse Kaffee auf die Couch und werde genießen, dass wir unser Minimalziel erreicht haben“, freute sich Andries Jonker nach dem dritten Sieg in seinem vierten Spiel als FCB-Chefcoach. Er habe nicht damit gerechnet, dass er seine Mission schon am vorletzten Spieltag erfüllt habe, sagte er. „Und vielleicht gibt es ja in der nächsten Woche noch etwas dazu.“

Ein Heimsieg im letzten Saisonspiel gegen Stuttgart und eine gleichzeitige Niederlage von Leverkusen in Freiburg - schon wäre das Sahnehäubchen für den Kaffee perfekt. „Wir werden wieder volle Kanne spielen und versuchen, nochmal Druck auf Leverkusen zu machen“, versprach Jonker, der sich einen erneuten Ausrutscher der Leverkusener durchaus vorstellen kann. „Jeder weiß: Es ist nicht so einfach, in Freiburg zu gewinnen.“

'Druck lastet auf Leverkusen'

„Es wäre sensationell, wenn wir noch Zweiter werden würden“, fiebert Philipp Lahm dem Fernduell mit der Werkself am letzten Spieltag entgegen. „Der Druck lastet nun auf Leverkusen.“ Die Bayern hingegen können in der Allianz Arena befreit aufspielen. „Es war wichtig für uns, dass im letzten Spiel nicht alles darauf ankommt. Wenn der Druck wächst, ist es nicht so leicht“, sagte der FCB-Kapitän, der sich freute, dass am Millerntor „endlich auch mal auswärts“ der Knoten geplatzt ist. „Die Spiele gegen Leverkusen, Schalke und heute - das ist der Anspruch des FC Bayern. Daran müssen wir uns in der nächsten Saison messen lassen.“

Aggressiv und effektiv nutzten die Münchner am Millerntor jeden Fehler der Gastgeber eiskalt aus und spielten sich in einen Torrausch. Drei Treffer von Mario Gomez (10., 52., 86.), je zwei von Arjen Robben (54., 83.) und Franck Ribéry (74., 88.) sowie ein Tor von Daniel van Buyten (32.) versöhnten den FCB am Millerntor einigermaßen mit dieser Saison. Nur den Ehrentreffer der Gastgeber durch Marcel Eger (78.) zum zwischenzeitlichen 1:5 ließ der Rekordmeister zu.

'Platz 3 war Pflicht'

Nach dem Schlusspfiff nahm Bastian Schweinsteiger St. Paulis Trainer Holger Stanislawski fast schon entschuldigend in den Arm. Der Chefcoach der Kiez-Kicker erlebte in seinem letzten Heimspiel am Millerntor die höchste Bundesliga-Niederlage seines Klubs, die gleichzeitig den Abstieg besiegelte. „Das Spiel war wie ein Stich ins Herz“, sagte der von den Fans gefeierte, aber sichtlich getroffene Stanislawski, der 18 Jahre lang am Millerntor tätig war und nächste Saison Hoffenheim betreuen wird.

Doch auf den Abschied des St. Pauli-Urgesteins konnte der FC Bayern keine Rücksicht nehmen. „Für uns war es Pflicht, Dritter zu werden“, sagte Gomez, „wir Spieler wollen Champions League spielen, der Verein braucht es, die Fans brauchen es, München braucht es und auch der deutsche Fußball braucht es, dass eine Mannschaft wie Bayern München in der Champions League spielt.“

Nächste Saison wieder Titelkampf

Auch Rummenigge war nach dem Schlusspfiff „froh, dass wir sicher Dritter sind“. Eine titellose Saison genüge zwar grundsätzlich nicht den Ansprüchen des FC Bayern, sagte der Vorstandschef des Rekordmeisters, „aber so, wie die Saison gelaufen ist, wäre Platz drei okay. Jetzt warten wir ab, ob noch etwas oben drauf kommt.“ In der neuen Saison wollen die Münchner dann wieder „vom ersten Spieltag ein Wörtchen um die Meisterschaft mitreden.“

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