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'So viele Tore wie möglich'

Gereifter Gomez will noch einmal treffen

Im Rückblick kann Mario Gomez ganz entspannt davon erzählen. Er kann sogar lächeln. Damals sah das noch ganz anders aus. Im Sommer 2010, als der Nationalstürmer in einem Gespräch vom Trainer mitgeteilt bekam, dass er nur eine Ersatzrolle spielen werde in der anstehenden Saison. Danach war Gomez entschlossen, sich ausleihen zu lassen. Es gab Gespräche mit dem FC Liverpool, die „schon recht weit fortgeschritten“ waren, wie Karl-Heinz Rummenigge später berichtete. Kurz vor Ende der Transferperiode verhinderten die Verantwortlichen beim FC Bayern den Wechsel aber doch noch.

Erst neun Monate ist das her und doch so weit weg. Denn es ist alles anders gekommen für Mario Gomez in der Saison 2010/11. „Es war so nicht vorherzusehen“, sagt er heute, zwei Tage vor dem letzten Saisonspiel, an dem er erstmals in seiner Karriere nach der Torjägerkanone greift. „Schön, dass ich dafür belohnt wurde, weiterzumachen. Heute bin ich sehr froh und glücklich, dass ich damals nicht für ein Jahr woanders hingegangen bin.“ Gomez hat in dieser Saison eine wichtige Lektion gelernt: „Das Wichtigste ist, nie aufzugeben.“

Es ist eine Saison der Superlative geworden für Mario Gomez, der seit dem siebten Spieltag Stammspieler ist. 27 Bundesligatore hat er auf dem Konto. So viele wie nie zuvor in seiner Karriere, so viele wie seit der Saison 1981/82 kein Deutscher mehr erzielt hat. Vor dem Saisonfinale am Samstag gegen Stuttgart kommt er auf insgesamt 38 Treffer in 44 Pflichtspielen, diese 38 Tore schoss er in den letzten 35 Spielen! Es besteht kein Zweifel, dass er die Saison als Torschützenkönig abschließen wird. Vor dem letzten Spiel hat er fünf Tore Vorsprung auf Freiburgs Papiss Demba Cissé.

'Eine große Entwicklung'

Wohin er seine Trophäe stellen wird, damit hat sich Gomez noch nicht beschäftigt. „Ich habe Wichtigeres zu tun“, sagt er, „das werde ich mir dann überlegen, wenn ich sie in den Händen halte. Vorher ist das kein Thema.“ Es scheint, als wolle der 25-Jährige dem Braten noch nicht so ganz trauen. Schon zweimal (2007/08, 2008/09) hatte er seine Hand nach der Kanone ausgestreckt, zweimal hat es nicht ganz gereicht.

Dass er jetzt die Trophäe so gut wie sicher hat, ist aber nur die Hälfte der Erfolgsgeschichte von Mario Gomez in der auslaufenden Saison. Genauso stolz kann er auf seine spielerische Reifung sein. Er habe „eine große Entwicklung“ durchgemacht, sagt er selbst. Er fühle sich „als Spieler kompletter“. In seinen sechs Jahren beim VfB habe er „an der Mittellinie gespielt und gekontert.“ Jetzt ist Gomez ein mitspielender Stürmer. Es gehe nicht nur darum „die Tore zu machen, sondern auch viel Platz zu schaffen für die anderen, den Ball aufzulegen, prallen zu lassen. Man braucht ein Gefühl dafür. Das braucht seine Zeit.“

'Noch nie eine Marke gesetzt'

Die Zeit des Mario Gomez ist jetzt gekommen. Das will er auch zum Saisonabschluss am Samstag gegen seinen Ex-Klub noch einmal zeigen. „Ich werde am Samstag versuchen, ein gutes Spiel abzuliefern“, kündigt er an, „ich weiß: Wenn ich gut spiele, wenn wir als Mannschaft gut spielen, dann werde ich auch wieder treffen.“ Gomez ist noch einmal torhungrig. „Ich habe mir noch nie Marken gesetzt, wollte noch nie irgendeine bestimmte Anzahl an Toren erzielen“, erzählt er, „immer so viele wie möglich - das ist auch das Motto für Samstag.“

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