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Jonker im Interview

'Jeden Tag sieht man eine Entwicklung'

Für die Profis hat die Vorbereitung gerade erst begonnen, Andries Jonker und die zweite Mannschaft hingegen haben schon drei Wochen Training in den Knochen. Am Donnerstag leitete der 48-Jährige die vorerst letzte Einheit seiner Mannschaft. Die kommenden zehn Tage sind trainingsfrei, erst am 11. Juli versammelt Jonker seine Spieler wieder um sich. Zum Abschluss der ersten Trainingsphase sprach der holländische Fußballlehrer mit fcbayern.de über die Arbeit der letzten Wochen, die Kaderplanung, den Regionalliga-Auftakt und die Zusammenarbeit mit Jupp Heynckes.

Das Interview mit Andries Jonker:

fcbayern.de: Herr Jonker, wie zufrieden sind Sie mit den ersten drei Trainingswochen?
Jonker: „Sehr zufrieden. Die Mannschaft hat sich so präsentiert, wie ich es mir erhoffe und auch erwarte. Es ist eine sehr junge Mannschaft, mit sehr ehrgeizigen Jungs, die jeden Tag hart trainieren. Es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Aber sie sind noch nicht jeden Tag spitze. Es gibt noch gute und schlechtere Momente.“

fcbayern.de: Woran müssen Ihre Spieler vor allem noch arbeiten?
Jonker: „Es ist eines der Kennzeichen des Nachwuchsfußballs, dass die Spieler noch nicht jeden Tag ihre Bestleistung abrufen können. Deswegen werden sie Talente genannt. Sie haben noch immer Momente oder Tage, an denen sie Fehler machen, an denen sie vergessen, etwas zu machen, an denen die Ausführung noch nicht gut ist. Sie müssen lernen, jeden Tag so nah wie möglich an ihr Optimum zu kommen.“

fcbayern.de: Was stand in den letzten Wochen im Mittelpunkt Ihrer Trainingsarbeit?
Jonker: „Die konditionelle Arbeit, aber gleich vom ersten Tag an mit Ball. Wir arbeiten dadurch auch gleichzeitig an den individuellen Fähigkeiten und an der Zusammenarbeit in der Mannschaft.“

fcbayern.de: Stellen Sie nach diesen ersten drei Trainingswochen schon eine Entwicklung bei Ihrer Mannschaft fest?
Jonker: „Wenn man mit begeisterten Jungs arbeitet, die versuchen, das auszuführen, was man von ihnen verlangt, dann sieht man jeden Tag eine Entwicklung. Man sieht, dass sie jeden Tag versuchen, sich zu verbessern. Und man sieht auch, dass sie die Spielidee immer besser verstehen und immer besser ausführen.“

fcbayern.de: Wie sieht Ihre Spielidee aus?
Jonker: „Wir sind beim FC Bayern München. Da reicht es nicht, nicht zu verlieren. Der FC Bayern muss jedes Spiel gewinnen, auch die zweite Mannschaft. Und wenn man gewinnen will, muss man Tore schießen. Dafür braucht man den Ball, man muss Angriffe ordentlich aufbauen können. Daran arbeiten wir. Die Spieler müssen lernen: Wenn ich bei Bayern München spiele, muss ich gewinnen. Weniger reicht nicht.“

fcbayern.de: Viele Spieler haben den FCB II verlassen, viele sind neu hinzugekommen. Stellen Sie schon fest, dass die Mannschaft zusammenwächst?
Jonker: „Am Anfang waren die Jungs natürlich fremde Gesichter füreinander, aber man sieht, dass sich das ganz normal entwickelt. Die Jungs begegnen sich jeden Tag, sprechen jeden Tag miteinander. Und unser Trainingslager im Juli wird in dieser Hinsicht sicherlich auch noch sehr hilfreich sein.“

fcbayern.de: Ist der Kader inzwischen komplett?
Jonker: „Noch nicht. Wir bemühen uns sehr, noch zwei, drei Spieler dazuzubekommen. Dann haben wir einen Kader zusammen, mit dem wir in die Saison gehen können.“

fcbayern.de: Es sind noch gut fünf Wochen bis zum ersten Spieltag. Haben Sie schon das Gerüst der Mannschaft im Kopf, die dann auflaufen wird?
Jonker: „Wenn man einige Wochen mit seinen Spielern arbeitet, dann hat man im Groben im Kopf, wie es aussehen könnte. Aber ich habe den Spielern auch gesagt: ‚In jedem Training, in jedem Testspiel kannst du zeigen, was du drauf hast. Es wird Entwicklungen geben von unten nach oben, aber auch von oben nach unten. Du musst kämpfen um deinen Platz.‘ Die Spieler werden jeden Tag miteinander verglichen. Jeden Tag ist für mich ganz klar, wer an diesem Tag die besseren Spieler sind. Aber bis zum ersten Spiel ist noch ein langer Weg zu gehen.“

fcbayern.de: Wenn man beim Training zusieht, scheinen Ihre Worte gut angekommen zu sein. Es geht hoch her.
Jonker: „Die Jungs trainieren mit 100 Prozent. Das fordere ich auch, weil ich finde, dass sie das machen müssen. Ich will, dass konzentriert und aggressiv trainiert wird, dass sie alles geben. Nur dann machen wir die größtmöglichen Fortschritte.“

fcbayern.de: Sie haben es bereits angesprochen: Der FC Bayern muss immer gewinnen. Wie schwer wird es, diesen Vorsatz in der Regionalliga umzusetzen?
Jonker: „Wir werden uns sehr bemühen, immer zu gewinnen. Aber niemand weiß genau, was uns in der Regionalliga erwartet. Es ist viele, viele Jahre her, dass die zweite Mannschaft des FC Bayern auf diesem Niveau gespielt hat. Wir müssen abwarten. Die Entwicklung der Mannschaft hat erst angefangen, es gibt viele Neuzugänge, viele ganz, ganz junge Spieler. Ich bin mir auch sicher, dass die Gegner gegen uns hochmotiviert sein werden - so wie ich es mit der ersten Mannschaft immer erlebt habe.“

fcbayern.de: Nach der ersten Trainingsphase hat Ihre Mannschaft nun zehn Tage Pause. Wie sollen Ihre Spieler diese Pause gestalten?
Jonker: „Jeder Spieler bekommt ein individuelles Programm. Sie dürfen nicht das wieder verlieren, was wir bisher aufgebaut haben. Ich habe das schon oft so gemacht und es hat immer sehr gut funktioniert. Ich bin überzeugt, dass die Spieler mitmachen werden. Sie werden wahrscheinlich eher zu viel machen als zu wenig.“

fcbayern.de: Mittlerweile hat auch die erste Mannschaft das Training aufgenommen. Hatten Sie schon ein Gespräch mit Jupp Heynckes?
Jonker: „Wir haben einige Male kurz gesprochen, in einer sehr positiven Atmosphäre und, was mich sehr gefreut hat, sehr offen und sehr vertrauensvoll. Es ist gleich zur Sache gegangen. Das gibt mir ein gutes Gefühl.“

fcbayern.de: Wie wird die Zusammenarbeit zwischen erster und zweiter Mannschaft aussehen?
Jonker: „Wir stehen zur Verfügung. Oberstes Ziel ist es, dass die erste Mannschaft ihre Ziele erreicht: Meisterschaft, Pokalsieg, so weit wie möglich zu kommen in der Champions League. Wir in der zweiten Mannschaft werden alles machen, um Jupp Heynckes zu helfen. Wenn er Spieler braucht, dann werde ich ihm die besten Spieler schicken. Es geht um die erste Mannschaft. Da ist die zweite Mannschaft Nebensache.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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