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Engagement für Kids

Müller wird Botschafter von 'YoungWings'

Ein kleiner Stolperer, dann war der Ball wieder sein Freund. Nach nicht einmal zwei Wochen Urlaub kehrte Thomas Müller am Montag auf den Trainingsplatz zurück. Er dribbelte, passte und stellte sich sogar ins Tor. Es war aber kein Frühstart in die neue Saison, sondern der Anpfiff für ein besonderes Engagement des WM-Torschützenkönigs: Thomas Müller ist neuer Botschafter von YoungWings, einer Online-Plattform für trauernde und traumatisierte Kinder und Jugendliche. Mit 20 betroffenen Kids tobte Müller daher am Montag über einen der Nebenplätze an der Säbener Straße.

„Mädels gegen Jungs, 1:1 - es war eine spannende Kiste“, sagte er anschließend, „ich glaube, es hat den Kids Spaß gemacht - das ist am wichtigsten. Mir hat es auch Spaß gemacht.“ Ein Blick in die Gesichter seiner Mitspieler ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, dass die Freude beiderseitig war. „Für die Kinder ist es toll, Thomas mal zu treffen und zu wissen: Er nimmt meine Situation wahr und transportiert es auch nach außen“, sagte Martina Münch-Nicolaidis, die Gründerin der Nicolaidis-Stiftung, die das Projekt YoungWings ins Leben gerufen hat.

Es wird daher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Müller betroffene Kinder und Jugendliche trifft. „Es ist wichtig, dass sie mich nicht nur in der Zeitung sehen, sondern auch mal live. Dass sie mich mal treffen und sich mit mir unterhalten können“, sagte der 21-Jährige, der sich ganz bewusst für dieses Engagement entschieden hat. „Ich hatte viele Anfragen seit der WM. Aber ich wollte keinen Schnellschuss. Man muss hinter dem Projekt stehen und das tue ich.“

'Mich haben die Schicksale sehr berührt'

Müller selbst musste nie den Verlust eines Elternteils, eines nahestehenden Angehörigen oder eines Freundes erleben, „Gott sei Dank“, wie er sagte. YoungWings hat aber dennoch sein Interesse geweckt. „Mich haben die Schicksale der betreuten Kinder und Jugendlichen sehr berührt“, erzählte er, „es sind eine Million Kinder und Jugendliche in Deutschland, die dieses gravierende Problem haben, dass sie ein Elternteil oder sogar beide verloren haben.“ Mit seinem Engagement wolle er dazu beitragen, die Problematik noch mehr in die Öffentlichkeit zu transportieren. „Ich hoffe, dass das jetzt durch meine Bekanntheit viele Menschen mitbekommen.“

Das wünscht sich auch Münch-Nicolaidis, die sich „wahnsinnig glücklich“ zeigte, „dass wir Thomas gewinnen konnten. Besser geht's nicht.“ Unter www.youngwings.de bietet die Nicolaidis-Stiftung betroffenen Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 21 Jahren eine Anlaufstelle. In einem Forum und geführten Chat können sich die Kids anonym untereinander austauschen, geschulte Pädagogen stehen zudem für Einzelberatungen zur Verfügung. Und zwar sieben Tage die Woche, rund um die Uhr.

'Man kann einfach reden'

„Die Kinder wissen nicht, wohin mit ihren Sorgen und Ängsten“, berichtete Münch-Nicolaidis. „Für uns Kinder ist es sehr schwer, mit diesem Thema zurechtzukommen“, erzählte die 14 Jahre alte Lisa, die ihren Vater verloren hat. Sie betonte, wie hilfreich es sei, über die Online-Plattform Kontakt mit ebenfalls Betroffenen aufnehmen zu können. „Man kann einfach darüber reden, wie es einem geht.“

Thomas Müller glaubt zudem, dass Sport ein Mittel sein kann, um den Verlust zu verarbeiten. „Ich denke schon, dass Sport über so eine Sache etwas hinweghilft. Sport macht den Kopf ein bisschen frei“, sagte der FCB-Profi und appellierte: „Es ist wichtig, dass man immer an sich glaubt, seinen Kampfgeist nicht verliert und Hilfe bei anderen sucht.“ So wie es auch in einer Fußball-Mannschaft gelebt wird. Doch an den Alltag als Fußball-Profi will Müller jetzt noch nicht denken. Noch liegen zehn Tage Urlaub vor ihm.

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