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'Eigentlich bin ich ruhig'

'Sauhund' Rafinha wie Elber auf Titeljagd

Eigentlich ist Marcio Rafael Ferreira de Souza ja ein ganz Lieber. Vor jedem Spiel, selbst vor Freundschaftsspielen, ruft er seine Mutter Odete in Brasilien an („Sie gibt mir Kraft.“); und in München sucht der Musikliebhaber und Percussion-Spieler aktuell ein Haus, in dem er den Nachbarn nicht auf die Nerven, oder besser gesagt Ohren, geht („Ich mag es, Musik laut zu hören. Deswegen ist es besser, wenn die Nachbarn nicht zu nah sind.“). Doch wehe, er betritt den Rasen. „Auf dem Platz bin ich ganz anders“, sagt er selbst.

Dann ist Rafinha, wie der 25-Jährige kurz und knapp gerufen wird, das, was die Zeitungen einen „Giftzwerg“ nennen. Oder ein „Sauhund“, wie Jupp Heynckes seinen 1,71 Meter kleinen Außenverteidiger voller Wertschätzung bezeichnete. „Rafinha war immer ein unbequemer Spieler für den Gegner, sehr laufstark, er marschiert auf der rechten Seite rauf und runter“, sagte der FCB-Chefcoach.

Sauhund? Rafinha selbst hält das für „ein gutes Wort“, um ihn als Fußballer zu beschreiben. „Das ist mein Spielstil. Ich bin aggressiv und klein - ich glaube, das hat der Trainer gemeint.“ Er sei einer jener Spieler, die sich schon mal mit dem Gegner oder dem Schiedsrichter zoffen. „Ich versuche immer, alles für meine Mannschaft zu machen. Aber eigentlich bin ich ganz ruhig, es ist kein Problem, mit mir zu reden.“

Letzteres ist auch Heynckes zu Ohren gekommen. „Was ich von Manuel Neuer und auch von anderen Schalke-Spielern gehört habe, war er sehr diszipliniert und sozial gut integriert“, lobte der FCB-Chefcoach den ehemaligen Schalker, der vor wenigen Wochen einen Dreijahresvertrag beim deutschen Rekordmeister unterschrieben hat.

13 statt 18

„Bayern München war schon immer mein Traum. Jetzt bin ich hier“, sagte Rafinha, als er sich an seinem zweiten Trainingstag in München vor der Presse präsentierte. Schon vor zwei Jahren habe es Kontakt zum FC Bayern gegeben, erzählte er. „Aber ein Wechsel von Schalke nach Bayern war kompliziert. Gott sei Dank hat es diesmal geklappt.“

Nach fünf Jahren in Gelsenkirchen und einem in Genua ist der Brasilianer jetzt beim deutschen Rekordmeister angekommen. Mit der Rückennummer 13 soll er auf der rechten Abwehrseite für „zusätzliche Stabilität“ (Christian Nerlinger) sorgen. Eigentlich wollte Rafinha mit einer anderen Nummer auflaufen: der 18. Doch die war, als er seinen Vertrag unterschrieb, noch von Miroslav Klose besetzt. Also wählte er die 13. „Die Nummer 13 ist auch gut. Damit habe ich in der Nationalmannschaft gespielt“, erzählte er.

Wiedersehen mit Manuel Neuer

Die 13 soll ihm jetzt Glück bringen beim FC Bayern. Erst will er sich einen Stammplatz erkämpfen, dann natürlich Titel gewinnen und irgendwann ins brasilianische Nationalteam zurückkehren. Erst ein Spiel hat er für die Seleção bislang bestritten (im März 2008). Aber der Gedanke an ein mögliches Comeback spielt im Moment nur eine untergeordnete Rolle für Rafinha. „Ich muss mich jetzt auf Bayern konzentrieren. Ich hoffe, dass ich dann automatisch wieder für die Nationalmannschaft spiele.“

Nach den ersten Trainingseinheiten in München habe er „ein schönes Gefühl. Das erste Training, der erste Kontakt mit meinen Kollegen, mit dem Trainer und allen hier beim FC Bayern war sehr gut.“ Dass mit Luiz Gustavo, Breno und Fitnesscoach Marcelo Martins drei weitere Brasilianer zum Team gehören, erleichtere ihm den Start zusätzlich. Und mit Manuel Neuer komme „ein Freund“ aus Schalker Tagen. „Ich freue mich, dass wir wieder zusammenspielen.“

Vorbild Elber

Einen anderen Freund und Ex-Bayern hat sich Rafinha zum Vorbild für seine Zeit in München genommen: Giovane Elber. „Giovane hat es beim FC Bayern gut gemacht, ich hoffe, dass ich es hier auch gut mache“, erzählte Rafinha, der wie Elber aus der 500.000-Einwohner-Stadt Londrina stammt. „Er ist ein guter Freund von mir und hat mir erzählt, wie Bayern München funktioniert.“

Bei Elbers Erzählungen hat Rafinha offenbar gut zugehört. „Bayern muss immer gewinnen und Titel holen“, weiß er und demonstrierte auch gleich bayerisches Selbstbewusstsein: „Natürlich gibt es in der Bundesliga noch andere sehr gute Mannschaften. Aber wir müssen auf uns schauen.“ Also: Mia san mia!

Schüchtern, klein und schmächtig

„Ich denke, dass er ein guter Spieler für uns auf der rechten Seite sein wird“, ist Heynckes von Rafinhas Qualitäten überzeugt. „Ich versuche immer, vor dem Gegner an den Ball zu kommen“, erzählte der 1,71 Meter kleine Brasilianer, wie er sich gegen körperlich meist robustere Gegenspieler durchsetzt. „Hier in Deutschland gibt es nur so große Spieler“, sagte er und warf einen schüchternen Blick zur Decke des Mediencenters. Soll heißen: ich klein und schmächtig, Gegner groß und kräftig. Doch man darf sich nicht täuschen lassen: Wehe er betritt den Rasen!

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