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Brazzo im Interview

'Ich bin noch immer keine Schlaftablette'

Er ist wieder da. Nach vier Jahren bei Juventus Turin ist Hasan Salihamidzic zurück in der Bundesliga. Am Samstag kommt es zum Wiedersehen mit dem FC Bayern, für den Brazzo neun Jahre lang (1998 - 2007) aktiv war und dabei sechs Mal die Meisterschaft, vier Mal den DFB-Pokal, sowie je einmal die Champions League und den Weltpokal gewann.

Im Juli unterschrieb der „halbe Münchner“, wie er sich selbst bezeichnete, beim VfL Wolfsburg, wo er mit Felix Magath auf den Trainer trifft, der ihn einst beim Hamburger SV zum Profi machte und unter dem er bereits in München trainierte. Mit fcbayern.de sprach er über die Arbeit mit Magath, seine Vorfreude auf das Spiel gegen Bayern und darüber, dass er mit inzwischen 34 Jahren immer noch keine Schlaftablette ist.

Das Interview mit Hasan Salihamidzic:

fcbayern.de: Hallo Brazzo, am Samstag kommt es zum Wiedersehen mit dem FC Bayern. Glühen bei Dir im Moment die Drähte nach München?
Salihamidzic: „Ich habe neun Jahre für Bayern gespielt, bin sozusagen ein halber Münchner, deswegen ist es ein ganz besonderes Spiel für mich. Ich freue mich riesig. Aber ich habe noch nicht mit den Jungs in München gesprochen, es wurden auch keine Wetten abgeschlossen. Die Jungs waren ja bei der Nationalmannschaft und hatten etwas anderes zu tun. Und so viele sind eh nicht mehr übrig geblieben, nur Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Daniel van Buyten. Die Physiotherapeuten Fredi Binder und Gerry Hoffmann sind langjährige Freunde von mir. Wir sehen uns dann am Samstag.“

fcbayern.de: Viele ehemalige FCB-Profis arbeiten an der Säbener Straße. Ist das auch für Dich irgendwann vorstellbar?
Salihamidzic: „Ich werde nach meiner Karriere auf jeden Fall nach München zurückkehren. Ich habe dort ein Haus, meine Kinder sind in München geboren. Was, wie und wo ich arbeiten werde, darüber habe ich mir aber noch keine Gedanken gemacht. Ich will erstmal Fußball spielen. Und dann schaun mer mal.“

fcbayern.de: Die Bayern haben zum Ligastart verloren. Macht sie das jetzt zu einem besonders gefährlichen Gegner?
Salihamidzic: „Ob es ein Vor- oder ein Nachteil ist, dass Bayern verloren hat, kann ich erst nach dem Spiel sagen. Das interessiert mich auch nicht. Mich interessiert der VfL Wolfsburg. Dass wir entschlossen auf den Platz gehen. Dass wir ein gutes Spiel machen.“

fcbayern.de: Was könnt Ihr Euch von Mönchengladbach für das Spiel gegen Bayern abkucken?
Salihamidzic: „Wenn wir so ein Spiel machen würden wie die Gladbacher, dann würde mir das reichen. Die sind kompakt gestanden, haben zusammen verteidigt. Dass Bayern ein, zwei Chancen bekommt, ist ganz normal. Wir werden auf jeden Fall aggressiv sein und alles dafür tun, dass die Bayern nicht zu ihrem Spiel finden. Jeder von uns muss mehr als 100 Prozent abrufen.“

fcbayern.de: Du arbeitest jetzt zum dritten Mal mit Felix Magath zusammen, der für sein hartes Training bekannt ist. Manche fragen sich: Warum tut sich der Brazzo das an?
Salihamidzic: „Weil ich den Fußball liebe. Weil ich gerne arbeite. Weil ich gerne viel arbeite. Da macht mir auch so ein Training nichts aus. Es werden Sachen verlangt, die jedem Profi gut zu Gesicht stehen. Und ehrlich gesagt: Wir hatten eine gute, harte Vorbereitung, das braucht man auch - aber in den letzten zwei Wochen war das Training absolut okay. Ich spiele einfach viel zu gerne Fußball, um mir darüber Gedanken zu machen, ob ich jetzt eine Stunde mehr oder weniger am Tag trainiere. Das ist mir komplett wurscht.“

fcbayern.de: Fühlt sich ein Training bei Felix Magath mit 34 Jahren anders an als damals mit 17?
Salihamidzic: „Sagen wir mal so: Ab und zu muss man sich nach einer harten Einheit vielleicht ein bisschen mehr pflegen lassen. Aber man hält alles ganz gut durch. Am wichtigsten ist es, mit einer positiven Einstellung hinzugehen.“

fcbayern.de: Wie hat sich Felix Magath seit Eurer ersten Zusammenarbeit verändert?
Salihamidzic: „Der Trainer hat sich natürlich weiterentwickelt. Vor 17 Jahren in Hamburg hat er wenig gesprochen, wenig Späßchen gemacht, und das ist schon milde ausgedrückt. Heute ist er ganz anders. Er geht auf die Mannschaft zu, hat für jeden ein offenes Ohr. Was die Arbeit auf dem Platz betrifft, wird Felix Magath natürlich immer Felix Magath bleiben.“

fcbayern.de: Du scheinst unter Feuer zu stehen wie eh und je. Stefan Effenberg hat einmal gesagt: „Brazzo schläft mit einem Finger in der Steckdose.“ Bist Du mit 34 Jahren nicht ruhiger geworden?
Salihamidzic: „Ein bisschen schon. Aber eine Schlaftablette bin ich immer noch nicht. Das werde ich auch nie sein.“


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