präsentiert von
Menü
Emotionale Woche

Luiz Gustavo trotzt allen Widerständen

Für Luiz Gustavo kam es knüppeldick. Gerade einmal sieben Minuten waren im Bundesligaspiel beim VfL Wolfsburg vergangen, da traf ihn ein Befreiungsschlag von Landsmann Rafinha aus nächster Nähe voll im Gesicht. Wie ein angeschlagener Boxer nach einer Geraden von Vitali Klitschko torkelte Gustavo, ging zu Boden und schien dem K.o. nahe. Doch nach kurzer Behandlungspause erholte er sich wieder und spielte weiter, als sei nichts geschehen.

In der zweiten Halbzeit erwischte es den Dauerläufer im Bayern-Mittelfeld erneut, als er sich einem Torschuss des Wolfsburgers Hasebe entgegen warf, diesen mit dem Hinterkopf zur Ecke lenkte und damit einen möglichen Führungstreffer der Gastgeber verhinderte. Die vielleicht größte Kraftprobe kam aber in der 91. Minute auf ihn zu. Gerade hatte er mit der linken Innenseite den Siegtreffer für die Bayern erzielt, da fand er sich auch schon unter einer Traube von acht überschwänglich jubelnden FCB-Profis wieder.

„Das zeichnet unsere Mannschaft aus. Jeder will dem anderen helfen, deshalb war dieser Jubel auch so glücklich“, meinte Gustavo, der auf die emotional vielleicht bewegendste Woche seiner Karriere zurückblickt. Erst die Auftaktniederlage des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach, dann das Länderspieldebüt am vergangenen Mittwoch im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft gegen Deutschland, und schließlich der viel umjubelte Treffer zum knappen 1:0-Erfolg des FCB in Wolfsburg.

„Das war eine schwierige Situation, es war die letzte Chance für uns“, beschrieb der 24-Jährige die Szene vor seinem goldenen Tor beim VfL Wolfsburg. „Franck hat das sehr gut gemacht, er hat den Ball sehr gut abgelegt und ich hatte das Glück, das Tor zu machen. Der Sieg war sehr wichtig für uns“, freute sich der Matchwinner aus Sicht des FC Bayern über den ersten Saisonsieg des Rekordmeisters.

Beste Passquote aller Startspieler

Nicht nur wegen seines erst zweiten Pflichtspieltreffers für die Bayern war Gustavo einer der auffälligsten Akteure in Wolfsburg. An der Seite von Bastian Schweinsteiger leistete er im defensiven Mittelfeld Schwerstarbeit, um gegen den Meister von 2009 Schlimmeres zu verhindern. „Defensiv hat er sehr gut agiert, viele Zweikämpfe gewonnen und viele Ballgewinne gehabt“, hatte ihn Trainer Jupp Heynckes schon nach dem Gladbach-Spiel gelobt.

In Wolfsburg konnte er an diese starke Leistung nahtlos anknüpfen. Beachtliche 68 Prozent gewonnene Zweikämpfe standen am Ende für Luiz Gustavo zu Buche, dazu vier gewonnene Kopfballduelle (von fünf), fünf erfolgreiche Tacklings und mit knapp 89 Prozent angekommener Pässe die beste Quote aller elf Bayern in der Startformation. Luiz Gustavo ließ auf seiner Lieblingsposition fast nichts anbrennen.

Die meisten Torschüsse

Ganz nebenbei fand der Jungnationalspieler noch genug Gelegenheiten, sich ins Angriffsspiel der Münchner einzuschalten. Neben Toni Kroos gab Gustavo die meisten Torschüsse (je 3) auf das Gehäuse der Wolfsburger ab. Dass nach zwei glücklosen Versuchen ausgerechnet sein letzter Torschuss nach dem Ende der regulären Spielzeit den wichtigen Sieg sicherte, machte ihn nur „umso glücklicher.

„Man muss immer bis zur letzten Minute daran glauben, das Spiel gewinnen zu können“, sagte Gustavo ganz in Bayern-Manier, „eine gute Mannschaft muss auch ein bisschen Glück haben.“ Nach dieser für ihn ereignisreichen Woche dürfte sich Luiz Gustavo durchaus als Glückskind bezeichnen. Das bisschen Kopfweh sollte er dabei leicht verschmerzen können.

Weitere Inhalte