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Jörg Butt im Interview

'Wir müssen dahin kommen, wo wir 2010 waren'

Er ist der Senior im Kader des FC Bayern, doch mit 37 Jahren brennt in ihm immer noch ein Feuer. Das merkt man, wenn man mit Jörg Butt über seine 16. und letzte Profi-Saison spricht. Er wolle noch einmal Titel holen, und zwar „möglichst viele“, erzählte er fcbayern.de. Der Torwart, der dem FC Bayern nach seiner aktiven Karriere als Jugendkoordinator treu bleiben wird, sprach unter anderem über die Auftaktniederlage gegen Mönchengladbach, das Auswärtsspiel in Wolfsburg, seine Rolle in der Mannschaft und seinen Abschied vom Profifußball.

Das Interview mit Jörg Butt:

fcbayern.de: Jörg, wusstest Du, dass Du in Deiner 16. Profi-Saison jetzt zum ersten Mal zum Ligastart verloren hast?
Butt: „Ich wusste nur, dass ich bis vorigen Samstag noch nie gegen Gladbach verloren hatte.“

fcbayern.de: Wie groß ist die Enttäuschung über die Auftaktniederlage noch bei Dir?
Butt: „Ich bin schon noch sehr enttäuscht. Wir hatten zum Auftakt ein Heimspiel gegen einen Gegner, der in der letzten Saison gerade so eben noch in der Liga geblieben ist. Unser Saisonziel haben wir klar formuliert. Aber um deutscher Meister zu werden, muss man seine Heimspiele fast alle gewinnen. Insofern war das schon ein großer Dämpfer.“

fcbayern.de: Was habt Ihr am Samstag gegen Gladbach falsch gemacht?
Butt: „Man kann jetzt nicht sagen, dass die Gladbacher uns das Leben schwer gemacht hätten. Das Spiel lief so, wie es vorher zu erwarten gewesen war - und wir müssen uns dessen bewusst sein, dass von den insgesamt 17 gegnerischen Mannschaften in der Bundesliga mindestens 15 genau so agieren werden. Daher müssen wir uns Gedanken machen, wie wir solch defensiv eingestellten Mannschaften überwinden können. Es gehört ein Tick mehr Entschlossenheit dazu, in allen Aktionen, sowohl vorne als auch hinten.“

fcbayern.de: Manuel Neuer hat das Gegentor sofort auf seine Kappe genommen. Wie hast Du die Situation gesehen?
Butt: „Nach so einem Spiel brauchen wir nicht über eine einzelne Aktion im Spiel sprechen. Denn wir haben das Spiel nicht mit einer Aktion verloren. Fehler passieren immer, und wir haben gegen Gladbach nicht nur in dieser Aktion einen Fehler gemacht. Wir haben es weder geschafft hinten zu null zu spielen noch vorne ein Tor zu schießen. Dafür sind alle Spieler mitverantwortlich.“

fcbayern.de: Wir schwierig ist so eine Situation wie beim Gegentor grundsätzlich für einen Torhüter?
Butt: „Viele meinen, ein Torwart ist dann gut, wenn er auf der Linie die Bälle aus dem Winkel fischt. Das sind aber oft die einfacheren Situationen. Viel schwieriger ist es einzuschätzen, wann du bei einem Pass in die Tiefe rauskommen musst. Als Torhüter von Gladbach wirst du solche Situationen fast nie haben, weil die mit zwei Viererketten direkt vor dem eigenen Sechzehner spielen. Bei Bayern München ist das ganz anders. Wir spielen häufig mit beiden Innenverteidigern an der Mittellinie, da muss der Torhüter quasi die komplette eigene Hälfte mitverteidigen. Und dann heißt es: Wenn ein Torhüter rauskommt, muss er den Ball haben. So einfach ist das nicht. Dann kann ich auch sagen: Wenn ein Stürmer die Chance hat, muss er ihn reinmachen.“

fcbayern.de: Die nächste Aufgabe heißt Wolfsburg. Ist es jetzt umso schwerer, dorthin zu fahren?
Butt: „Wir müssen in der Bundesliga jedes Spiel gewinnen, wir haben in allen 34 Spielen Druck. Aber natürlich ist der Druck jetzt noch ein bisschen größer. Wir müssen einfach dahin kommen, wo wir 2010 waren, als wir ins Champions-League-Finale eingezogen sind. Da hat man auch von außen gespürt, dass ein Kollektiv auf dem Platz steht, dass jeder für den anderen kämpft, dass nicht nur der Trainer versucht, Lösungen zu finden. Denn auch als Mannschaft kann man Dinge wie zum Beispiel Standardsituationen besprechen.“

fcbayern.de: Sprichst Du als erfahrener Spieler solche Dinge aktiv an?
Butt: „Solche Gespräche ergeben sich. Die meisten Jungs sind ja wesentlich jünger als ich. Trotzdem sind viele schon sehr erfahren und entwickeln sich immer weiter in dem Sinne, dass sie erkennen: Es reicht nicht, nur zum Training zu gehen und sich vom Trainer alles vorgeben zu lassen. Man muss auch mal selbst aktiv werden und die Initiative ergreifen. Das machen schon viele bei uns, aber man entwickelt sich natürlich im Laufe der Zeit immer weiter in solche Führungsrollen hinein.“

fcbayern.de: In den letzten drei Jahren hast meistens Du im Tor des FC Bayern gestanden. Jetzt ist Manuel Neuer die klare Nummer eins, Du bist die Nummer zwei. Wie schwer fällt Dir das?
Butt: „Bei Torhütern wird immer von Nummer eins und Nummer zwei gesprochen. Es geht aber nicht darum, am Anfang der Saison festzulegen, wer möglichst viele Spiele machen wird. Es geht darum, am Ende der Saison als Verein möglichst viele Titel zu haben. Dabei will ich der Mannschaft helfen. Wenn ich Wert darauf legen würde, noch einmal auf Teufel komm raus alle Spiele machen zu wollen, dann hätte ich im Sommer woanders hingehen können. Aber für mich gibt es in vielerlei Hinsicht keinen besseren Klub als den FC Bayern. Es ist ja auch bekannt, dass ich nach der Karriere im Verein bleiben werde.“

fcbayern.de: Ist nach dieser Saison tatsächlich Schluss?
Butt: „Ja, ich gehe davon aus. Auch wenn man im Fußball nie etwas ausschließen kann.“

fcbayern.de: Hast Du Dir irgendetwas für Dein letztes Profijahr vorgenommen? Eine bestimmte Zahl an Einsätzen oder ein Tor etwa?
Butt: „Nein, mir geht es nicht mehr darum, meine statistischen Werte aufzubessern. Wie gesagt, ich hätte jetzt noch einmal den Verein wechseln und irgendwo im Bundesliga-Mittelfeld spielen können. Das bringt mir aber nichts mehr. Es geht mir darum, so lang wie möglich auf höchstem Niveau aktiv zu sein, noch einmal Titel zu holen. Diese Möglichkeiten habe ich hier beim FC Bayern. Es macht mir Spaß, jetzt noch einmal auf Titeljagd zu gehen. Letzte Saison haben wir keinen Titel geholt. Ich bin davon überzeugt, dass diese Saison wesentlich erfolgreicher wird.“

fcbayern.de: Wie ist es eigentlich als Senior der Mannschaft: Trauen sich die Jungspunde, auch mal auf Deine Kosten einen Spruch zu machen?
Butt: „Das gehört dazu. Und das ist auch das, was man wahrscheinlich als erstes vermissen wird, wenn man aufgehört hat. Dieser Kabinengespräche, dieser Flachs, diese Atmosphäre innerhalb der Mannschaft. Spaß gehört dazu.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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