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Runder Geburtstag

Bayern-Legende Paul Breitner wird 60

In seiner aktiven Zeit galt Paul Breitner als Querkopf oder Revoluzzer - selbst was anfangen kann der Weltmeister von 1974 mit den Charakterisierungen von damals heute nicht. „Niemand weiß, was das eigentlich bedeuten soll. Es gibt immer wieder so dümmliche Floskeln. Das steht irgendwo im Raum und da sag' ich, was versteht man darunter? Warum ordnet man einen so ein? Das ist eine zerlatschte Floskel“, sagte Breitner, der am Montag seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. „Ich habe 60 Jahre auf dem Buckel - und möchte auch nicht mehr wie ein 20-Jähriger sein.“

Am 5. September 1951 wurde Breitner im bayerischen Kolbermoor geboren, in 285 Bundesliga Spielen (93 Tore) schwang er sich zu einem der ganz Großen im deutschen Fußball auf. Weltmeister 1974 („der absolute Höhepunkt“) - auch dank seines Elfmetertores im Finale gegen Holland (2:1) zum zwischenzeitlichen Ausgleich. „Ich war für den Elfmeter nicht vorgesehen, ich stand aber als nächster am Ball“, bekannte der damalige Torschütze hinterher.

Zudem wurde Breitner Europameister 1972, Europapokalsieger 1974, Meister und Pokalsieger in Deutschland, Meister und Pokalsieger in Spanien, Fußballer des Jahres - eigentlich gibt es nichts, was er nicht gewonnen hat. Der heute 60-Jährige stand allerdings nicht nur wegen der Erfolge im Fokus, sondern auch weil er anders war. Breitner eckte an, machte „Theater“, wie er heute selber sagt. „Ich habe die Leute bewusst in eine Situation gebracht, dass sie mich katalogisiert und glaubten, erkannt zu haben“, sagte der Vater dreier Kinder.

„Ich habe ein großes Ziel gehabt, als ich beim FC Bayern 1970 anfing: Ich habe mir gesagt, egal wie lange ich hier bin, ich werde nicht greifbar sein.“ Typen wie es Breitner einst war, sterben in der Bundesliga aus. Oder sind es schon längst. „Die sind nicht mehr zeitgemäß“, meinte der 60-Jährige. „Wir haben heute ein Miteinander, das es jedem jungen Menschen wahnsinnig schwer macht, sich zu einem echten Typen mit Ecken und Kanten zu entwickeln. Die Gesellschaft fordert sie zwar immer ein, aber will eigentlich keine Ausreißer.“

Rolle beim FCB 'macht viel Freude'

Nach dem Ende der Karriere mit Stationen beim FC Bayern, Real Madrid und Eintracht Braunschweig schaltete Breitner ein paar Jahre komplett ab, hatte nicht einmal mehr Interesse an der Bundesliga. „Das braucht man zwischendurch, ein, zwei Jahre, die man so wenig mit diesem runden Ding zu tun hat“, betonte der 48-malige Nationalspieler. Mittlerweile hat er den Fußball so in seinem Leben integriert, dass dieser einen wichtigen Platz habe, aber ihn selbst nicht einschränke.

„Die Rolle hier beim FC Bayern macht mir sehr viel Freude“, sagte Breitner. Beim deutschen Rekordmeister arbeitet er derzeit als Markenbotschafter. Zudem ist Breitner UEFA-Botschafter für das Champions-League-Finale 2012 in der Allianz Arena. Und auch auf dem Platz sorgt er immer noch das ein oder andere Mal für Furore. Im FC Bayern-Allstars-Team kickt er an der Seite von Klaus Augenthaler oder Andreas Brehme.

Kein Bundesliga-Trainer Breitner

Ob ihn ein höherer Posten beim FC Bayern nicht reizen würde? Da wartet Breitner nicht einmal das Ende der Frage ab. „Das wollte ich nie“, betonte er. „Das ist ja auch etwas, was Millionen Menschen nicht kapiert haben, warum es mich 23 Jahre nicht zum FC Bayern gezogen hat. Ich wollte ein anderes Leben führen und das ließ sich nicht mit einem Job im Tagesgeschäft vereinbaren.“

Deshalb, und weil er keine Chance, sah etwas zu verändern, gab es auch keinen Bundesliga-Trainer Paul Breitner. Aber an der Spitze des Nationalteams sah er sich nach der WM-Enttäuschung 1998 „zu Zeiten des schlimmsten Rumpelfußballs“ und einem Gespräch mit dem DFB-Präsidenten Egidius Braun schon. „Ich habe mich 17 Stunden als Teamchef gefühlt“, sagte Breitner, „aber ich habe ihm gesagt, dass er mich nicht durchbringen würde beim Präsidium, weil zu viele Leute dort vor mir Angst haben“.

Ohne Angst, sondern mit Freude blickt Breitner auf das Jahr 1974 zurück. Neben dem WM-Finale ist dem Ex-Bayern-Profi besonders eine Partie in Erinnerung geblieben: Das Europacup-Finale gegen Atletico Madrid, das die Münchner im Wiederholungsspiel für sich entschieden. „Dieses 4:0 nach dem 1:1 ist ganz weit vorn in den Rangliste der größten Erinnerungen“, sagte Breitner. Und: „Ein Spiel mit Real Madrid im Viertelfinale gegen Derby County. Da haben wir das Hinspiel 1:4 verloren und das Rückspiel 5:1 gewonnen vor mindestens 170.000 Leuten im Bernabeu. 120 Minuten Emotionen und Atmosphäre. Das hat einen getragen“, blickt Breitner zurück. Man merkt: Er ist immer noch mit Herz und Seele dabei.

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