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Stefan Wessels im Interview

'El Madrigal ist ein kleiner Hexenkessel'

Er war die größte Hürde für den FC Villarreal auf dem Weg in die Gruppenphase der Champions League: Stefan Wessels. Der ehemalige FCB-Profi hielt vor ein paar Wochen im Playoff-Duell 139 Minuten lang die Null im Tor des dänischen Vizemeisters Odense BK. Am Ende gewann Villarreal das Rückspiel dann aber doch mit 3:0 und zog trotz der 0:1-Hinspielniederlage in die Hauptrunde ein.

Jetzt sind die Spanier einer der Gegner des FC Bayern in Gruppe A. Am Mittwoch tritt der deutsche Rekordmeister im Estadio El Madrigal an. Vorher sprach fcbayern.de mit dem inzwischen 32-jährigen Wessels, dessen Karriere einst beim FC Bayern begann. Was erwartet den deutschen Rekordmeister in Villarreal? Wo liegen die Stärken und Schwächen der Spanier? Und was traut er dem FC Bayern im Estadio El Madrigal zu?

Das Interview mit Stefan Wessels:

fcbayern.de: Hallo Stefan! Wenn Ihr Euch gegen Villarreal durchgesetzt hättet, würdest Du vielleicht am Mittwoch gegen Bayern spielen. Wie groß ist noch Dein Ärger über die verpasste Qualifikation?
Wessels: „Ich glaube, wir wären bei der Auslosung in einem anderen Topf gewesen als Villarreal. Aber natürlich wäre es schön gewesen, die Qualifikation zu schaffen. Uns hatte keiner auf der Rechnung. Dann sind wir gegen Panathinaikos weitergekommen, gewinnen das Hinspiel gegen Villarreal mit 1:0 und halten im Rückspiel in Spanien zur Halbzeit das 0:0. Wenn man kurz vor der Qualifikation steht, ist es umso ärgerlicher, doch noch auszuscheiden. Aber man muss ehrlich sagen, dass Villarreal speziell im Rückspiel viel besser war als wir. Ich glaube, das Torschussverhältnis lautete 27:1.“

fcbayern.de: Was für ein Gegner erwartet den FC Bayern am Mittwoch?
Wessels: „Villarreal ist eine typisch spanische Mannschaft. Sie sind sehr spielstark, wollen den Gegner mit eigenem Ballbesitz zermürben. Und mit Nilmar und Rossi haben sie zwei sehr gefährliche Stürmer. Ich denke, dass es eine schwere Aufgabe wird. Ich bin gespannt und werde mir das Spiel auf jeden Fall anschauen.“

fcbayern.de: Wie kann man Nilmar und Rossi ausschalten?
Wessels: „Man muss sie möglichst früh bekämpfen, darf ihnen nicht allzu viel Platz lassen, muss aggressiv sein. Besonders im Hinspiel haben wir das gut gemacht. Und Bayern besitzt natürlich noch eine ganz andere Klasse als wir.“

fcbayern.de: Wie ist Villarreal zu knacken?
Wessels: „So wie wir das Tor geschossen haben. Die Spanier wissen, dass sie sehr spielstark sind. Auch wenn kein Platz ist, versuchen sie trotzdem noch von hinten raus zu spielen. Da haben sie gegen uns den Ball verloren. Wenn man sie früh attackiert, machen sie Fehler.“

fcbayern.de: Gespielt wird im El Madrigal. Wie ist dort die Stimmung?
Wessels: „Das Stadion ist klein, aber die Zuschauer sind sehr enthusiastisch und sehr nah am Spielfeld dran. Das ist ein kleiner Hexenkessel. Aber es macht natürlich auch Spaß, in so einer heißen Atmosphäre zu spielen.“

fcbayern.de: Du hast Villarreal mit einigen Glanzparaden lange zur Verzweiflung gebracht. Als Bayern-Fan fühlte man sich erinnert an Dein Champions-League-Debüt 1999 mit dem FC Bayern im Ibrox Park gegen die Glasgow Rangers.
Wessels: „Als ich jetzt mit Odense in die Qualifikation gestartet bin, habe ich auch wieder an dieses Spiel denken müssen. Das war damals etwas ganz Besonderes. Inzwischen ist mein letztes Champions-League-Spiel neun Jahre her (13. November 2002; FCB - RC Lens, d. Red.), da habe ich allein schon genossen, die Quali zu spielen. Es war auch ein Grund für mich, nach Odense zu wechseln, weil ich hier die Chance habe, noch einmal Champions League zu spielen. Das ist das Größte, was man als Vereinsspieler erleben kann. Als vor den Spielen die Champions-League-Hymne lief, habe ich es genossen. Und es macht Appetit auf mehr.“

fcbayern.de: Hast Du noch Kontakt nach München?
Wessels: „Nur noch wenig. Inzwischen bin ich ja auch acht Jahre weg und es sind nicht mehr viele in der Mannschaft, mit denen ich zusammengespielt habe. Nur noch Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm. Wenn wir uns sehen, quatschen wir natürlich. Auch mit Physio Gerry Hoffmann habe ich noch sehr sporadisch Kontakt. Letzten Mai war ich zum zehnjährigen Jubiläum des Champions-League-Sieges in die Allianz Arena eingeladen. Leider konnte ich damals nicht kommen, weil ich zwei Tage später mit Odense noch ein Spiel hatte. Auch letztes Jahr konnte ich leider nicht, als mich der Verein zum Champions-League-Finale nach Madrid eingeladen hatte. Trotzdem ist es schön, wenn diese Einladungen kommen. Das zeigt, dass bei Bayern mehr als nur Geschäft dahintersteckt.“

fcbayern.de: Wie lautet Dein Tipp für Mittwoch und die Bayern-Gruppe?
Wessels: „Das ist natürlich eine Hammergruppe. Es wird mit Sicherheit heiß. Allein von den Spielern her müsste ManCity ins Halbfinale kommen, aber das Schöne im Fußball ist, dass man sich Erfolg nicht kaufen kann. Ich gehe davon aus, dass am Ende ManCity und Bayern weiterkommen. Am Mittwoch tippe ich auf ein 2:1 für Bayern.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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