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Jonker im Exklusiv-Interview

Trainer des FCB II zieht die Zügel an

Stets freundlich, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Andries Jonker, Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern, ist eigentlich alles andere als ein Schleifer. Die Spieler schätzen seine umgängliche Art. Doch das 0:5 beim FSV Frankfurt II am vergangenen Sonntag schlug auch Jonker auf den Magen. „Mit fünf Toren Unterschied habe ich das letzte Mal vor 14 Jahren verloren“, sagte der holländische Coach.

Die Konsequenz: Statt dem üblichen Auslaufen am Montag nach dem Spiel setzte Jonker zwei Trainingseinheiten an. Genau wie am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag in dieser Woche. Die Zügel werden angezogen, wie Jonker im Interview mit fcbayern.de bestätigt. Zudem spricht der Trainer der kleinen Bayern unter anderem über die Gründe für den nicht zufriedenstellenden Saisonstart (4 Niederlagen, 3 Unentschieden, 1 Sieg), Talent Emre Can, Neuzugang Dale Jennings und das Oktoberfest.

Das Interview mit Andries Jonker:

fcbayern.de: Herr Jonker, 0:5 beim FSV Frankfurt II. Wie kam es dazu?
Jonker: „Eigentlich lief das falsch, was schon die ganze Saison in einigen Momenten falsch läuft. Es ist eine komische Mischung zwischen jugendlicher Wechselhaftigkeit, die bei diesem Altersdurschnitt der Mannschaft normal ist, und Nachlässigkeit. Und das muss raus!“

fcbayern.de: Haben Sie noch Spaß an der Arbeit?
Jonker: „Natürlich, denn es ist eine schöne Aufgabe, eine junge Mannschaft zu entwickeln. Aber es macht keinen Spaß zu verlieren. Ich habe ausgerechnet: Mit fünf Toren Unterschied habe ich das letzte Mal vor 14 Jahren verloren. Man kann auch mal gegen den FSV Frankfurt verlieren, aber nicht auf diese Art und Weise.“

fcbayern.de: Welche Gründe haben Sie dafür ausgemacht, dass es bislang erst einen Saisonsieg zu feiern gab?
Jonker: „In dieser Regionalliga sind wir die großen Bayern. Alle freuen sich, wenn wir kommen. Gelegentlich schauen sogar die gegnerischen Spieler an unserer Trainerbank vorbei und wollen Fotos machen. Außerdem sind immer mehr Zuschauer in den Stadien als gewöhnlich. Und: Die Gegner sind hochmotiviert und stellen sich meist hinten rein. Die Konsequenz ist, dass wir was Spiel machen müssen. Das fällt uns aber sehr schwer.“

fcbayern.de: Trotz allem - es sind auch immer wieder einige gute Ansätze zu sehen…
Jonker: „Richtig. Im Allgemeinen sind wir fußballerisch überlegen und fitter als die Gegner. Das ist das Positive. Auch in Frankfurt waren wir fußballerisch besser - so komisch es auch klingen mag. Aber wir verwerten unsere Chancen nicht und machen individuelle Fehler. Das wird bestraft.“

fcbayern.de: Den Oktoberfestausflug der Mannschaft haben sie gestrichen. Warum genau?
Jonker: „Der war für Montagmittag geplant. Aber wir können uns das nicht erlauben. Wir sind der FC Bayern und können auf keinen Fall mit der derzeitigen Situation zufrieden sein. Daher dürfen wir uns dort nicht präsentieren. Wir müssen hier ganz, ganz, ganz hart arbeiten, damit wir besser werden.“

fcbayern.de: Erstmals stand Neuzugang Dale Jennings nach seiner Verletzung in der Startelf. Wie bewerten Sie ihn?
Jonker: „Ich versuche, ihn behutsam aufzubauen. Erst hat er 15 Minuten gespielt, dann Stück für Stück mehr. Ich bin sehr zufrieden mit seiner körperlichen Entwicklung. Jetzt muss er sich an die Spielweise anpassen.“

fcbayern.de: Wie sieht es mit seinen Deutschkenntnissen aus?
Jonker: „Er hat Deutschunterricht, das ist Pflicht. Das erste deutsche Wort in der Öffentlichkeit habe ich aber noch nicht gehört von ihm.“ (lacht)

fcbayern.de: Emre Can war der überragende Mann der deutschen Nationalelf bei der U-17-WM. Wie sehen Sie seine Entwicklung?
Jonker: „Emre ist ein junger Kerl, der einen schwierigen Anfang bei uns hatte. Nach der WM musste ich ihn fast zwingen, Urlaub zu machen. Er wollte am liebsten gleich weiterspielen. Aber das geht einfach nicht. Nach seinen Ferien hat es etwas Mühe gekostet, ihn fit zu machen. Er ist immer noch nicht bei 100 Prozent. Aber das Selbstvertrauen kommt langsam zurück. Er muss sich an das Spiel der Erwachsenen erst gewöhnen. Die gegnerischen Spieler kennen ihn und gehen voll drauf. Er hat es nicht so leicht.“

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