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FCI-Kapitän Stefan Leitl:

'Ein Tor? Ich würde mich nicht scheuen'

Er ist der Anführer des FC Ingolstadt und er kommt vom FC Bayern: Stefan Leitl. Der Kapitän der Schanzer stammt aus dem junior team des Rekordmeisters. Als Achtjähriger kam der in Ismaning vor den Toren Münchens aufgewachsene Stürmer zum FCB, wo er ab der E-Jugend alle Nachwuchsteams bis zur zweiten Mannschaft durchlief. In den letzten beiden Jahren gehörte er unter Giovanni Trapattoni (1996-98) sogar zum Profi-Kader.

Vor dem Wiedersehen am Mittwoch im DFB-Pokal unterhielt sich fcbayern.de mit dem inzwischen 34-Jährigen, der seit 2007 für Ingolstadt seine Fußballschuhe schnürt. Wie ist die Stimmung beim FCI? Und wie besonders ist das Spiel gegen Bayern für ihn selbst?

Das Interview mit Stefan Leitl:

fcbayern.de: Hallo Stefan, nach der Niederlage in Aachen am letzten Wochenende seid Ihr Tabellenletzter - und jetzt geht es ausgerechnet zum FC Bayern. Freut man sich da trotzdem?
Leitl: „Natürlich freuen wir uns auf das Spiel. Wir wollten in Aachen ein positives Ergebnis erzielen, um mit Selbstvertrauen in die Partie gegen Bayern zu gehen. Das ist uns leider nicht gelungen. Aber ich bin überzeugt, dass es für uns alle jetzt eine willkommene Abwechslung ist, gegen die großen Bayern zu spielen und aus dem Liga-Alltag rauszukommen.“

fcbayern.de: Das Spiel kommt also zur rechten Zeit?
Leitl: „Klar sind wir der absolut krasse Außenseiter. Aber wir können auch Fußball spielen. Und vielleicht ist am Mittwoch ein Tag, an dem bei Bayern wenig läuft und bei uns viel. Wir wollen uns anders präsentieren als in Aachen und zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind, auch wenn wir momentan in der Tabelle nicht dort stehen, wo wir uns alle das wünschen.“

fcbayern.de: Wie sehr ist das Aachen-Spiel noch in Euren Köpfen?
Leitl: „Wir haben schon noch daran zu knabbern, vor allem weil es uns erneut nicht gelungen ist, unsere Leistung über 90 Minuten abzurufen. Ab Dienstag gilt die volle Konzentration aber dem Pokalspiel. Dann ist Aachen vergessen.“

fcbayern.de: Nach der tollen Rückrunde in der letzten Saison hat keiner damit gerechnet, dass Ingolstadt jetzt so weit unten in der Tabelle steht. Was ist schief gegangen?
Leitl: „Es kommen einige Dinge zusammen. Wir spielen nicht so stabil wie in der Rückrunde. Wir machen viele Fehler, die man sich in dieser Liga nicht erlauben darf. Das ist vielleicht das größte Problem. Wir sind immer für ein Tor gut, aber letztendlich kassieren wir zu einfach Gegentore, zum Beispiel nach Standardsituationen. Das müssen wir schnellstmöglich abstellen.“

fcbayern.de: Ihr habt in zwölf Ligaspielen 32 Gegentore kassiert.
Leitl: „Jedes Spiel fängt bei 0:0 an. Wenn du die Null hältst, hast du also schon einmal einen Punkt. Wenn uns das gelingt, als Mannschaft geschlossen aufzutreten und die Null zu verteidigen, wären wir schon zwei Schritte weiter. Leider ist es uns bisher in dieser Saison noch nicht gelungen.“

fcbayern.de: Am Mittwoch in der Allianz Arena dürfte Schwerstarbeit auf Eure Defensive zukommen.
Leitl: „Das ist jetzt die größte Herausforderung für jeden Einzelnen von uns: Gegen die beste Mannschaft mit dem besten Sturm Deutschlands dagegenzuhalten und die Null so lange wie möglich zu halten.“

fcbayern.de: Die Allianz Arena steht ja quasi in Deinem Heimatort Ismaning. Wie viele Karten musstest Du für das Spiel besorgen?
Leitl: „Bis jetzt 26, nein, sogar 34. Die ganze Familie und viele Freunde kommen und freuen sich auf das Spiel genauso wie ich.“

fcbayern.de: Inzwischen bist Du seit 13 Jahren weg vom FC Bayern. Ist ein Spiel gegen den FC Bayern immer noch etwas Besonderes für Dich?
Leitl: „Für mich ist es ein absolutes Highlight. Ich bin als Achtjähriger zum FC Bayern gekommen, habe die ganze Bayern-Jugend durchlaufen und war noch zwei Jahre ganz oben bei den Profis dabei. Das prägt einen natürlich und man freut sich auf so ein Wiedersehen. Ich habe nur schöne Erinnerungen an diese Zeit: an die Reisen, die großen internationale Turniere, auch die Berufungen in Jugendnationalmannschaften - das war für mich eine superschöne Zeit.“

fcbayern.de: Hast Du noch Kontakt zur Säbener Straße?
Leitl: „Ja, den gibt es noch. Mit den Physiotherapeuten Fredi Binder und Gerry Hoffmann, mit Dr. Braun (Mannschaftsarzt des FCB II), mit Danny Schwarz (FCB II), den ich noch aus gemeinsamen Zeiten in Unterhaching kenne. Ansonsten hat sich natürlich sehr viel verändert bei Bayern.“

fcbayern.de: Seit Deinem Weggang kam es schon ein paar Mal zum Wiedersehen mit dem FCB, vor allem mit der zweiten Mannschaft. Ist es richtig, dass Du noch nie ein Tor gegen Bayern erzielt hast?
Leitl: „Das ist durchaus möglich, aber genau weiß ich das nicht. Willst Du mir jetzt einreden, dass ich den FC Bayern immer noch so im Herzen trage, dass ich kein Tor gegen ihn schieße?“

fcbayern.de: Wir hätten nichts dagegen…
Leitl: „Ich würde mich nicht scheuen, am Mittwoch zu treffen. Mein Verein ist der FC Ingolstadt. Und wenn ich den Ball über die Linie drücken kann, werde ich es natürlich tun.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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