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Nicht aufzuhalten

Gomez, Ribéry und jede Menge Tore

Mario Gomez kann im Moment offenbar machen, was er will - der Ball landet immer im Tor. Am Samstag eröffnete er die 4:0-Gala gegen Hertha BSC mit einem Flachschuss aus 18 Metern, der holperte und trudelte und vom Innenpfosten ins Tor sprang. Später setzte der FCB-Torjäger auch den Schlusspunkt der Partie. Per Strafstoß. Gomez schoss wieder flach, diesmal auch scharf, aber dafür weniger platziert. Hertha-Keeper Thomas Kraft war mit einer Hand dran, der Ball zappelte dennoch im Tornetz.

„Ich hab mir eigentlich vorgenommen, rechts unten zu schießen“, erzählte Gomez nach Spielende, „dann habe ich mich im letzten Moment umentschieden - und es ging fast in die Hose.“ Aber halt nur fast. Der Torschützenkönig der letzten Saison trifft und trifft und trifft. Mit jetzt zehn Treffern führt er die Torschützenliste der Liga schon wieder an. In den letzten sechs Bundesligaspielen traf er zehn Mal, in den letzten 49 Pflichtspielen 53 Mal.

„Das war ein sehr, sehr schöner Nachmittag“, freute sich der Torero nach dem Hertha-Spiel. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren (Dezember 2009) hatte er ein Tor aus der Distanz erzielt. „Es ist nicht mein Ziel, Tormarken zu knacken“, betonte er. Es gehe darum, mit der Mannschaft Titel zu gewinnen. Und da sieht er den FC Bayern auf einem guten Weg. „Wenn wir so spielen, werden wir Meister“, sagte er, „ich versuche meinen Teil dazu beizutragen. Das gelingt mir ganz gut. Aber nur, weil wir als Mannschaft so gut spielen.“

Gomez stellt sich voll in den Dienst der Mannschaft. Auch gegen Hertha sah man ihn in der eigenen Spielhälfte dem Gegner hinterherjagen. Am Ende verzeichnete er sechs Ballgewinne, kein Spieler auf dem Platz hatte mehr. Bezeichnend für das Spiel des FCB ist, dass am Samstag noch ein weiterer Offensivspieler auf tolle Defensivwerte kam: Franck Ribéry. Wie Gomez eroberte er sechs Bälle, dazu wurden vier Tacklings des Franzosen gezählt, nur für Anatoliy Tymoshchuk wurden mehr Grätschen gezählt (6).

Der beste Vorbereiter der Liga

Mannschaftsdienlich war Ribéry aber auch wieder in der Offensive. Drei Tore bereitete er gegen die Hertha vor, das vierte erzielte er selbst. Mit acht Vorlagen ist der Franzose aktuell mit Abstand der beste Vorbereiter der Liga. In den neun Ligaspielen dieser Saison war er an zwölf Toren beteiligt (4 Tore, 8 Vorlagen), in insgesamt 106 Ligaspielen an 85 (35 Tore, 51 Vorlagen).

„Franck ist in einer unglaublich guten Verfassung“, ist Karl-Heinz Rummenigge „sehr glücklich“ über Ribérys Form. Am Samstag narrte er die Berliner reihenweise mit Pirouetten, Beinschüssen und Tempodribblings. „Franck ist nur ein einziger Muskel - ich hatte keine Chance“, sagte sein direkter Gegenspieler Christian Lell. „Das war fantastisch“, frohlockte Christian Nerlinger, „Ribéry ist absolut fit, er verbreitet eine unglaubliche Spielfreude und zeigt sein ganzes Können. Er ist in einer absoluten Topform und macht Spaß.“

Heynckes fordert mehr Tore

„Das hat sehr viel Freude gemacht“, meinte auch Ribéry, der als wichtigsten Grund für sein Aufblühen auch am Samstag wieder anführte: „Der Spaß ist zurück.“ Hinter seiner Leistungsexplosion steckt aber natürlich auch viel Arbeit. „Franck hat gut gearbeitet“, hatte ihn Jupp Heynckes noch vor dem Spiel gelobt für seine Trainingsleistung während der Länderspielpause. Wegen einer Muskelverhärtung in beiden Waden hatte er viel Zeit in der Reha verbracht.

Ribérys Leistung in der ersten Halbzeit gegen Berlin bezeichnete der FCB-Chefcoach als „absolute Weltklasse“. Schon nach zwei Minuten hatte er das 1:0 auf dem Fuß, zögerte aber etwas zu lange und übersah auch noch die besser postierten Thomas Müller und Toni Kroos. Dass man Ribéry aufgrund dieser Szene zu viel Egoismus unterstellte, ließ Heynckes nicht zu. „Er ist ein Topvorbereiter, er spielt sehr mannschaftsdienlich“, betonte der Trainer, „ich habe ihm auch gesagt, er muss hier und da egoistischer werden. Denn ein Mann seiner Klasse muss auch Tore erzielen.“ Aber dafür gibt es ja auch noch Mario Gomez.

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