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'Eine Delikatesse'

Kroos bringt Heynckes zum Schwärmen

Holger Badstuber steht auf Hip-Hop von Chris Brown, Jérôme Boateng mag R&B von Trey Songz und David Alaba bevorzugt die Musik von Justin Biber. Dagegen hat Toni Kroos einen für einen 21-Jährigen nicht gerade alltäglichen Musikgeschmack: Der Mittelfeldspieler des FC Bayern hört gerne deutsche Popmusik, da vor allem Herbert Grönemeyer („Für mich der größte deutschsprachige Sänger“) und die Band Pur um Frontmann Hartmut Engler („Ein toller Künstler und total sympathischer Mensch“).

Außergewöhnlich ist bei Kroos aber nicht nur der Musikgeschmack, sondern auch seine fußballerischen Fähigkeiten. Das hat der Nationalspieler in den letzten Wochen mehr und mehr unter Beweis gestellt, zuletzt beim 1:1-Remis im Champions-League-Gruppenspiel beim SSC Neapel. Gegen den italienischen Vizemeister gehörte Kroos erneut zu den besten FCB-Akteuren und erzielte nach knapp 100 Sekunden den sehenswerten Führungstreffer.

„Wie er den Ball mitnimmt und rein macht - das ist Weltklasse und technische Perfektion“, schwärmte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer über die fließende Ballan- und -mitnahme sowie den überlegten Torabschluss. Kroos verfüge über „außergewöhnliche Fähigkeiten“, ergänzte Sammer. „Er ist von seinem Charakter her Führungsspieler. Er bringt diese Eigenschaften absolut mit.“

Entscheidend für Kroos‘ jüngsten Entwicklungsschub ist laut Sammer vor allem „ein Lehrmeister wie Jupp Heynckes, der sein Talent erkannt und auch durch schwierige Zeiten geführt hat.“ Tatsächlich hält der 66 Jahre alte Fußballlehrer große Stücke auf den gebürtigen Greifswalder, der unter Heynckes schon in Leverkusen groß aufspielte. In 13 von 15 Pflichtspielen stand Kroos in der Startelf, so auch im Stadio San Paolo zu Neapel.

Zum zweiten Mal das 1:0

„Auch abgesehen vom Tor hat Toni heute ein überragendes Spiel gemacht“, lobte Heynckes seinen zentralen Mittelfeldspieler in höchsten Tönen, zeigte sich davon „nicht überrascht. Er entwickelt sich in dieser Saison immer weiter zum absoluten Leistungsträger. Fußballerisch ist es eine Delikatesse, ihm zuzuschauen, wie leichtfüßig er spielt. Er ist handlungsschnell, spielerisch sehr gut, vor allem wie er die Bälle mit Richtungsänderung annimmt.“

So wie beim Treffer zur 1:0-Führung in der 2. Spielminute, dem zweitschnellsten Tor in der laufenden Champions-League-Saison. „Es ist heutzutage wichtig, dass man solche Bälle mit der ersten Ballannahme mitnimmt. Es gibt nicht viele Spieler, die das können. Hier hat es gut geklappt“, beschrieb Kroos sein bereits zweites Tor in der Königsklasse. Schon beim 2:0-Erfolg des FCB in Villarreal hatte Kroos den wichtigen ersten Treffer für die Bayern erzielt.

Er wird noch besser

Aber Kroos, 2007 bei der U17-WM in Südkorea zum besten Spieler des Turniers gewählt, kann nicht nur offensiv. Auch in seinem Defensivverhalten hat der talentierte Profi zuletzt große Fortschritte gemacht. Gegen Neapel gewann er 73 Prozent seiner Zweikämpfe, mit drei Balleroberungen im Spiel hatte er den besten Wert aller Bayern-Spieler.

„Mittlerweile hat er auch gelernt, nach hinten zu arbeiten, zu kämpfen, zu grätschen. Das erfreut mich besonders“, sagte Heynckes. Und Matthias Sammer sieht Kroos noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung. Er prophezeite: „Kroos wird noch besser. Sein ganzer Bewegungsablauf wird noch viel dynamischer werden.“ Passenderweise lautet ein Liedtitel von Herbert Grönemeyer: „Ich will mehr!“

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