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Rafinha im Interview

'Ohne Samba-Musik bin ich gar nichts'

Für Marcio Rafael Ferreira de Souza - kurz: Rafinha - ist in diesem Sommer ein Traum in Erfüllung gegangen. Im zweiten Anlauf klappte es endlich mit dem Wechsel zum FC Bayern. Und seine Erwartungen wurden bisher absolut erfüllt, wie er im Interview mit dem Bayern-Magazin berichtet. Außerdem verrät der Brasilianer, warum ihm die kalten Winter in Deutschland nichts mehr ausmachen, was er in seiner Freizeit am liebsten macht und warum ihn Jupp Heynckes einen „kleinen Sauhund“ nannte.

Das Interview mit Rafinha

fcbayern.de: Rafinha, Du hast beim Spiel in Hoffenheim kurzfristig passen müssen. Was macht die Verletzung?
Rafinha: „Ich hatte schon nach dem Spiel gegen Manchester Schmerzen in den Adduktoren und beim Warmmachen in Hoffenheim habe ich wieder etwas gespürt. Ich habe dann gesagt, es ist besser nicht zu spielen, bevor es noch schlimmer wird. Ich bin mir aber fast sicher, dass ich bis zum Spiel am Samstag gegen Hertha wieder hundertprozentig fit sein werde.“

fcbayern.de: Vor Hoffenheim hast Du bis auf die Partien in Kaiserslautern und Zürich alle Spiele mitgemacht. Bist Du zufrieden mit den ersten Monaten beim FCB?
Rafinha: „Ja, absolut. Es war immer schon ein großer Traum für mich, einmal beim FC Bayern zu spielen. Vor zwei Jahren war ich schon kurz davor und in diesem Sommer hat es dann geklappt. Als das Angebot kam, musste ich nicht lange überlegen. Ich freue mich sehr, jetzt bei diesem Klub zu sein, der für mich zu den fünf besten der Welt gehört.“

fcbayern.de: Auch der erste Treffer für die Bayern ist Dir schon gelungen. Wie kam es zu diesem außergewöhnlichen Torjubel beim 2:0 gegen Villarreal?
Rafinha: „Ich schieße ja nicht so oft Tore, deshalb kenne ich mich nicht so mit dem Torjubel aus. Der bei diesem Spiel war ganz spontan. Wie habe ich da noch mal gemacht?“

fcbayern.de: Es sah ein bisschen aus wie ein Skipping-Lauf...
Rafinha: (Lacht) „Ja, das stimmt. Ich war in diesem Moment emotional sehr aufgewühlt, denn es war mein erstes Tor für den FC Bayern und gleich ein sehr wichtiges. Für das nächste Tor werde ich mir aber vorher etwas anderes überlegen.“ (lacht)

fcbayern.de: Ihr habt in 14 Pflichtspielen erst ein Gegentor kassiert. Willst Du uns das Erfolgsrezept verraten?
Rafinha: „Wir haben in der Vorbereitung viel in Sachen defensiver Grundordnung gearbeitet und stehen jetzt sehr kompakt. Aber das eigentliche Geheimnis ist, dass wirklich alle in der Mannschaft mitmachen. Auch die Stürmer helfen kräftig mit, das macht es für uns Abwehrspieler natürlich leichter.“

fcbayern.de: Ist es zusätzlich beruhigend, einen Torwart wie Manuel Neuer hinter sich zu wissen?
Rafinha: „Klar, das ist sehr gut. Ich kenne Manu schon aus der Zeit bei Schalke, wir haben fünf Jahre zusammengespielt. Ich weiß, was er kann. Er ist ein super Torwart, der einem zusätzlich Sicherheit gibt.“

fcbayern.de: Wie groß ist der Anteil von Trainer Jupp Heynckes am derzeitigen Erfolg?
Rafinha: „Herr Heynckes ist ein sehr erfahrener Trainer, der genau weiß, wie Fußball funktioniert. Er hat uns ein super System verpasst, das uns gute Möglichkeiten verschafft, Titel zu gewinnen. Er hat sicherlich großen Anteil daran, wie gut wir momentan Fußball spielen.“

fcbayern.de: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du am Ende der Saison Deinen ersten Meistertitel in Europa feiern kannst?
Rafinha: „Mit Schalke war ich drei oder vier Mal Vizemeister, habe aber ­keinen Titel gewonnen. Wer Titel gewinnt, schreibt Geschichte. Das ist das Ziel von uns allen beim FC Bayern, der ganze Klub tickt so. Ich hoffe, dass ich weiter gute Leistungen abliefern kann und so meinen Anteil zum Erfolg beitragen kann.“

fcbayern.de: Wenn man beim FCB konstant gut spielt, wird man fast automatisch ein Thema für die Nationalmannschaft. Hoffst Du auf ein Comeback in der Selecao?
Rafinha: „Ja, ich warte schon auf den Anruf unseres Nationaltrainers (lacht). Aber gerade auf meiner Position ist die Konkurrenz sehr groß. ­Maicon und Dani Alves sind wirklich tolle Spieler. Ich bin jetzt beim FC Bayern und bringe meine Leistung. Ich bin bereit für die Selecao und kenne mich da auch schon aus.“

fcbayern.de: 2014 ist die WM in Deiner Heimat...
Rafinha: „Ich muss geduldig bleiben. Ich werde jetzt erst mal meine Arbeit hier beim FC Bayern verrichten, und dann sehen wir weiter. Aber klar, die WM ist ein großer Traum von mir und auch mein Ziel.“

fcbayern.de: Jupp Heynckes hat Dich mal liebevoll einen „kleinen Sauhund“ genannt. Was glaubst Du, hat er damit gemeint?
Rafinha: „Herr Heynckes kennt mich sehr gut und hat das wohl auf meine Spielweise bezogen. Ich bin ein aggressiver Spieler und manchmal muss man im Fußball auch Sachen machen, die nicht so angenehm für den Gegner sind. Auch damit kann man seiner Mannschaft ­helfen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Art, Fußball zu spielen und werde mich bestimmt auch nicht mehr ändern.“

fcbayern.de: In den Spielen Schalke gegen Bayern gab es immer hitzige Duelle zwischen Dir und Franck Ribéry. Wie ist Euer Verhältnis mittlerweile?
Rafinha: „Früher waren wir Gegner und kannten uns nicht. Jetzt kann ich aber sagen, dass er wirklich ein super Typ ist. Er hat ein großes Herz und er ist ein sehr positiver Mensch, mit dem man sehr viel Spaß haben kann. Und ich bin froh, dass ich nicht mehr gegen ihn und auch gegen Arjen Robben spielen muss. Beide kannst du eigentlich nur mit einem Foul stoppen. Wenn ich jetzt mal im Training gegen Franck spiele, dann schenken wir uns nicht viel, aber natürlich gehe ich nicht mehr so zur Sache wie früher. Und nachher in der Kabine haben wir dann viel Spaß zusammen.“

fcbayern.de: Wie fühlst Du Dich insgesamt in der Mannschaft aufgenommen?
Rafinha: „Sehr gut. Natürlich ist es am Anfang immer ein bisschen schwer, wenn man neu ist. Man muss erstmal die neuen Mitspieler kennenlernen und erfahren, wie die Mentalität in der Mannschaft und im Klub ist. Aber das ging alles ganz schnell. Überhaupt haben wir eine super Stimmung in der Kabine, so habe ich das vorher noch nie erlebt. Wie arbeiten sehr konzentriert zusammen auf dem Trainingsplatz und danach haben wir viel Spaß zusammen. Aber nicht nur in der Mannschaft herrscht eine tolle Atmosphäre. Egal, wen ich hier auf dem Gelände treffe, ob Platzwart oder Geschäftsstellen-Mitarbeiter, alle begegnen mir total freundlich, höflich und offen. Das Ambiente ist wirklich unglaublich hier und die Mentalität sensationell.“

fcbayern.de: Viele Brasilianer leiden in Deutschland unter dem Klima. Du auch?
Rafinha: „Zunächst einmal: Ich bin 2010 nicht aus Schalke weggegangen wegen des Klimas in Deutschland. Das hatte andere Gründe. Natürlich ist für uns Brasilianer das deutsche Wetter im Winter ein Problem. Man fliegt an Weihnachten nach Hause und hat 35 Grad und wenn du zurück kommst nach Deutschland minus fünf. Zum Glück gibt es dicke Jacken (lacht). Ich bin das aber längst gewohnt. Und in diesem Jahr war es ja bis vor ein paar Tagen noch richtig warm. Das habe ich mit meiner Familie sehr genossen. Wir haben fast jeden Tag im Garten gegrillt, das war ganz großartig.“

fcbayern.de: Wie gefällt es Dir in München?
Rafinha: „Ich bin kein Typ, der so oft unterwegs ist. Ich bin lieber zuhause, mit der Familie und mit Freunden. Unser Haus ist eigentlich immer voll (lacht). Aber ich finde die Stadt sehr schön.“

fcbayern.de: Dein Lebensmotto lautet: Carpe diem. Wie genießt Du einen Tag?
Rafinha: „Das kommt darauf an. Wenn ich zwei oder drei Tage frei habe, dann fliege ich gerne in eine Stadt in Europa, die ich noch nicht kenne. Ich mag es, etwas Neues kennenzulernen. Wenn ich aber nur einen Tag frei habe, dann genieße ich die Zeit zuhause mit meiner Familie. Grillen, Samba-Musik machen, ich habe die Instrumente alle zuhause. Fast so wie in Brasilien, das ist wichtig.“

fcbayern.de: Klingt so, als seien Musik und Samba ganz wichtig für Dich?
Rafinha: „Ja, das ist so. Das ist mein Leben. Ohne Samba-Musik bin ich gar nichts.“

Mit Rafinha sprachen Dirk Hauser und Carsten Zimmermann

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