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'Nicht nur Statist'

Rekordmann Neuer zeigt seine Klasse

Lange musste Manuel Neuer auf diesen Moment warten. 610 Minuten blieb der Torhüter des FC Bayern in der laufenden Bundesligasaison ohne echte Bewährungsprobe. Ein Schuss des Gladbachers Juan Arango in der 42. Minute des Bundesliga-Auftaktspiels am 7. August war die bislang einzige Szene, in der der 25-Jährige seine Klasse zeigen musste, um einen Gegentreffer zu verhindern. Es folgten über zehn Stunden Spielzeit, in denen Neuer nahezu beschäftigungslos blieb. Bis Samstag.

Beim Gastspiel des Rekordmeisters in Hoffenheim war es nach 22 Minuten vorbei mit der Ruhe: Nach einem Kopfball von Marvin Compper musste sich der „beste Torwart der Welt“ (Bayern-Kapitän Philipp Lahm) ganz lang machen, um mit einer Weltklasseparade den Führungstreffer der Gastgeber zu verhindern. Insgesamt kam Neuer in diesem Spiel auf fünf gehaltene Schüsse, mehr als in jedem der vorangegangenen sieben Spiele.

Ruhender Pol

„Heute hat er mal ein bisschen was zu tun bekommen“, meinte Lahm nach dem Spiel und betonte: „Wir wissen, was wir an ihm haben.“ Auch Christian Nerlinger lobte die Nummer eins der Bayern: „Den Kopfball hält er sensationell, in absoluter Weltklassemanier“, so der FCB-Sportdirektor, der Neuer „eine fantastische Ausstrahlung“ attestierte. „Man hat gesehen, was er für ein ruhender Pol ist.“ Neuer selbst meinte lächelnd: „Das zeigt, dass ich nicht nur Statist bin auf dem Platz.“

Seit nunmehr 1.018 Pflichtspielminuten ist Neuer ohne Gegentor, das ist ein neuer FCB-Vereinsrekord. Zuvor war es Oliver Kahn, der in der Saison 2002/03 seinen Kasten für 1.011 Minuten sauber gehalten hatte. In der Bundesliga ist Neuer seit 658 Minuten unbezwungen, damit verbesserte er sich in der ewigen Bestenliste auf Rang vier hinter Timo Hildebrand (882) und Kahn (801 und 736).

Ein Rekord der Mannschaft

Rekordmarken, auf die Neuer selbst nicht viel gibt. „Wir hätten heute lieber gewonnen“, stellte der Schlussmann klar, dass er den elften Pflichtspielsieg in Folge einer persönlichen Bestmarke vorgezogen hätte. Zumal er diese nicht alleine erreicht habe. „Das ist ja nicht mein Rekord, sondern ein Rekord der Mannschaft, weil wir alle zu null gespielt haben. Ich denke, Mario Gomez wird sich genauso darüber freuen wie ich“, betonte Neuer, der in Hoffenheim „von Anfang an gefordert wurde“.

Und doch sprechen die Zahlen für sich. In seinen bislang 164 Bundesligaspielen kassierte Neuer nur 155 Gegentore. Mit einem Schnitt von 0,95 Gegentreffern pro Spiel ist er der beste Bundesligatorwart aller Zeiten (mit mindestens 100 Einsätzen), noch vor seinen Vorgängern im Bayern-Tor Kahn (1,04), Raimond Aumann (1,06) und Jean-Marie Pfaff (1,06). Aktuell musste Neuer seit fast 17 Stunden nicht mehr hinter sich greifen.

Auch mal unspektakulär

„Das sieht bei Manuel immer sehr leicht aus“, sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes über seine Nummer eins, die immer „sehr konzentriert, sehr aufmerksam und wenn es notwendig ist sehr unspektakulär“ agiere. „Er hat eine Riesen-Ausstrahlung, er verleiht der Mannschaft Sicherheit. Das trägt auch dazu bei, dass wir defensiv besser stehen“, weiß Heynckes um den Schlüssel des neuen Defensiverfolges. Und dieser soll auch nach der Länderspielpause möglichst lange Bestand haben.

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